Posts Tagged ‘Maßstab’

Mal weiß, mal schwarz - und immer wieder irgendwie dazwischen…

Freitag, Juni 5th, 2015

Das musivische Pflaster ist im Allgemeinen als Schachbrettmuster bekannt. Mit seinen regelmäßigen Wechseln von hellen und dunklen Feldern ist es in der Freimaurerei das Sinnbild für die Polaritäten der Welt, zwischen denen wir in unserem Leben wandern. Die Bezeichnung “Pflaster” deutet auf einen Bodenbelag hin und tatsächlich ist auch heute in vielen Logen der Fußboden in diesem Muster gestaltet.
Ich beginne, über dieses Symbol nachzudenken als mir auffällt, dass ich momentan die Welt irgendwie anders wahrnehme. Ich habe den Eindruck, dünnhäutiger zu sein als üblich. Mich zu konzentrieren, fällt mir schwerer als sonst, meine Gedanken schweifen häufiger ab. Mein Alltag erscheint mir anstrengender, voller Pflichten und Verpflichtungen und die Menschen härter und kompromissloser. Ich denke über meinen Standort auf dem musivischen Pflaster nach. Vielleicht befinde ich mich, rein symbolisch, derzeit auf einem dunklen Feld? Eine Schwester sagte mir einmal, sie versuchte, immer auf den Kanten zu gehen - rein symbolisch natürlich - zwischen weiß und schwarz zu wandern. Eine kluge Sichtweise, wenn es darum geht, immer die zwei Seiten einer Medallie wahrzunehmen. Doch letztlich glaube ich nicht, dass wir es wirklich in der Hand haben, unseren Weg über das musivische Pflaster immer selbst zu wählen. Zu viele äußere Einflüsse bestimmen diesen Weg mit. Mir fällt auf, dass um das schwarze Feld herum nur weiße liegen und richte meine Gedanken bewusst auf alle schönen Dinge die sind und mich umgeben und muss unwillkürlich lächeln. Warum nicht größer denken? Stehe ich nicht (vielleicht schon mit einem Fuß) immer zugleich auf weißen und schwarzen Feldern und es kommt darauf an, was ich wie stark wahrnehme? Das passt wiederum zu meinem liebsten Motto: Ich kann nicht beeinflussen, was mir geschieht, aber ich allein habe es in der Hand, wie ich damit umgehe. Ich frage mich, ob ich achtsam genug auf andere bin. Nehme ich wahr, wie es ihnen geht? Erwarte ich nicht manchmal zu viel von anderen? Habe ich nicht auch schon oft in Gedanken Zweifel am Einsatz anderer gehabt? “Warum kann bzw. macht sie das nicht? Ich tue es doch auch?” Vielleicht konnte sie es schlicht gerade nicht. Gerechtigkeit kommt mir als zentraler Begriff in den Sinn. Damit bin ich wieder beim musivischen Pflaster. Seine regelmäßige Folge gleich großer Felder entspricht einem in die Ebene aufgespannten Maßstab und ermöglicht eine gerechte Verteilung oder Zuordnung. Diese notwendige Grundlage für die Verteilung z.B. von Land war den Freimaurern in früheren Zeiten im Zusammenhang mit diesem Symbol sicher viel geläufiger als uns heute. Ich nehme mir vor, die Gerechtigkeit im Umgang mit anderen stärker im Blick zu behalten. Die Begegnung mit dem musivischen Pflaster in der Loge wird mich daran immer wieder erinnern.

Der Maßstab

Montag, Dezember 1st, 2014

Ein Werkzeug, das jede Freimaurerin an die Hand bekommt, ist der 24-zöllige Maßstab. Sie ist aufgefordert, damit ihre Zeit mit Weisheit einzuteilen. Das ist sicher ein guter Rat oder Auftrag. Ich mache mir Gedanken: steckt in diesem Symbol nicht noch viel mehr? Ich rechne um in unsere zeitgemäße Einheit: 61 Zentimeter (knapp) misst er nun und die zeitliche Komponente ist mit der Zahl 24 wie weggeweht. Erstaunlich, wie manche Attribute unsere Gedanken lenken.
Ob die Bauleute in früheren Jahrhunderten den Maßstab schon mit der Zeit in Verbindung brachten? Oder war ihnen der Maßstab mehr ein Prüfstein, übertrugen sie damit ihre (Bau-)Pläne in die Wirklichkeit und umgekehrt? Der Maßstab ist im heutigen Sprachgebrauch so vieles: Ein Anspruch, eine Forderung oder ein Grundsatz, ein Prinzip, ein moralisches Gebot, ein Motto oder eine Methode, eine Ordnung oder gar ein Leitbild.
Wir beschäftigen uns heute in unserem Alltag des 21. Jahrhunderts mit den gleichen Symbolen wie Freimaurer vor mehreren hundert Jahren. Unsere Assoziationen sind andere, unsere Welt ist eine andere. Symbole sind so offen, dass sie das vertragen. Und doch frage ich mich zuweilen, ob wir im Kern noch das Gleiche meinen?

Zeit einteilen

Sonntag, November 2nd, 2014

In diesen Tagen wird es wieder spät hell und früh dunkel. Für mich ist das ein willkommener Anlass, über das Phänomen Zeit nachzudenken, vor allem darüber, wie ich Zeit empfinde und wie ich mit meiner Zeit umgehe. In aufregenden Phasen mit viel Action kommt es mir vor, als ob sie rast und ständig wegrennt. Wenn mir langweilig ist, wenn nichts passiert oder ich sehnlich auf etwas warte, will sie partout nicht vergehen und schleicht zäh und schleppend voran. Dabei tickt die Uhr an der Wand doch immer gleich und ihr Sekunden- und Minutenzeiger springt in immer demselben Tempo und Rhythmus von einer Position zur nächsten. Ich hatte in den vergangenen Wochen jedenfalls so viel um die Ohren, sowohl beruflich als auch privat, dass ich gar nicht mehr so recht weiß, wo oben und unten, wo vorn und hinten ist. Ich bin ausgepowert und funktioniere nicht mehr, werde den eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Der Abwasch türmt sich in der Küche. Auf meinen Schreibtisch stapeln sich Dokumente, die ich dringend bearbeiten müsste, doch ich schleiche drumherum und beobachte, wie der Stapel stetig wächst. Kürzlich habe ich meinen Fahrradschlüssel verlegt und bisher nicht wieder gefunden. Das alles sind Warnzeichen, die mir signalisieren: Kürzer treten, Pause machen, langsam voran. In unserem freimaurerischen Ritual ist mir dann mal wieder der 24-zöllige Maßstab besonders intensiv begegnet. Dieses symbolische Werkzeug soll uns daran erinnern, unsere Zeit gut einzuteilen. Ich war in den vergangenen Wochen nicht besonders klug darin, das weiß ich definitiv, und es hat mir überhaupt nicht gut getan. Aber jetzt will ich wieder klüger werden. Das heißt: Ich lasse mich nicht anstecken von der hektischen Halloween-Dekorier-Wut in der Nachbarschaft. Ich ignoriere den vor-adventlichen Putzwahn. Und ich werde in den kommenden Tagen ein paar Termine absagen, mich richtig ausruhen und es dann bis zum Jahresende etwas langsamer und besonnener angehen lassen.

Das Symbol des 24-zölligen Maßstabs

Mittwoch, September 17th, 2014

Wofür steht das Symbol des 24-zölligen Maßstabs?
Das Symbol steht für das Messen von Dimension und Verhältnismäßigkeit. 
Dadurch ergeben sich gedanklich Begrenzungen der Zeit, des Raums im Sinne der Maßlichkeit und im übertragenen Sinne des Verhaltens, der Maßhaftigkeit oder des Maßvollseins. All’ diesen Begrenzungen wohnt ein Organisationsprinzip inne, das den Umgang mit begrenzten Ressourcen und das Setzen von Prioritäten ermöglicht. 
Es entsteht ein Spielfeld für selbst gewählten Aktivität.
Wie wirkt das Symbol allgemein auf die Gemeinschaft?
Wichtige und unwichtige Dinge bekommen eine Zuordnung zu Zeit, Ort/Raum und Verhältnismäßigkeit. Das wirkt ordnend und schafft Strukturen, die die Gemeinschaft erkennt und anerkennen kann. Werden die Strukturmuster anerkannt, sind sie verbindlich. Die Mitglieder einer Gemeinschaft können sich damit aufeinander verlassen. Es entsteht Raum für Ideen, Neues, Entwicklung.
Wie kann das Symbol individuell erfahren werden?
Das Symbol trägt eine Erinnerungsfunktion, beispielsweise im Sinne einer Aufforderung: Carpe Diem. Für manche ist die Vorstellung dieses Ordnungsprinzips ein unbekanntes Territorium. Strukturen oder das Einhalten von Verbindlichkeiten sind unbekannt und ungewollt. Für mache Menschen schafft es einen Rahmen und somit Klarheit und Sicherheit. Für andere verursacht es Zwänge oder auch Langeweile.
Für mich stellen all diese Gedanken die Grenze meiner momentanen Vorstellungskraft dar. Diese Grenze wirkt wie eine unüberwindbare gedankliche Mauer. Die Sehnsucht und Neugier, mehr darüber zu erfahren und davon zu nutzen, wird den Aufbruch zu neuer Kreativität und Tatkraft inspirieren. Und das braucht noch Zeit.