Posts Tagged ‘Schwester’

Wanted: Konfrontation auf Augenhöhe!

Sonntag, Februar 5th, 2017


Beim Aufschlagen der Zeitung sprang mir neulich folgendes Zitat von Joachim Gauck ins Auge: “Heftig streiten, aber mit Respekt und mit dickem Fell.” Eine offensive, robuste Streitkultur fordert Noch-Bundespräsident Gauck in seiner Abschiedsrede - die Fähigkeit des fairen Streitens um Inhalte scheint in unserer angeblich “postfaktischen” Zeit mit ihren Verbal-Schlachten mehr und mehr abhanden zu kommen. Es ist ja auch eine Herausforderung, auf argumentative Tiefschläge nicht mit “Gegenwehr” zu reagieren, sondern stattdessen eine faire, respektvolle Konfrontation zu wagen! Der Begriff “Konfrontation” leitet sich vom lateinischen “confrontatio” ab, was soviel wie “Gegenüberstellung” bedeutet. In “confrontatio” stecken das lateinische “con” (”zusammen, mit”) und “frons” (”Stirn”) - eigentlich geht es also darum, einander “die Stirn zu bieten”: es geht um eine Gegenüberstellung “auf Augenhöhe”. Im Werkzeugkasten der freimaurerischen Symbole findet sich als Anregung zur Auseinandersetzung mit dieser Fähigkeit der Begegnung u.a. die Winkelwaage. Auf die im rituellen Wechselgespräch gestellte Frage “Wie sollen Schwestern einander begegnen?” lautet die Antwort: “Auf gleicher Ebene, auf der Winkelwaage”. Und wie kann das im Alltags-Streitgespräch - nicht nur unter Schwestern - ganz konkret aussehen? Vielleicht geht es darum, überhaupt (wieder) miteinander zu sprechen - vielleicht auch darum, (noch) mehr Mühe in klare Kommunikation zu investieren; sowohl zuzuhören als auch den eigenen Standpunkt offen zu vertreten; weniger schnell aufzugeben, wenn Auseinandersetzungen kompliziert werden; den/die Menschen hinter der Meinung nicht aus den Augen zu verlieren… Ja, das ist anstrengend. Sehr sogar. Aber wie die Alternative aussieht, und dass sie keine wirkliche Alternative ist, erleben wir gerade. In diesem Sinne: Augen auf und durch!

Bitte fair bleiben

Dienstag, Juni 2nd, 2015


In kontroversen Diskussionen, bei Meinungsverschiedenheiten kommt es häufig vor, dass Gesprächsteilnehmer die Ebenen wechseln. Statt zu argumentieren und weitere Argumente zu finden, sagen sie plötzlich Sätze wie: Du betreibst bloß Selbstdarstellung. Das machst Du nur aus Geltungssucht. Du willst bloß manipulieren/angeben. Du bist immer so dominant, so laut, so leise, so ernst, so nervig usw. Auf einmal gleitet das Gespräch über eine Sache in persönliche Anwürfe ab und führt zum Urteil über eine Person, zur pauschalisierenden Charakterisierung eines Menschen. So etwas kann in jeder Gruppe passieren. Wir Logen haben uns den konstruktiven Diskurs und Achtsamkeit auf die Fahnen geschrieben (was aber nicht heißt, dass es immer vortrefflich gelingt. Auch wir sind ja nur Menschen, die sich mal erfolgreich und mal vergeblich bemühen).
Solche persönlichen Attacken bedürfen keiner weiteren Begründung, keiner weiteren Argumente. Sie dienen dazu, das Gegenüber zu beschädigen, seine Integrität in Frage zu stellen. Durch solche verbalen Pauschalangriffe soll der “Gegner” - in Ermangelung von Sach-Argumenten - in ein schlechtes Licht gerückt, klein gemacht, in Verruf gebracht werden. Es ist der Versuch, ein Publikum dazu zu bringen, die Glaubwürdigkeit des Gegners anzuzweifeln. Wenn Person X eine andere Person Y noch mehr schaden will, sagt sie: ” Tja, Y hat ja immer schon ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter gehabt.” - “Kein Wunder, Y ist ja Einzelkind, Hausfrau, aus reichem/armem Hause, guck doch mal, was für ein Auto sie fährt.” - “Du, ich hab gehört, Y hat Geldprobleme, kein Wunder, dass sie jetzt so verbiestert ist.” All das sind Unterstellungen, Vorurteile, an Verleumdung grenzende Mutmaßungen. So etwas bei Meinungsverschiedenheiten ins Feld zu führen und auszubreiten, halte ich für unredlich, für unfair.
Solch “verunglückte” Kommunikation entsteht, wenn Menschen, sich ärgern, unsicher sind, sich unterlegen fühlen, sich aber um jeden Preis durchsetzen und siegen wollen - es ist also verständlich, dass wir gelegentlich so (blöde) sind. Aber wir Freimaurerinnen sollten es nicht dabei belassen, sondern gegensteuern. Wir haben den Anspruch, uns um ehrliche Auseinandersetzung in gegenseitigem Respekt und auf gleicher Ebene zu bemühen. Wenn wir uns also selbst und wenn wir andere immer wieder mal daran erinnern, schaffen wir eine Atmosphäre, in der echter Diskurs möglich wird: Sachlich, einander zugewandt, offen, ehrlich und vertrauensvoll.

(Bild: Peter Hebgen, Pixelio)

Die aus der Reihe tanzt

Donnerstag, Februar 19th, 2015

Die aus der Reihe tanzt
In der Loge sind alle Schwestern gleich, sind alle Schwestern. Die Individuen sind natürlich sehr verschieden. So wie es bei biologischen Schwestern auch der Fall ist bzw. sein kann. Symbolisch sehen Freimaurerinnen sich in einer Kette stehen, ein wirklich schönes Bild, wie ich finde. Doch was ist eigentlich, wenn eine aus der Reihe tanzt?
Gibt es das überhaupt, werden Sie vielleicht fragen. Da die Freimaurerei keine Dogmen kennt und die individuelle Entwicklung der Einzelnen in der Loge angeregt und gefördert wird, ist das eine sehr berechtigte Frage. Ich versuche es anders: Was ist, wenn eine immer wieder anders reagiert oder sich anders verhält als die Mehrheit der Schwestern? Wenn sie offensichtlich andere Werte priorisiert, z.B. das Eigeninteresse immer wieder über das Gruppeninteresse stellt? Ich wünsche mir in der Loge keine Uniformität und auch keine “Normalität” im Sinne einer normierenden Mehrheit. Gerade die Unterschiede sind es, die das Miteinander interessant und bereichernd machen. Dennoch ist der Effekt der Unkonformität im beschriebenen Sinne vor allem eines: anstrengend. Ich bin in dem Moment gezwungen, mich auseinander zu setzen. Ich muss meine eigenen Werte und Prioritäten hinterfragen und um eine angemessene Reaktion ringen. Ich werde andere nicht ändern, also muss ich selber mein Umgehen finden. Das ist mitunter schwierig und bedeutet ein Verlassen der eigenen Komfortzone. Wo es gelingt, ist es eine gute Erfahrung, die mich selbst dann auch wieder ein Stückchen weiter gebracht hat. Und wenn es nicht gelingt? Wenn die anderen Schwestern nicht in der Lage sind, reflektiert und mit Augenmaß und schwesterlicher Liebe zu reagieren? Dann wird es schwierig, vielleicht sogar kritisch. Am Ende der Überlegung steht für mich die Erkenntnis: Es kommt auf mein eigenes Verhalten an. Immer wieder, jedes Mal. Jede einzelne hat Verantwortung dafür, dass das Gemeinsame gelingt.

(Foto: Renate Franke, Pixelio)

Ein Plädoyer für mehr Anerkennung

Montag, Oktober 6th, 2014

Im Alltag hatte ich gerade Gelegenheit zu beobachten, was mit Menschen passiert, denen jede Form von Anerkennung verweigert wird. Aus motivierten, engagierten Menschen wurden teils frustrierte Häufchen Elend, teils unausstehliche Meckerer. Während ich mich noch wunderte, gingen meine Gedanken auf Wanderschaft. Wir Menschen sind soziale Wesen und brauchen alle Anerkennung in irgendeiner Form. Vor allem dort, wo wir etwas tun, das uns wichtig ist. Vor allem wohl auch von den Menschen, die uns wichtig sind oder die wir für relevant halten. Wie so oft wandern meine Gedanken weiter in die Loge. Hier kommen wir zusammen ganz losgelöst von unserer Funktion in der Welt. Hier gilt ganz ausdrücklich nur das Ansehen, das wir uns durch unsere Lebenshaltung und unsere Arbeit in der Loge erwerben. Ich frage mich, wie es hier um die Anerkennung steht. Weiß ich, wer von meinen Schwestern sie gerade besonders dringend braucht? Spreche ich meine Anerkennung für das, was andere tun häufig genug aus? Wohl nicht. Aber woher sollen andere wissen, was ich denke? Erwarte ich, dass sie schon wissen werden, dass sie meiner Anerkennung gewiss sein können? Vielleicht halte ich meine Anerkennung für das, was sie tun auch für irrelevant? Wer bin ich, dass ich ihr Tun würdigen darf? Ist das nicht eine Form von Urteil und wollte ich mich damit nicht zurückhalten? Mein Nachdenken bringt mich zu dem Schluss, dass ich hier mehr tun kann und sollte. Wir brauchen Anerkennung und ich habe viel Anerkennung für meine Schwestern! Ich werde es ihnen häufiger sagen, ganz ohne in Lobhudelei zu verfallen. Wenn es für sie irrelevant ist, dann werden sie es einfach überhören. Und wenn es ankommt, dann werde ich froh sein, dass es mir aufgefallen ist. Dem manches Mal harten Alltag sei Dank!

Willkommen, neue Schwester!

Samstag, September 20th, 2014

Ein neues Mitglied in die Loge aufzunehmen, ist ein besonderes Erlebnis. Nicht nur für die, die kommt, sondern auch für mich, die ich schon da bin. Ich fühle mich an meine eigenen Anfänge erinnert. Ich denke daran, mit wieviel Freude ich mich auf die Loge und auf die Freimaurerei eingelassen habe und an den Idealismus, der mich bewog, mich dieser Gemeinschaft anzuschließen. Ich ziehe kurz Bilanz und freue mich über das, was ich vielleicht schon geschafft habe und sehe das, woran ich noch arbeiten muss. In Gedanken bestätige ich von ganzem Herzen meinen damaligen Entschluss. Ich denke an die Frauen, die ich auf meinem Weg kennengelernt habe und an gemeinsame Erlebnisse. Auch Enttäuschungen gehören dazu. Wir sind alle nicht fehlerlos. Das zu erkennen und als unabänderliche Wahrheit zu akzeptieren, fällt mancher in der Realität sehr schwer. 
Schließlich wenden sich meine Gedanken der neuen Schwester zu und ich nehme mir vor, besonders achtsam zu sein: Was weiß sie noch nicht? Wobei kann ich ihr helfen? An welcher Stelle ist ein kurzer Hinweis nötig, der im Kreise der erfahrenen Schwestern überflüssig wäre? Ich werde mich bemühen, nichts zu tun oder zu sagen, was den Zauber des Anfangs zu schnell zerstört. Ich werde umso stärker an mir arbeiten, damit du, neue Schwester, einen guten Start in deiner neuen Loge hast. Ich freue mich auf dich. Du bist mir sehr willkommen!

Logengemeinschaft

Mittwoch, Mai 14th, 2014

Die Mitglieder einer Loge bilden eine Gemeinschaft. Sie kommen mehrmals im Monat zu Veranstaltungen zusammen. Das regelmäßige Treffen, die vielen gemeinsamen Erlebnisse und Gespräche, kurz oder intensiv, lassen über die Zeit eine Verbindung zwischen den Mitgliedern der Gemeinschaft entstehen. Diese kann sehr verschieden sein, in Qualität und Intensität. Auch Freundschaften sind möglich.
Die Mitgliedschaft in einer Loge ist auf Dauer angelegt. Selbstverständlich kann jede Frau die Loge wieder verlassen, in dieser Hinsicht sind Freimaurerlogen Vereine mit einer Satzung, die Eintritt und Austritt regelt. Aber in der Regel bleiben Freimaurerinnen Mitglied ihrer Loge. 
Jüngst hat überraschend eine Schwester meiner Loge darüber nachgedacht, die Loge zu verlassen. Jahrzehnte war sie aktiv, hat sich engagiert und war mit ihrer Erfahrung eine geschätzte Ratgeberin. Die Gründe, die sie überlegen ließen zu gehen, kann ich alle nachvollziehen. Das Leben verändert sich über die Jahre und auch die äußeren Rahmenbedingungen, die wir nun einmal akzeptieren müssen, verändern sich. Wir sind sicher klug beraten, wenn wir regelmäßig prüfen, ob unsere Lebensweise noch zu unseren Lebensumständen passt oder ob wir an der einen oder anderen Stelle etwas verändern sollten, vielleicht auch uns von etwas lieb Gewordenem trennen, damit die Balance stimmt. 
Drei Gedanken haben mich lange beschäftigt:
1. Ich staune, dass diese Frau, der die Freimaurerei sehr viel bedeutet, dabei ist, sich zu diesem Schritt durchzuringen. Und ich komme ins Grübeln: wird es bei mir auch eines Tages so sein? Das war bislang unvorstellbar. 
2. Ich spüre, dass die persönliche Entscheidung einer Einzelnen Zweifel in mir auslöst. Gibt es Gründe hinter den Gründen? Wenn ja, geht es mich nichts an, ich kann einem Menschen nur vor den Kopf sehen und das hören, was er mir sagt. Habe ich mich nicht genug bemüht? Man kann immer mehr tun. Werde ich es schaffen, mich in Zukunft mehr zu bemühen? Ich nehme meinen Weg fest in den Blick und bin sicher: Richtungsentscheidungen anderer, die ihren eigenen Weg betreffen, bringen mich nicht von meinem ab.
3. Ich fühle mich verlassen. Mir wird bewusst, wie wichtig mir dieser Mensch ist. Dass ich auf sie nicht verzichten möchte, sie um mich haben möchte, dabei haben möchte. Verlust ist jedoch genau das, was wir unser Leben lang lernen müssen.
Zum Glück ist sie letztlich geblieben - und ich habe eine Menge an Erkenntnissen gewonnen.

Wie sollen Schwestern einander begegnen?

Sonntag, März 30th, 2014

Die Mitglieder einer Loge sind nicht gleich. Sie sind unterschiedlich alt, haben verschiedene Lebenshintergründe und Verpflichtungen, individuelle Interessen und Persönlichkeiten. Dass wir uns als Schwestern bezeichnen, deutet jedoch darauf hin, dass wir uns als gleichwertig bzw. gleichwürdig betrachten. Gleichwürdig, in der Definition des dänischen Familientherapeuten Jesper Juul, meint sowohl ‘von gleichem Wert’ (als Mensch) als auch ‘mit demselben Respekt gegenüber der persönlichen Würde und Integrität des Gegenübers.’ Gleichwürdigkeit wird damit dem fundamentalen Bedürfnis aller Menschen gerecht, gesehen, gehört und als Individuum ernst genommen zu werden.
In der Loge bemühen wir uns um einen Umgang miteinander auf gleicher Ebene. Was bedeutet das? Die Zusammenfassung einer Diskussion in meiner Loge in aller Kürze:
Es hat zuerst einmal Auswirkungen auf die Organisation der Loge: Es gibt keine Hierarchie. Die Loge ist eine egalitäre Gemeinschaft. Informationen werden geteilt, es gibt kein Herrschaftswissen. Für diejenigen, die für die Gemeinschaft eine besondere Aufgabe übernehmen, ist dies eine hohe Verantwortung.
Ist diese Voraussetzung erfüllt, kommt es auf die Einzelnen an. Stellen Sie sich eine Waage vor: BEIDE Seiten müssen gleich sein, damit die Waagschalen in Balance stehen.
Wie kann das gelingen?
Mit Offenheit: Die Schwestern nehmen sich gegenseitig ernst, egal ob jung oder alt, erfahren oder neu. Wir befinden uns lediglich auf unterschiedlichen Stationen unseres Lebens- und Erkenntniswegs.
Durch Verantwortungsbewusstsein: Die Einzelne ist sich ihrer Verantwortung für die Gemeinschaft bewusst. Das diszipliniert das eigene Verhalten ganz ungemein. Ich bin wichtig, die anderen aber auch.
In Begegnung: Wir nehmen uns vor, nie im Groll nach Hause zu gehen. Wenn eine etwas stört, spricht sie das an.
Mit Achtsamkeit: Wir bemühen uns zu erkennen, was wir einander zumuten können.
Mit Wahrhaftigkeit: Uns ist klar, dass es keine absolute Wahrheit gibt. Was ist meine Wahrheit und was die der Gruppe?
Durch Akzeptanz von Unterschieden: Der verschiedene Input einzelner Schwestern ist natürlicher Ausdruck der Individualität und kein Ungleichgewicht.
Und schließlich durch Toleranz: Wir wollen auch das ertragen lernen, was uns im ersten Augenblick vielleicht stört, bei näherer Betrachtung aber objektiv akzeptiert werden kann - und unter dem Toleranzgedanken auch akzeptiert werden muss.
Ganz schön viel auf einmal, werden Sie vielleicht jetzt denken. Das stimmt. Und auch die Freimaurerinnen sind nicht perfekt. Es gelingt uns nicht immer und auch nicht allem und allen gegenüber. Doch es gibt einen aus meiner Sicht entscheidenden Unterschied: wir wissen alle voneinander, dass wir so handeln wollen. Und das macht die Loge zu einem grandiosen Übungsfeld für menschliche Begegnung.

Initiationsgemeinschaft

Montag, März 3rd, 2014

Wenn Freimaurerinnen sich begegnen, suchen sie das Erlebnis in der Gemeinschaft. Neben dem eingetragenen Verein ist eine Freimaurerinnenloge auch eine Initiationsgemeinschaft. Dementsprechend begegnen wir uns sowohl als Frauen, die das Gespräch und den sachlich-fachlichen Austausch über aktuelle, geschichtliche, naturwissenschaftlich, gesellschaftspolitische oder philosophische Themen miteinander und mit unseren Gästen suchen, ein anderes Mal als in eine Initiationsgemeinschaft eingeweihte Schwestern, die ein Ritual praktizieren, symbolisches Denken lernen und in ihrer Wertegemeinschaft Gedanken vertiefen und neue reifen lassen wollen.
Wir erleben uns in der Loge in vielfältiger Weise.
Obwohl wahrscheinlich jede Schwester unter dem Begriff Freimaurerei etwas anderes formulieren würde, fühlen wir uns trotzdem durch ein gleiches Werte-Bewusstsein verbunden. Dieses Wertebewusstsein kann man als konservativ betrachten. Freimaurerinnen sind jedoch nicht konservativ-fundamentalistisch, denn wir überprüfen diese Werte kritisch, weil wir uns immer und bewusst mit dem auseinandersetzen wollen, was unser Leben und unser Dasein bestimmt.

Das Böse

Samstag, Februar 22nd, 2014

Vor Kurzem habe ich mich damit beschäftigt, wie das mit der bösen Seite in uns ist. Ich meine hier weder das in Religionen meist als Gegenspieler eines Gottes personifizierte Übel und auch nicht die Taten offensichtlich psychisch schwer geschädigter Menschen, von denen wir uns auch gerne in Krimis schocken lassen. Es gibt inzwischen viele wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass ganz normale Menschen unter spezifischen Umständen zu furchtbaren Handlungen in der Lage sind. Genau dieser Sachverhalt liegt so vielen schrecklichen Taten gegenüber anderen Menschen zugrunde.
Zimbardo, einer der bekanntesten Psychologen der sich mit dem Thema beschäftigt hat schlussfolgerte aus seinen Experimenten, dass weniger die individuelle Veranlagung als vielmehr die Dynamik einer Situation Menschen zu Tätern werden lässt. Für den Einfluss solcher situativen Faktoren beim Luzifer-Effekt hat auch Zimbardo in eigenen Experimenten Belege gefunden.
Folgende Faktoren kann man immer wieder finden:
1.Tötungsmoral – das Töten wird als moralische Handlung erlebt
2.Bedrohungsfantasie
3.Entmenschlichung
4.Konformität
5.Bestätigung durch Wiederholung
 ”Diese Übergriffe der Soldaten oder Wächter passieren nicht, wenn es eine starke Führung gibt - eine klare, transparente Autorität, die das Zufügen von Leid mit Regeln verbietet.” Nach den Schwächen des Systems, das den ‘Luzifer-Effekt’ herbeiführt, hätte man vorher nie gefragt, denn: “Das System ist, wo die Macht ist - militärisch, politisch, gesetzlich, wirtschaftlich.”
 Die Erkenntnisse Zimbardos befreien Individuen keineswegs von der Verantwortung ihres Handelns: “Aber wenn es klar ist, dass eine Situation ihren freien Willen eingeschränkt hat, dann sind sie nicht allein dafür verantwortlich zu machen. Dann stellt sich die Frage: Wer hat die Situation geschaffen?”
 
Was hat das denn jetzt mit Freimaurerei zu tun? 
Für mich ist die Loge ein wunderbarer Ort zu lernen, dass eine von Menschen geschaffene Struktur, keine solche Macht über mich bekommen sollte, dass ich meine menschliche Seite ausblende. Ich lerne, dass die Schwester, die etwas anderes als ich selbst möchte, nicht mein Feind ist.
Ausserdem gibt mir die Loge innerlichen Rückhalt, mich nicht einfach einer Obrigkeit zu unterwerfen, die mir Gehorsam und das auch noch gegen andere Menschen abverlangt.
Es gilt, mit Geist und Verstand zu leben und Regeln, Pflichterfüllung, Mitgefühl, Liebe zu erfahren und diese gegen unsere Affekte setzen zu lernen und unsererseits Menschlichkeit weiterzugeben.
Unübertroffen sagt Carl Zuckmayer: Unrecht schafft man aus der Welt, indem man es nicht weitergibt.

Zur Formulierung “Das Erbe der Väter”

Freitag, Februar 14th, 2014

Die vor uns lebenden Freimaurerinnen sind nicht unsere Mütter, sondern unsere uns in den ewigen Osten vorausgegangenen Schwestern. So treten wir nicht “das Erbe der Mütter” an, sondern das Erbe unserer Schwestern, die mit uns durch die Kette der Herzen noch verbunden sind. “Erbe der Väter” impliziert verpflichtende Autorität. “Erbe der Schwestern” deutet hin auf eine sich erneuernde, sich kontinuierlich entwickelnde Bewegung. Die freimaurerische Vergangenheit ist kein Fels in der Brandung, sondern sie besteht aus den Schultern von Brüdern und Schwestern, die uns tragen und durch die wir weiter sehen, als sie es konnten.