Posts Tagged ‘Respekt’

Warum mir bei #verafake das Herz aufgeht

Donnerstag, Mai 19th, 2016

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Ich mag es überhaupt nicht, wenn Menschen inszeniert vorgeführt werden um sie der Lächerlichkeit preiszugeben. Entsprechende Fernsehformate strafe ich durch Nicht-Einschalten und denke dabei: Wenn das die Konsequenz vieler wäre, dann wäre ein bestimmter Typ von “Unterhaltungssendungen” bald abgesetzt. Beim Mittagessen im Kollegenkreis kommen diese Formate häufiger zur Sprache und ich muss zur Kenntnis nehmen, dass manche doch ganz gerne mal einschalten. Meine Kommentare (”diesen menschenverachtenden Mist gucke ich nicht”) finden Zustimmung, weitergeschaut wird dennoch. 
Das Neo Magazin Royale hat nun in der vergangenen Woche durch Einschleusen zweier Schauspieler als Kandidaten die Praktiken hinter den Kulissen von “Schwiegertochter gesucht” (#verafake) meisterhaft entlarvt. Großartig! Als Freimaurerin bin ich besonders aufmerksam, wenn es um die Gleichheit der Menschen in Würde und Rechten geht und das sollte in einem freiheitlich demokratischen Land eigentlich jeder sein.
Ich freue mich jedenfalls über den gelungenen Coup und hoffe auf möglichst weite Verbreitung einerseits und andererseits auf aufgeklärte Zuschauer, die ihre Konsequenzen ziehen.

Zum Video geht’s hier:
Neo Magazin Royale #verafake

Bitte fair bleiben

Dienstag, Juni 2nd, 2015


In kontroversen Diskussionen, bei Meinungsverschiedenheiten kommt es häufig vor, dass Gesprächsteilnehmer die Ebenen wechseln. Statt zu argumentieren und weitere Argumente zu finden, sagen sie plötzlich Sätze wie: Du betreibst bloß Selbstdarstellung. Das machst Du nur aus Geltungssucht. Du willst bloß manipulieren/angeben. Du bist immer so dominant, so laut, so leise, so ernst, so nervig usw. Auf einmal gleitet das Gespräch über eine Sache in persönliche Anwürfe ab und führt zum Urteil über eine Person, zur pauschalisierenden Charakterisierung eines Menschen. So etwas kann in jeder Gruppe passieren. Wir Logen haben uns den konstruktiven Diskurs und Achtsamkeit auf die Fahnen geschrieben (was aber nicht heißt, dass es immer vortrefflich gelingt. Auch wir sind ja nur Menschen, die sich mal erfolgreich und mal vergeblich bemühen).
Solche persönlichen Attacken bedürfen keiner weiteren Begründung, keiner weiteren Argumente. Sie dienen dazu, das Gegenüber zu beschädigen, seine Integrität in Frage zu stellen. Durch solche verbalen Pauschalangriffe soll der “Gegner” - in Ermangelung von Sach-Argumenten - in ein schlechtes Licht gerückt, klein gemacht, in Verruf gebracht werden. Es ist der Versuch, ein Publikum dazu zu bringen, die Glaubwürdigkeit des Gegners anzuzweifeln. Wenn Person X eine andere Person Y noch mehr schaden will, sagt sie: ” Tja, Y hat ja immer schon ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter gehabt.” - “Kein Wunder, Y ist ja Einzelkind, Hausfrau, aus reichem/armem Hause, guck doch mal, was für ein Auto sie fährt.” - “Du, ich hab gehört, Y hat Geldprobleme, kein Wunder, dass sie jetzt so verbiestert ist.” All das sind Unterstellungen, Vorurteile, an Verleumdung grenzende Mutmaßungen. So etwas bei Meinungsverschiedenheiten ins Feld zu führen und auszubreiten, halte ich für unredlich, für unfair.
Solch “verunglückte” Kommunikation entsteht, wenn Menschen, sich ärgern, unsicher sind, sich unterlegen fühlen, sich aber um jeden Preis durchsetzen und siegen wollen - es ist also verständlich, dass wir gelegentlich so (blöde) sind. Aber wir Freimaurerinnen sollten es nicht dabei belassen, sondern gegensteuern. Wir haben den Anspruch, uns um ehrliche Auseinandersetzung in gegenseitigem Respekt und auf gleicher Ebene zu bemühen. Wenn wir uns also selbst und wenn wir andere immer wieder mal daran erinnern, schaffen wir eine Atmosphäre, in der echter Diskurs möglich wird: Sachlich, einander zugewandt, offen, ehrlich und vertrauensvoll.

(Bild: Peter Hebgen, Pixelio)

Je suis Charlie! Ich zeige Handschuh!

Montag, Januar 12th, 2015

Ich bin geschockt. Ich bin wütend. Ich bin traurig. Ich bin besorgt. Ich habe Angst. Ein Wechselbad der Gefühle angesichts der Gräueltaten in Frankreich, die sich auch in den öffentlichen Diskussionen und Reaktionen, in Polit-Debatten, Reden und Kommentaren und in sogenannten social groups im Internet widerspiegeln.
Die Auseinandersetzungen, die jetzt geführt werden, waren vorhersehbar. Haben diese Bluttaten nichts mit dem Islam zu tun? Oder doch? Sollten sich muslimische Verbände äußern und distanzieren? Christen haben sich ja auch vom Attentat Breiviks nicht distanziert. Sind beide Verbrechen überhaupt vergleichbar? Hat „Pegida“ recht behalten oder instrumentalisiert diese Bewegung nun die Ereignisse, so wie die Rechte in Frankreich es versucht? Wer schlägt daraus politisches Kapital? Brauchen wir in Deutschland mehr Polizei, mehr Bundeswehr, mehr Vorratsdatenspeicherung? Es soll in Frankreich auch Angriffe auf Moscheen gegeben haben. Ist das schon die Gegen-Gewalt von christlicher oder jüdischer Seite? Was und wer steckt hinter dem Brandanschlag auf die Hamburger Morgenpost? Die Lage ist verunsichernd unübersichtlich. Was können wir tun- als Menschen, als Bürger, als Freimaurerinnen?
Ja, ich habe Angst. Ja, ich spüre Zorn und Wut. Etwas anderes zu behaupten, wäre eine glatte Lüge. Was mir aber zeitgleich bewusst wird: Angst ist in diesem Zusammenhang ein ganz schlechter Berater. Wut auch. Angst und Wut führen immer direkt zu weiteren Gewalt-Eskalationen, zu Kurzschlüssen, zu Überreaktionen. Oder – im anderen Extrem - zu Feigheit, Duckmäusertum, faulen Kompromissen und falscher Rücksichtnahme. Wenn ich die Fäuste balle und wütende Kampfansagen brülle, kann der Terror gewinnen. Wenn ich den Kopf einziehe, mich verstecke und nichts sage, kann der Terror gewinnen.
Deshalb finde ich es richtig und wichtig, dass auch Freimaurer und Freimaurinnen sich in diesen Zeiten zu Wort melden, dass sie Farbe bekennen.
Zum Beispiel mit Pressemitteilungen und Statements auf den Homepages der Großlogen, die weder dogmatisch noch parteipolitisch, weder einseitig noch entzweiend sind. Die Texte drücken sehr gut aus, was Grundkonsens des gesamten Bundes ist: Toleranz, Humanität und Liebe – im Zusammenhang mit dem Auftrag: „Wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt.“
Zum Beispiel in der öffentlichen facebook-Gruppe „Charlie lebt! - Wir zeigen Handschuh! Für Verbundenheit in Vielfalt“. Hier können Initiierte, Interessierte, Suchende, Freunde, Angehörige – kurzum: alle, die möchten - Selfies mit weißen oder bunten Handschuhen posten, als Absage an Gewalt und Gegengewalt, Hass und Feinbilder.
Ja, ich habe Angst. Auch ich könnte ja zur Zielscheibe werden, wenn ich Gesicht zeige. Aber ich gebe der Angst keine Macht über mich. Je suis Charlie! Ich zeige Handschuh!

Warum mir das Ritual so wichtig ist

Freitag, Mai 2nd, 2014

Für manche Außenstehende mag es merkwürdig erscheinen: Das Ritual, das wir auch Tempelarbeit nennen, hat in der Freimaurerei einen sehr hohen Stellenwert. Der so genannte “Tempel” ist keine Kirche, keine religiöse Kultstätte, sondern ein geschützter, abgeschlossener Raum im Sinne des lateinischen Begriffs templum. Wir schaffen uns diesen geschützten Raum selbst, bauen ihn gemeinsam auf und erzeugen auf diese Art eine Atmosphäre, die sich deutlich von der Alltagswelt abhebt. Das Ritual dient der Vertiefung unserer freimaurerischer Werte (wie Menschenliebe, Toleranz, Gradlinigkeit, Respekt vor dem jeweils anderen u.a.m.) in ganzheitlicher Weise, also nicht nur auf intellektueller, sondern auch auf emotionaler Basis und auf der Handlungsebene, denn im Ritual handeln wir gemeinsam. Insofern stellt das Ritual auf eine symbolische Weise die freimaurerische Arbeit dar und dient z.B. der Erinnerung an unsere Werte, der Festigung, der Selbstvergewisserung - und das gemeinsam mit den anderen Schwestern in einer strukturierten, klar definierten Form. Gleichzeitig wirkt das Ritual (-wie alle Gruppenrituale-) gemeinschaftsstiftend und -fördernd und ermöglicht uns auf eine besondere Weise, uns als zugehörig und eingebunden zu erfahren. Die Arbeit am rauen Stein aber findet immer und überall statt - im Ritual, in der Loge (die ja auch andere Veranstaltungen hat), im eigenen Alltag… Eine gelungen Ritual-Performance ist etwas ganz Wunderbares. Ich erlebe das Ritual dann als eine Art Quelle für innere Kraft, die mich trägt und stärkt, als einen Ort der Selbstbesinnung - und manchmal auch der ganz großen Gefühle. Freude, jähes Aufblitzen von Erkenntnis -manchmal bei einem Satz, den ich eigentlich schon hundertmal gehört habe- , Betroffenheit, Anstöße zum weiteren Nachdenken. Das alles hätte ich mir, auch als ernsthafte Suchende, vorher nicht träumen lassen. Und es hat durchaus ein Weilchen gedauert, bis sich diese Art des Erlebens entfaltet hat, denn ganz am Anfang war mir alles viel zu neu, da konnte ich die vielen Dimensionen und Ebenen des Rituals nicht wirklich erfassen, das stellte sich erst allmählich ein, mit der entsprechenden Ritualpraxis und -erfahrung in Kombination mit Hintergrundwissen. Ich bin schon sehr lange Freimaurerin und kann auch heute noch sagen: Die Vertiefung dieses Erlebens hört nicht auf, wenn jemand wirklich freimaurerisch “arbeitet” und nicht bloß körperlich anwesend ist.

Jenseits von Religion

Samstag, März 22nd, 2014

Ich bin Freimaurerin, weil ich mich weiter bilden und entwickeln möchte und mir im Rahmen dieses Prozesses Menschenrechte und -würde, Meinungs- und Handlungsfreiheit, Humanität und Toleranz, Gleichberechtigung und gegenseitiger Respekt unendlich wertvoll sind. Und ich bin froh, dass ich hier einen Ort gefunden habe, an dem ich sowohl im Verbund mit anderen als auch für mich allein wachsen und reifen darf - und zwar unabhängig und losgelöst von Kirchen, Religiosität, Gott oder Göttern, festen Glaubens- oder Jenseitsvorstellungen, im Kreise von Atheistinnen, Agnostikerinnen und bekennenden Gläubigen. Ich empfinde das als anregend, wohltuend und bereichernd.