Posts Tagged ‘Menschenliebe’

Warum mir bei #verafake das Herz aufgeht

Donnerstag, Mai 19th, 2016

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Ich mag es überhaupt nicht, wenn Menschen inszeniert vorgeführt werden um sie der Lächerlichkeit preiszugeben. Entsprechende Fernsehformate strafe ich durch Nicht-Einschalten und denke dabei: Wenn das die Konsequenz vieler wäre, dann wäre ein bestimmter Typ von “Unterhaltungssendungen” bald abgesetzt. Beim Mittagessen im Kollegenkreis kommen diese Formate häufiger zur Sprache und ich muss zur Kenntnis nehmen, dass manche doch ganz gerne mal einschalten. Meine Kommentare (”diesen menschenverachtenden Mist gucke ich nicht”) finden Zustimmung, weitergeschaut wird dennoch. 
Das Neo Magazin Royale hat nun in der vergangenen Woche durch Einschleusen zweier Schauspieler als Kandidaten die Praktiken hinter den Kulissen von “Schwiegertochter gesucht” (#verafake) meisterhaft entlarvt. Großartig! Als Freimaurerin bin ich besonders aufmerksam, wenn es um die Gleichheit der Menschen in Würde und Rechten geht und das sollte in einem freiheitlich demokratischen Land eigentlich jeder sein.
Ich freue mich jedenfalls über den gelungenen Coup und hoffe auf möglichst weite Verbreitung einerseits und andererseits auf aufgeklärte Zuschauer, die ihre Konsequenzen ziehen.

Zum Video geht’s hier:
Neo Magazin Royale #verafake

Freimaurerei will…

Mittwoch, März 11th, 2015

… Trennungen unter Menschen überwinden oder überbrücken, die sich ergeben durch Geschlecht, religiösen Glauben, soziale Stellung, Alter oder andere menschentrennende Aspekte.

Freimaurerisch arbeitende Frauen und Männer…

Sonntag, Januar 18th, 2015

… sind einander Geschwister,
die sich bewusst und ehrlich für mehr Menschlichkeit engagieren,
die sich als der Menschheitsfamilie zugehörig verstehen,
die sich verpflichten, niemals der Not und dem Elend den Rücken zu kehren,
die wachsam und achtsam auf sich selbst sind.

Vernunft und Liebe in der Freimaurerei (2/3)

Samstag, Dezember 13th, 2014

Teil 2 - Liebe
So sehr uns heute der radikale Einsatz der Vernunft sympathisch ist, es liegt darin schon die Gefahr verborgen, der man in der Aufklärung erlegen ist: die Verabsolutierung der menschlichen Vernunft in der Weise, dass man einfach nichts mehr gelten lässt, was über den Bereich der Vernunft hinaus gehen könnte.
Der Kopf ist nicht der ganze Mensch. Es gehört wesentlich das Herz dazu, das heißt, die Liebe. Die Liebe ist DAS menschliche Erbe! Doch gibt es im Fall der Liebe einen Worteverfall. Nicht die Sache, der Wert, die Liebe ist verfallen, verschwunden, sondern das Wort Liebe ist abgenutzt. Wählen wir statt der Substantivs Liebe lieber das Verb lieben, denn nur wenn Menschen lieben, gibt es Liebe.
Wie der Körper durch das Atmen lebt und stirbt, wenn das Atmen aufhört, so lebt die Seele durch Lieben. Der russische spirituelle Meister Gurdjeff hatte die Vorstellung, dass viele Menschen gar keine Seele haben, weil sie nie angefangen haben zu lieben. Lieben wandelt die im Menschen vorhandene Möglichkeit in eine Wirklichkeit. So sagen wir ja auch ein Mensch habe oder sei eine große Seele, was so viel heißt wie: er ist gütig, großmütig, liebevoll usw.
In jedem Mensch schlummert die Liebesfähigkeit als ein Samenkorn. Mir scheint eine der grundlegenden menschlichen Illusionen darin zu bestehen, dass wir vorgeben oder meinen zu wissen, was Lieben bedeutet und darum Lieben nicht entdecken. Denn wenn ich der Meinung bin, etwas zu können, kann ich die Notwendigkeit nicht sehen, es lernen zu müssen und danach zu suchen. Meist kommen wir nur durch leidvolle Erfahrung dahin: ich will lieben lernen. Aus freimaurerischer Sicht ist Lieben, Menschenliebe immer schon etwas, woran wir arbeiten können und müssen. Liebe ist nichts Fertiges. Freimaurerische Ideale übernehmen heißt: tolerantes Verhalten einzuüben, lieben zu lernen, die Geschwisterlichkeit der Menschen zu erkennen, kurz: die Bereitschaft zu lernen mitzubringen.
Wenn wir Lieben verstehen wollen, müssen wir aufhören zu rechnen.
Nichts ist vielgestaltiger als die Liebe, heißt es bei Paulus. Eros, der da die Sterne wälzt und Sonnen, schreibt Dante. Eros ist der älteste Gott, sagt Platon. Gott ist die Liebe, steht im 1. Johannesbrief. Worin drückt sich schwesterliches Lieben aus? Im Verständnis füreinander, in gegenseitigem Wohlwollen, im Respektieren auf der Wasserwaage. Der Zirkel, der Liebe symbolisiert. Schönheit vollende den Bau! Liebe vollende unsere Arbeit.
Duns Scotus, Franziskaner und berühmter Theologe, der 1308 in Köln starb, hat eine wunderbare Formulierung gefunden:

Amo, voll ut sis. Ich liebe dich, ich will, dass du bist.

Das ist ein Lieben, dass mit Vernunft zu tun hat. Indem ich einen Menschen liebe, bejahe ich seine Existenz. Und seltsamer Weise auch meine eigene. Denn um zu sagen: ich will, dass du bist, benötige ich eine gewisse innere Stärke, die wiederum zunimmt im Lieben eines anderen Menschen.
Liebe - freimaurerisch Humanität - sind große Wörter. Was heißt das in unserem täglichen Umgang miteinander?

Geduld - Liebe, die ertragen kann
Freundlichkeit - Liebe, die Freude bewirkt
Großzügigkeit - Liebe, die nicht neidisch ist
Anstand - Liebe, die sich nicht unverschämt benimmt
Selbstlosigkeit - Liebe, die nicht den eigenen Voteil sucht
Gelassenheit - Liebe, die sich nicht reizen lässt
Aufrichtigkeit - Liebe, die mit der Wahrheit übereinstimmt
Mitgefühl - Liebe, die sich mitfreut und mitleidet

Vernunft und Liebe in der Freimaurerei (1/3)

Sonntag, Dezember 7th, 2014

Teil 1 - Vernunft
Was bedeuten Vernunft und Liebe in der Freimaurerei?
Ein Lahmer und ein Blinder wurden im Wald von einem Feuer überrascht. Da nahm der Blinde den Lahmen auf die Schulter und beide konnten sich retten. Liebe ohne Vernunft ist blind. Vernunft ohne Liebe ist lahm. Die Liebe, das Herz, nimmt die Vernunft, den Kopf, auf die Schulter. Vernunft ist Kopfarbeit, Liebe ist Herzarbeit. Arbeit ist also beides!
Die Loge ist eine Herausforderung für jede von uns, vernünftig handeln und lieben zu lernen. Gerade in einer kleinen Gemeinschaft lässt sich leichter herausfinden, ob eine Sache vernünftig und ob sie mit schwesterlicher Liebe ausgeführt wird, als in einer sehr großen Gemeinschaft, wo eine einzelne sich verstecken oder bedeckt halten kann. 
Auf dem freimaurerischen Einweihungsweg scheint es vernünftig zu fragen: Geht das ohne Anleitung? Brauchen wir spirituelle Führung? Sollte sich ein „freier Mensch von gutem Ruf“ darum bemühen, geführt zu werden? Die Freimaurerin ist in der Loge keiner Führung unterstellt, vielmehr ist jede einzelne Schwester gefordert, sich um ihr Weiterkommen selbst zu kümmern. Hier wird das geistige Erbe der Aufklärung wirksam: nicht denken lassen sondern selber denken. Das Erleben von Gemeinschaft und freimaurerischer Arbeit soll eine Wandlung bewirken, deren Wirkungen jedoch nicht messbar oder nachprüfbar sind.
Vernunft ist das richtige Aufnehmen und das Vermögen, das Aufgenommene zu verarbeiten und in einen Zusammenhang zu bringen. Nur echtes Fragen führt zu echten Erkenntnissen. Das sind Erkenntnisse, die uns verwandeln. Freimaurerisch ist ja der Gedanke: Wir sollen nicht bleiben, was wir sind. Und das wiederum, ohne uns auf eine alle verpflichtende Norm auszurichten. Das setzt eigenes Suchen, Fragen und Denken voraus. Vernunft als Sinnsuche.
Als geistige Kraft auf der Suche nach Sinn und gemeinschaftsstiftend ist die Vernunft ein geistiges Vermögen, dem wir heute das sinnliche Vermögen nicht unter- sondern nebenordnen.
Ja zum ganzen Menschen, zu Geist und Sinnen - und das mit Vernunft. Nicht die reine Geistigkeit oder reine Körperlichkeit, sondern sowohl das Geistige als auch das Leiblich-/Materielle verdienen unsere Wertschätzung. Wie schön ist es doch, heute vernünftig zu sein! Wir übersehen nicht die Not um uns her, aber wir sind aufgeschlossen für die Vision einer mit Vernunft und Liebe gestalteten Welt, die in jeder einzelnen von uns ihren Anfang nimmt. 
Wie wirkt sich Vernunft in unserem persönlichen Leben aus?
Im Denken: Selber denken und nicht denken lassen!
Im Handeln: In der Toleranz, denn die Toleranz ist die Forderung, die sich aus dem Selberdenken ergibt: Wie ich für mich in Anspruch nehme, selber zu denken, gestehe ich das auch der anderen zu und respektiere ihr Denken.
Im Lieben: Es ist vernünftig zu lieben. Die Aufklärung erhebt die Forderung der allgemeinen Menschenliebe.

Über Werte reden?

Mittwoch, Oktober 15th, 2014

Jeder hat Werte. Sie sind das, was uns leitet. Sie bestimmen, wie wir uns entscheiden und wie wir handeln. Nicht immer sind sie uns bewusst und doch machen sie aus, wer wir sind und wie wir leben. Wenn ich bspw. nach Macht strebe, wird mein Leben sehr wahrscheinlich anders verlaufen, als wenn für mich die Familie der stärkste Antrieb ist. Die Welt ist natürlich nicht schwarz-weiß. Und so ist es die Kombination unserer Werte, die uns als Person letztlich ausmachen.
Wer sich entscheidet, Freimaurerin werden zu wollen, akzeptiert und teilt die maurerischen Werte Toleranz, Schwesterlichkeit und Menschenliebe. Vielleicht waren sie der Freimaurerin schon früher sehr wichtig („Freimaurerin ohne Schurz“) oder sie entscheidet sich, diesen Werte in ihrem Leben fortan mehr Bedeutung zu geben. Diese Werte helfen uns in der Loge, uns bei aller individuellen Unterschiedlichkeit immer wieder auf eine gemeinsame Basis zu verständigen. Sie sind eine Art gemeinsamer Nenner.
Kürzlich sagte ein Gast, sie wünschte sich, dass wir mehr über unsere Werte sprechen. Ich kann den Wunsch nachvollziehen. Vielleicht sollten wir das tun. Doch sollten wir uns bewusst sein, dass das reine Sprechen über Werte am Kern vorbei geht, denn wir befinden uns auf einer rein theoretischen Ebene. Wir neigen dazu, in der Theorie alles recht gut zu beherrschen. So wie mein Vater, der nie einen Führerschein besaß, sich jedoch theoretisch bestens mit dem Autofahren auskannte. Natürlich hat er meiner Mutter aus der Beifahrerposition über viele Jahre immer wieder gute Tipps und Hinweise gegeben. Ich möchte sagen, es kommt auf die Praxis an. Gerade beim Thema Werte wird schnell deutlich, dass wir unserem eigenen Anspruch häufig nicht gerecht werden. Kann man an meinem Handeln erkennen, das mich diese Werte leiten? Wie müsste ich handeln, wenn ich diese Werte ganz nach oben setze? Und wo sind vielleicht auch Grenzen? Hier fängt die eigentlich interessante Diskussion an. Darüber sollten wir sprechen!

Ein Plädoyer für mehr Anerkennung

Montag, Oktober 6th, 2014

Im Alltag hatte ich gerade Gelegenheit zu beobachten, was mit Menschen passiert, denen jede Form von Anerkennung verweigert wird. Aus motivierten, engagierten Menschen wurden teils frustrierte Häufchen Elend, teils unausstehliche Meckerer. Während ich mich noch wunderte, gingen meine Gedanken auf Wanderschaft. Wir Menschen sind soziale Wesen und brauchen alle Anerkennung in irgendeiner Form. Vor allem dort, wo wir etwas tun, das uns wichtig ist. Vor allem wohl auch von den Menschen, die uns wichtig sind oder die wir für relevant halten. Wie so oft wandern meine Gedanken weiter in die Loge. Hier kommen wir zusammen ganz losgelöst von unserer Funktion in der Welt. Hier gilt ganz ausdrücklich nur das Ansehen, das wir uns durch unsere Lebenshaltung und unsere Arbeit in der Loge erwerben. Ich frage mich, wie es hier um die Anerkennung steht. Weiß ich, wer von meinen Schwestern sie gerade besonders dringend braucht? Spreche ich meine Anerkennung für das, was andere tun häufig genug aus? Wohl nicht. Aber woher sollen andere wissen, was ich denke? Erwarte ich, dass sie schon wissen werden, dass sie meiner Anerkennung gewiss sein können? Vielleicht halte ich meine Anerkennung für das, was sie tun auch für irrelevant? Wer bin ich, dass ich ihr Tun würdigen darf? Ist das nicht eine Form von Urteil und wollte ich mich damit nicht zurückhalten? Mein Nachdenken bringt mich zu dem Schluss, dass ich hier mehr tun kann und sollte. Wir brauchen Anerkennung und ich habe viel Anerkennung für meine Schwestern! Ich werde es ihnen häufiger sagen, ganz ohne in Lobhudelei zu verfallen. Wenn es für sie irrelevant ist, dann werden sie es einfach überhören. Und wenn es ankommt, dann werde ich froh sein, dass es mir aufgefallen ist. Dem manches Mal harten Alltag sei Dank!

Zum Wesentlichen der Freimaurerei

Mittwoch, April 23rd, 2014

Zum Wesentlichen der Freimaurerei gehört das Erleben von Gemeinschaft, von intensivem Zusammensein mit andern, Gegenseitigkeit und Gespräch. Kurz: Menschen-werden am Menschen, und zwar bewusst und ehrlich, achtsam aufeinander.

Liebe leben?

Dienstag, Februar 18th, 2014

Die Liebe, gleich welcher Art, assoziiert gleichzeitig die Hoffnungen und Enttäuschungen der Menschen und wird uns vielleicht immer ein Geheimnis bleiben. Wir haben unterschiedliche Vorstellungen davon, Liebe zu geben und zu empfangen. Und es bleibt etwas Ungeheueres in der Liebe. Unser Verlangen ist grenzenlos und doch kann unsere Ausübung der Liebe nur begrenzt sein. Der Wille ist unendlich und unser Tun beschränkt. Alles, was bleibt, was von uns bleibt, ist Liebe. Also sind wir für die Liebe auf dieser Welt?
“Was die Liebe nicht bindet, das ist schlecht gebunden, und was die Treu nicht schirmt, beschirmt kein Eid”, schrieb Ernst Moritz Arndt. 
Und wirklich: Ohne die Liebe ist alles auf der Welt verkehrt. Besitz ohne Liebe macht geizig; Macht ohne Liebe macht gewalttätig; Erziehung ohne Liebe macht widerspruchslos. 
In der Freimaurerei geht es vor allem um die allumfassende Menschenliebe. Die Bildung der Persönlichkeit ist eine Entwicklung des Geistes und des Herzens. Das ist in der Tat ein weites Feld. Bald habe ich festgestellt, dass es nicht um das schon Erreichte geht, die guten Taten, die Liebe in all den Dingen, die von Mensch zu Mensch gehen und Beziehung möglich machen. Es sind die Beziehungen selbst, die ich immer wieder neu mit Liebe und Verständnis erfüllen kann und will; in der Familie, mit Freunden, in der Arbeit, in der Loge, überall, wo ich bin. Das ist ein hohes Ziel unter uns Frauen in den Freimaurerinnen-Logen, in der Gemeinschaft.