Posts Tagged ‘Tempelarbeit’

Die freimaurerische Arbeit als perfekte Kommunikation

Donnerstag, März 19th, 2015

Wenn Menschen interagieren, kommunizieren sie. Einen großen Anteil haben unsere Körpersprache und Mimik, die Sprache kommt hinzu. Kürzlich gab es in meiner Loge einen öffentlichen Vortragsabend mit dem Thema Kommunikation. Die Rednerin wechselte zwischen Theorie und sehr anschaulichen praktischen Beispielen. Am deutlichsten und unterhaltsamsten sind natürlich die Szenen, in denen Kommunikation total misslingt.
In ihrem Resümee beantwortete sie dann eine zuvor selbstgestellte Frage: Perfekte Kommunikation? Das sei für sie die freimaurerische Arbeit. Denn in der freimaurerischen Arbeit machten wir keine Fehler in der Kommunikation.
Das hat mich umgehauen. So habe ich das noch nie gesehen! Natürlich: Das, was häufig Grund ist für missratene Kommunikation, ist in der freimaurerischen Tempelarbeit ausgeschaltet. Jede kennt ihre Rolle und die Rolle der anderen und jede weiß, worum es geht. Wir wissen, warum wir da sind und was geschieht.
Daraus lässt sich ableiten, dass wir in der freimaurerischen Arbeit jeden Monat erleben, dass Kommunikation gelingen kann. Damit wäre sie ein positives Beispiel für alle anderen Veranstaltungen in der Loge, wie Schwesterntreffen, Instruktionen oder Vortragsabende - und zugleich der Beweis, dass sich das Bemühen lohnt. 

(Foto: Tim Reckmann, Pixelio)

Die aktuelle Inszenierung der Zauberflöte in Köln

Montag, Dezember 22nd, 2014

Dieser Tage besuchte ich die Zauberflöte in einer französischen Inszenierung in Köln. Ich gehe immer wieder gerne in diese Oper. Die Musik finde ich einfach großartig - und beim Libretto bin ich bereit, die Zeit mit einzubeziehen und übe Nachsicht bei dem einen oder anderen chauvinistischen Part. Ich habe schon viele verschiedene Inszenierungen gesehen, die aktuell in Köln gezeigte gehört zu den modernsten, die ich bislang besucht habe. Vieles hat mir gefallen, zum Beispiel die filmische Projektion eines Schlangengewusels gleich am Anfang des ersten Aufzugs. Ein toller Effekt! Manches war nicht ohne weiteres nachvollziehbar bzw. verständlich. Warum Sarastro anfangs blind war? Keine Ahnung, später im Stück war der Blindenstock verschwunden. Was ich faszinierend finde: das Stück ist mir wohl bekannt und doch lenkt jede Inszenierung die Aufmerksamkeit auf andere Punkte. Was ich bislang vielleicht übersah, rückt plötzlich in den Mittelpunkt und ich komme nicht umhin, mich damit zu beschäftigen. So ist es auch in der Loge bei den Tempelarbeiten. Alles ist mir wohl bekannt, doch wenn ich reise und woanders an einer Arbeit teilnehme, dann werden Details anders ausgeführt oder betont und schon komme ich auf neue Gedanken und stelle fasziniert fest, dass ich noch lange nicht fertig bin, dass es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. Das ist großartig und macht mir einfach Freude! Hoffentlich kann ich mir das noch lange erhalten!

Arbeit an einem Wort

Donnerstag, November 20th, 2014

Als Freimaurerin bemühe ich mich, offen zu bleiben. Das bedeutet beispielsweise, sich nicht auf seiner Meinung auszuruhen. Natürlich habe ich eine Meinung, doch nur wenn ich bereit bin, mich auseinanderzusetzen, mit anderen zu sprechen und zu lesen, kann ich etwas dazulernen und meine Positionen weiterentwickeln. 
Ein einfaches Beispiel: Immer wieder stieß ich mich an einem Wort in einem Text, der in der Loge im Rahmen eines Wechselgesprächs in der freimaurerischen Arbeit regelmäßig gesprochen wird. Es ist ein einfaches Verb. Um welches Wort es geht, ist völlig nebensächlich und würde nur von der Sache ablenken. Irgendwann war ich diejenige, zu deren Text dieses Wort gehörte. Höchste Zeit, etwas zu tun! Ich hätte es ignorieren können, darüber hinweggehen oder unauffällig ersetzen. Ich habe mich damit auseinandergesetzt und festgestellt, dass, erstens, andere damit kein Problem haben und zweitens, dass dieses Wort von seiner Herkunft her mehrere Bedeutungen hat. Ich hatte es bislang in meinem Leben nur in einem Zusammenhang kennengelernt. Mit dem zusätzlichen Wissen war die Aversion fast augenblicklich verschwunden. Es fällt mir noch jedesmal auf, wenn ich den Satz spreche, doch freue ich mich jetzt darüber, dass ich offen genug war, meine Meinung infrage zu stellen. Der Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung wechseln kann.

Über die rechte Zeit

Samstag, Mai 10th, 2014

Wann finden wir uns in der Loge zusammen? Zur rechten Zeit. Wann ist eigentlich die rechte Zeit für irgendetwas? Gibt es so etwas überhaupt? Und woran erkenne ich, dass sie da ist? In der profanen Welt und in einem zeitlich oft fremdbestimmten Tagesablauf habe ich den Eindruck, zwar die Arbeiten zu erledigen, die eben erledigt werden müssen, aber ein Gefühl von der rechten Zeit stellt sich wahrlich nicht ein. Vielmehr ist es ein Gefühl des Getriebenseins, des Abhakens unvermeidlicher Punkte, das mich eher atemlos zurücklässt. Am ehesten noch bei der Mittagspause, die ich mir jeden Tag gönne, habe ich das Gefühl, dass diese kleine Auszeit die rechte Zeit ist, egal, zu welcher Uhrzeit ich sie wahrnehme. Und wodurch wird die Zeit zur rechten Zeit? So wie es die rechte Zeit sein kann, um Mitternacht ins Bett zu gehen, weil es sich richtig anfühlt; oder am Wochenende am Nachmittag eine Stunde zu schlafen, weil es auf dem Sofa mit den ganzen Katzen so kuschelig ist. Jedenfalls ist die rechte Zeit unabhängig von der Uhrzeit. Man muss sie sich nehmen, wie bei meiner Mittagspause. Ich habe gesagt, ich “gönne” sie mir und das trifft es genau. Das Arbeitspensum ist so hoch, dass es gar keine Rolle spielt, ob es noch eine Stunde auf die Erledigung warten muss. Und wenn es zwei oder drei Uhr nachmittags wird, eine Pause, in der ich das Haus verlasse, mich in ein Cafe setze, ein Eis esse und in einem Buch lese, nehme ich mir. Generell ist es auch bei mir eine beliebte Entschuldigung, zu behaupten: ach, dafür hatte ich keine Zeit. In Wahrheit hatte ich in bestimmten Fällen doch eher keine Lust, mir die Zeit zu nehmen. Vielleicht war ich mal wieder nur zu bequem, mich aufzuraffen zu etwas, das mir nicht in erster Linie Spaß macht, sondern getan werden muss. So wird es für ungeliebte Aufgaben nie die rechte Zeit geben. Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass es eigentlich immer so ist mit der rechten Zeit. Immer dann, wenn ich mich zu einer Tätigkeit, einer Beschäftigung oder einem Zeitpunkt aktiv entschieden, mich darauf eingelassen habe, ist die rechte Zeit. Genau dann ist für mich die rechte Zeit da; erst dann kann ich das, was ich dann tue, bewusst und mit der nötigen Ruhe und Konzentration tun. Das heißt, wenn ich mir die Zeit für bestimmte Dinge nicht nehme, ist nie die rechte Zeit. Sie kommt nicht einfach vorbei und ruft: hier bin ich. Ich muss mich entscheiden, dass es die rechte Zeit ist für das, was ich tun will oder muss. Das heißt aber auch, dass die rechte Zeit individuell und für jeden verschieden ist. 
Als mir klar geworden ist, dass diese Unterschiede hinsichtlich der rechten Zeit erst recht bei uns Schwestern eine Rolle spielen, habe ich einmal mehr realisiert, wie wertvoll die Tempelarbeiten sind, was es heißt, sich dazu zusammenzufinden. Denn hier entscheiden sich mehrere Schwestern dafür, zum selben Zeitpunkt zur Logenarbeit zu kommen. Wenn es für sie nicht möglich ist, bleiben sie fern; aber wenn sie sich entschieden haben, dann ist die rechte Zeit, die Arbeit zu beginnen. Der Moment des Innehaltens im normalen Tagesablauf, das Schließen der Tür hinter der profanen Welt ist für mich sehr wichtig. Mir bewusst zu machen: ja, jetzt und hier ist die rechte Zeit, die Tempelarbeit zu halten, alles andere hinten anzustellen, das erst macht es mir möglich, mich von der profanen Welt zu lösen und mich ganz auf den Augenblick einzulassen. 

Warum mir das Ritual so wichtig ist

Freitag, Mai 2nd, 2014

Für manche Außenstehende mag es merkwürdig erscheinen: Das Ritual, das wir auch Tempelarbeit nennen, hat in der Freimaurerei einen sehr hohen Stellenwert. Der so genannte “Tempel” ist keine Kirche, keine religiöse Kultstätte, sondern ein geschützter, abgeschlossener Raum im Sinne des lateinischen Begriffs templum. Wir schaffen uns diesen geschützten Raum selbst, bauen ihn gemeinsam auf und erzeugen auf diese Art eine Atmosphäre, die sich deutlich von der Alltagswelt abhebt. Das Ritual dient der Vertiefung unserer freimaurerischer Werte (wie Menschenliebe, Toleranz, Gradlinigkeit, Respekt vor dem jeweils anderen u.a.m.) in ganzheitlicher Weise, also nicht nur auf intellektueller, sondern auch auf emotionaler Basis und auf der Handlungsebene, denn im Ritual handeln wir gemeinsam. Insofern stellt das Ritual auf eine symbolische Weise die freimaurerische Arbeit dar und dient z.B. der Erinnerung an unsere Werte, der Festigung, der Selbstvergewisserung - und das gemeinsam mit den anderen Schwestern in einer strukturierten, klar definierten Form. Gleichzeitig wirkt das Ritual (-wie alle Gruppenrituale-) gemeinschaftsstiftend und -fördernd und ermöglicht uns auf eine besondere Weise, uns als zugehörig und eingebunden zu erfahren. Die Arbeit am rauen Stein aber findet immer und überall statt - im Ritual, in der Loge (die ja auch andere Veranstaltungen hat), im eigenen Alltag… Eine gelungen Ritual-Performance ist etwas ganz Wunderbares. Ich erlebe das Ritual dann als eine Art Quelle für innere Kraft, die mich trägt und stärkt, als einen Ort der Selbstbesinnung - und manchmal auch der ganz großen Gefühle. Freude, jähes Aufblitzen von Erkenntnis -manchmal bei einem Satz, den ich eigentlich schon hundertmal gehört habe- , Betroffenheit, Anstöße zum weiteren Nachdenken. Das alles hätte ich mir, auch als ernsthafte Suchende, vorher nicht träumen lassen. Und es hat durchaus ein Weilchen gedauert, bis sich diese Art des Erlebens entfaltet hat, denn ganz am Anfang war mir alles viel zu neu, da konnte ich die vielen Dimensionen und Ebenen des Rituals nicht wirklich erfassen, das stellte sich erst allmählich ein, mit der entsprechenden Ritualpraxis und -erfahrung in Kombination mit Hintergrundwissen. Ich bin schon sehr lange Freimaurerin und kann auch heute noch sagen: Die Vertiefung dieses Erlebens hört nicht auf, wenn jemand wirklich freimaurerisch “arbeitet” und nicht bloß körperlich anwesend ist.