Posts Tagged ‘Veränderung’

Loslassen

Mittwoch, Dezember 30th, 2015

loslassen
Können Sie loslassen? Kommt darauf an, worum es geht, werden Sie vielleicht antworten. Wenn wir eine ungeliebte Aufgabe abgeben, dann ist es ganz leicht. Doch bei allem anderen tun wir uns schwer zu akzeptieren, dass nicht alles weitergeht, wie gewohnt. Das Schwerste ist wohl, geliebte Menschen loszulassen, sei es, weil sie ihren Lebensmittelpunkt verschieben oder sich infolge von Alter oder Krankheit so verändern, dass wir sie kaum wiedererkennen. Im Kleinen wie im Großen bleibt das Loslassen eine lebenslange Aufgabe.
Als vor den Sommerferien die Liste noch vor dem Urlaub zu erledigender Dinge wuchs und wuchs, dachte ich: Leichter gesagt, als getan. Ich habe erledigt, was möglich war und dann beschlossen: Jetzt ist Schluss, Urlaub, Erholung! Der Rest auf meiner Liste würde auch in einigen Wochen noch da sein. War er auch. Aber inzwischen waren neue Dinge hinzugekommen und bis sich dieser Stau aufgelöst hatte, fielen bereits die ersten Blätter von den Bäumen.
Doch meine Entscheidung aus dem Sommer, vor dem Urlaub bewusst loszulassen, bereue ich nicht. Im Trott der täglichen Verpflichtungen und Gewohnheiten vergesse ich manchmal, dass Leben aus ständiger Veränderung besteht. Wie oft kommen neue Aufgaben hinzu, geht man neue Verpflichtungen ein, freiwillig oder aus sozialer Notwendigkeit. Doch wir können nicht immer nur Neues beginnen, wir müssen auch anderes hinter uns lassen, sonst drehen wir durch. Leider nehmen wir uns dazu, zum „Sein lassen“, meist zu wenig Zeit oder wir denken nicht darüber nach. Dabei ist es eine echte Wohltat, so meine ich zumindest, selbst für sich Veränderungen anzustoßen und mit Gewohnheiten zu brechen. Es vermeidet nicht nur die lähmende Seite des Alltags, es gibt mir auch immer wieder das gute Gefühl, mich aktiv gestaltend und handelnd zu erleben.
Was kann ich lassen? Wo könnte ich loslassen? Was möchte ich verändern? Jetzt, zum Jahreswechsel, ist eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken.

(Bild: Lisa Spreckelmeyer, Pixelio)

Wenn Freimaurerei im Wesen des Menschen gründet …

Montag, April 6th, 2015

Wenn Freimaurerei im Wesen des Menschen gründet (Lessing), bedeutet das:
1. Freimaurerei ist etwas typisch Menschliches, und zwar
2. ein Mensch kann sich ändern, er ist nicht grundsätzlich vorherbestimmt.

Achtung: Komfortzone Loge

Sonntag, Januar 25th, 2015

Achtung: Komfortzone Loge!Komfortzone - ich bin nicht sicher, ob ich das Wort mag. Was mir jedoch gefällt, ist sein sprechender Charakter. Es ist sofort klar, was damit gemeint ist: Wer sich in seiner Komfortzone befindet, der fühlt sich sicher und wohl und kann aus dieser Position sicher agieren. Klar ist aber auch: so lange ich mich dort befinde, bleibt alles, wie es ist. In meiner Loge, im Kreise meiner Schwestern, fühle ich mich wohl. Und schon befinde ich mich mitten in einem Dilemma: Als Freimaurerin möchte ich mich doch entwickeln. Die Loge soll dabei ein Übungsfeld sein, meine Werkstatt, um die gewonnenen Erkenntnisse umzusetzen. Es kommt darauf an, sich nicht zu bequem einzurichten: Es gibt auch und gerade in der Loge reichlich Möglichkeiten, die eigene Komfortzone zu erweitern. In der Loge gibt es eine Menge Aufgaben zu erledigen, einige davon sind in sogenannten “Ämtern” fest verteilt. Warum also nicht mal ein Amt übernehmen, das herausfordernd erscheint? Oder einen Vortrag anbieten, bei dem man sich das Thema erst erarbeiten muss? Oder an anderer Stelle engagieren, wo es einen nicht spontan hinzieht? Durch neue Schwestern verändert sich die Loge kontinuierlich, auch das hilft, sich nicht zu sehr in seine Komfortzone zurückzuziehen. Auch das Besuchen anderer Logen bringt die Art von Impulsen, die eine Entwicklung unterstützen. Was nicht passieren sollte: Dass wir unwirsch reagieren, wenn etwas oder jemand uns aus der gemütlichen Ecke herauslockt! Dafür sind wir nicht Freimaurerinnen geworden. Und sich zu sehr einzurichten, das tut am Ende auch der gesamten Gruppe nicht gut!

Vernunft und Liebe in der Freimaurerei (1/3)

Sonntag, Dezember 7th, 2014

Teil 1 - Vernunft
Was bedeuten Vernunft und Liebe in der Freimaurerei?
Ein Lahmer und ein Blinder wurden im Wald von einem Feuer überrascht. Da nahm der Blinde den Lahmen auf die Schulter und beide konnten sich retten. Liebe ohne Vernunft ist blind. Vernunft ohne Liebe ist lahm. Die Liebe, das Herz, nimmt die Vernunft, den Kopf, auf die Schulter. Vernunft ist Kopfarbeit, Liebe ist Herzarbeit. Arbeit ist also beides!
Die Loge ist eine Herausforderung für jede von uns, vernünftig handeln und lieben zu lernen. Gerade in einer kleinen Gemeinschaft lässt sich leichter herausfinden, ob eine Sache vernünftig und ob sie mit schwesterlicher Liebe ausgeführt wird, als in einer sehr großen Gemeinschaft, wo eine einzelne sich verstecken oder bedeckt halten kann. 
Auf dem freimaurerischen Einweihungsweg scheint es vernünftig zu fragen: Geht das ohne Anleitung? Brauchen wir spirituelle Führung? Sollte sich ein „freier Mensch von gutem Ruf“ darum bemühen, geführt zu werden? Die Freimaurerin ist in der Loge keiner Führung unterstellt, vielmehr ist jede einzelne Schwester gefordert, sich um ihr Weiterkommen selbst zu kümmern. Hier wird das geistige Erbe der Aufklärung wirksam: nicht denken lassen sondern selber denken. Das Erleben von Gemeinschaft und freimaurerischer Arbeit soll eine Wandlung bewirken, deren Wirkungen jedoch nicht messbar oder nachprüfbar sind.
Vernunft ist das richtige Aufnehmen und das Vermögen, das Aufgenommene zu verarbeiten und in einen Zusammenhang zu bringen. Nur echtes Fragen führt zu echten Erkenntnissen. Das sind Erkenntnisse, die uns verwandeln. Freimaurerisch ist ja der Gedanke: Wir sollen nicht bleiben, was wir sind. Und das wiederum, ohne uns auf eine alle verpflichtende Norm auszurichten. Das setzt eigenes Suchen, Fragen und Denken voraus. Vernunft als Sinnsuche.
Als geistige Kraft auf der Suche nach Sinn und gemeinschaftsstiftend ist die Vernunft ein geistiges Vermögen, dem wir heute das sinnliche Vermögen nicht unter- sondern nebenordnen.
Ja zum ganzen Menschen, zu Geist und Sinnen - und das mit Vernunft. Nicht die reine Geistigkeit oder reine Körperlichkeit, sondern sowohl das Geistige als auch das Leiblich-/Materielle verdienen unsere Wertschätzung. Wie schön ist es doch, heute vernünftig zu sein! Wir übersehen nicht die Not um uns her, aber wir sind aufgeschlossen für die Vision einer mit Vernunft und Liebe gestalteten Welt, die in jeder einzelnen von uns ihren Anfang nimmt. 
Wie wirkt sich Vernunft in unserem persönlichen Leben aus?
Im Denken: Selber denken und nicht denken lassen!
Im Handeln: In der Toleranz, denn die Toleranz ist die Forderung, die sich aus dem Selberdenken ergibt: Wie ich für mich in Anspruch nehme, selber zu denken, gestehe ich das auch der anderen zu und respektiere ihr Denken.
Im Lieben: Es ist vernünftig zu lieben. Die Aufklärung erhebt die Forderung der allgemeinen Menschenliebe.

Einfach mal was anderes

Mittwoch, September 3rd, 2014

Die Sommerferien sind zu Ende, die Schule hat angefangen und ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Schon häufiger ist es mir aufgefallen, dass der Nachwuchs durch Veränderungen im Alltag, die z.B. eine Urlaubsreise oder natürlich eine neue Schule mit sich bringen, ganz erstaunliche Entwicklungssprünge macht. 
Das wird bei uns Erwachsenen nicht anders sein, auch wir entwickeln uns, wenn wir neue Dinge tun oder Gewohntes anders angehen. Nur, dass wir uns vielleicht nicht bereitwillig genug aus unserer Komfortzone herausbewegen, Gelegenheiten zur Veränderung nicht ergreifen und so unsere eigene Weiterentwicklung quasi behindern. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen, ich rufe Sie nicht auf dringend am Ice Bucket Challenge teilzunehmen, aber wie wäre es mit etwas anderem, das Sie sonst nicht tun? Erlauben Sie sich neue Gedanken, Veränderung, Weiterentwicklung!

Freimaurerei ist Arbeit

Montag, Mai 5th, 2014

Freimaurerei war und ist immer Arbeit. Die Kultur des Gespräches, des Austausches, das sich beschäftigen mit unterschiedlichsten Themen und Menschen erfordern Offenheit und jedes Mal auch Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen.
Die logische Konsequenz dieser Haltung ist dann der einsetzende Veränderungsprozess im Denken und Handeln bei jeder einzelnen.
So ist eine Freimaurerloge kein Fluchtort vor sich selbst und der Jetztzeit mit all ihren an uns gestellten Aufgaben, sondern eine Begegnungsstätte aufgeschlossener Menschen, die ihre Kritikfähigkeit entwickeln und ihr Urteilsvermögen schärfen wollen.
Selbsterkenntnis kann schmerzhaft sein, unbequem und zur eigenen Krise führen. Aber nur in Krisensituationen, durch Reibung mit sich selbst und mit anderen, entsteht neues Denken und immer auch die Chance zu einem Richtungswechsel.
Demnach ist Freimaurerei auch nicht der permanente Versuch, von der These über die Antithese zu Synthesen zu finden, Harmonie um jeden Preis zu erzeugen. Nur in der Spannung der Gegensätze und in der Erkenntnis, dass auch zwei Meinungen richtig sein können, ist neues Denken, ist Weiterentwicklung möglich.

Angst vor Veränderung?

Donnerstag, Januar 16th, 2014

Veränderung ist allgegenwärtig, vielfach sprechen wir von “Change” - was haben wir im Deutschen für Alternativen? Siebzehn finde ich auf Anhieb, ein Zeichen für einen wichtigen und an Facetten reichen Begriff: Wandel, Erneuerung, Wechsel, Abweichung, Besserung, Bewegung,  Korrektur, Modifikation, Neuerung, Reform, Umwandlung, Wende, Neubeginn, Neuordnung, Übergang, Abwechslung, Revolution.
Die Hälfte der Synonyme ist positiv besetzt ist (Besserung), die andere Hälfte neutral. Keiner ist dagegen eindeutig negativ.
Dennoch löst der Begriff Veränderung bei vielen Menschen unangenehme Assoziationen, wenn nicht gar Angst aus.
Freimaurerinnen wollen sich selbst erkennen und verändern. Die Arbeit am rauen Stein bedeutet nichts anderes als Veränderung. Freimaurerinnen wollen nicht ‚weg-von-etwas‘ sondern ‚hin-zu-etwas‘. Sie erklären die eigene Veränderung zum Ziel haben demnach eine gewisse Veränderungslust!
Aber wo wird Veränderung in der Freimaurerei sichtbar?
Ein Beispiel: Wir arbeiten in drei Graden. Diese symbolisieren bei ihrem Durchlaufen die Veränderung der jeweiligen Freimaurerin, ihr individuelles Fortschreiten auf dem freimaurerischen Weg der Erkenntnis.
Die Loge empfinden wir dabei als langjährige Konstante, doch auch die Loge als Gruppe verändert sich: durch die Veränderung jeder einzelnen Schwester, durch neue Mitglieder und Schwestern, die uns wieder verlassen. So, wie in einer Kette jedes einzelne Glied seine Wirkung auf Aussehen und Eigenschaften des Schmuckstücks hat, so ist es in der Loge in der Kette der Schwestern.
Diese Veränderungen sind im Gegensatz zu der Veränderung der eigenen Person jedoch nicht selbst gewollt, nicht selbst angestoßen und hier liegt der entscheidende Unterschied für unsere Fähigkeit, mit dem Wandel umzugehen.
Doch zurück: Freimaurerinnen wollen nicht ‚weg-von-etwas‘ sondern ‚hin-zu-etwas‘. Die wichtigste Fähigkeit zur erfolgreichen Bewältigung von Veränderung ist die Lust auf sie und das ist genau das, was uns Freimaurerinnen auszeichnet bzw. auszeichnen sollte.
Die Wahrnehmung einer Zukunft ist dabei unsere schöpferische Leistung. Wir können sie selbst bestimmen, denn es gibt sie ja noch nicht! Und bei der Realisierung ist der Weg das Ziel, mit allem, was dazu gehört: Abschied nehmen, planen, sich verlaufen, andere Menschen treffen, raten, neu entscheiden, sich helfen, sich trauen, sich ermutigen, sich irren und wieder versuchen.
Angst brauchen wir davor nicht zu haben, denn am Anfang sind alle Wege dunkel.