Posts Tagged ‘Humanität’

Warum mir bei #verafake das Herz aufgeht

Donnerstag, Mai 19th, 2016

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Ich mag es überhaupt nicht, wenn Menschen inszeniert vorgeführt werden um sie der Lächerlichkeit preiszugeben. Entsprechende Fernsehformate strafe ich durch Nicht-Einschalten und denke dabei: Wenn das die Konsequenz vieler wäre, dann wäre ein bestimmter Typ von “Unterhaltungssendungen” bald abgesetzt. Beim Mittagessen im Kollegenkreis kommen diese Formate häufiger zur Sprache und ich muss zur Kenntnis nehmen, dass manche doch ganz gerne mal einschalten. Meine Kommentare (”diesen menschenverachtenden Mist gucke ich nicht”) finden Zustimmung, weitergeschaut wird dennoch. 
Das Neo Magazin Royale hat nun in der vergangenen Woche durch Einschleusen zweier Schauspieler als Kandidaten die Praktiken hinter den Kulissen von “Schwiegertochter gesucht” (#verafake) meisterhaft entlarvt. Großartig! Als Freimaurerin bin ich besonders aufmerksam, wenn es um die Gleichheit der Menschen in Würde und Rechten geht und das sollte in einem freiheitlich demokratischen Land eigentlich jeder sein.
Ich freue mich jedenfalls über den gelungenen Coup und hoffe auf möglichst weite Verbreitung einerseits und andererseits auf aufgeklärte Zuschauer, die ihre Konsequenzen ziehen.

Zum Video geht’s hier:
Neo Magazin Royale #verafake

Alles digital? Freimaurerei im 21. Jahrhundert

Donnerstag, März 24th, 2016

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Was ist charakteristisch für unser noch junges Jahrhundert? Und wie passt das mit Freimaurerei zusammen? In drei Beiträgen werfen wir einen Blick auf die Kapitulation vor der Komplexität, Digitalisierung und den Wandel der Arbeitswelt.

Heute Teil 2: Digitalisierung
Smartphones, Tablets und eine große Bandbreite in der Datenübertragung haben dazu geführt, dass viele Menschen heute permanent online sind. Die neuen Formen der Vernetzung bieten vielfältige individuelle und neue Möglichkeiten. Um beispielsweise mit anderen, die die gleichen Interessen teilen, in Kontakt zu sein und sich auszutauschen, muss man nicht mehr unbedingt das Haus verlassen.
Das führt u. U. zu einer Vereinzelung, der Mensch ist mit sich und seinem Gerät allein, statt mit anderen im persönlichen Gespräch. Ein Bild, das jeder kennt, sind die Restaurantbesucher, die gemeinsam am Tisch sitzen und jeweils alleine für sich in ihr Handy schauen.
Auch die Mediennutzung hat sich durch die Digitalisierung verändert. Das Fernsehen war bis vor wenigen Jahrzehnten noch Zentrum für kollektive Erlebnisse, “Straßenfeger” wurden die Sendungen genannt, vor denen sich die Mehrheit der Bevölkerung zeitgleich versammelte. Außer vielleicht bei Fußballgroßereignissen spielt das Fernsehen diese Rolle heute nicht mehr. Medien machen, also Informationen und Meinung veröffentlichen, kann technisch heute jeder. Ob jeder auch Gehör findet, ist eine andere Sache. Die Technik hat hier die Politik rasant überholt. Die Festlegungen in Rundfunkstaatsvertrag und Landesmediengesetzen bilden die Realität schlicht nicht mehr ab, die politischen Gestalter reagieren mit ständig neuen Novellen bestehender Regelungen nur noch.
Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Freimaurerei aus?
Für die Freimaurerei wirkt die Digitalisierung demokratisierend. Über das Internet können Interessierte Informationen zu Logen erhalten und Kontakt knüpfen, selbst wenn sie selbst keinen Freimaurer persönlich kennen. Das war früher viel schwieriger. Dem Ziel, vielen Frauen die Möglichkeit zur freimaurerischen Arbeit zu eröffnen, können wir so heute viel eher gerecht werden. Logen machen keine Werbung im herkömmlichen Sinne, sie wollen vielmehr gefunden werden und das ist heute leichter als jemals zuvor.
Bei unseren Treffen wiederum üben wir das aufmerksame Miteinander. Handys bleiben in der Tasche, der Alltag bleibt draußen. Gerade in einer Zeit permanenter Erreichbarkeit und Aufmerksamkeit ist dies für viele Schwestern eine Wohltat.
Die Digitalisierung ermöglicht uns zugleich neue Formen der Kommunikation. Als Beispiel möchte ich den Blog FrauMaurer erwähnen, ein Experiment, bei dem jede Schwester unseres Bundes Texte beitragen und veröffentlichen kann, in der Kür mit einer folgenden inhaltlichen Diskussion mit Leserinnen und Lesern in über die integrierte Kommentarfunktion.
Dieser Blog hat auch in anderer Hinsicht Charme. Freimaurerinnen fühlen sich der Freiheit, Toleranz, Humanität, Gleichheit und Freiheit verpflichtet - haben jedoch zu vielen Themen vollkommen unterschiedliche Meinungen. Es gibt nicht “die Haltung” zu politischen und gesellschaftlichen Sachverhalten, sofern sie über die genannten Grundprinzipien hinausgeht. Daher gibt es kaum Veröffentlichungen und Statements “der Freimaurerinnen”. Der Blog FrauMaurer wird auch an dieser Stelle der Vielfalt gerecht.

In Teil 3 wird es um den Wandel der Arbeitswelt gehen.

Nach den Attentaten von Paris: Freiheit, Humanität und Menschenwürde – jetzt erst recht!

Sonntag, November 15th, 2015


In Paris haben Terroristen am Abend des 13. November bei Attentaten an verschiedenen Orten der Stadt mehr als 128 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt. Sie wüteten vor dem Fußballstadion, in einem Rockkonzert, in Restaurants – an Orten, an denen Menschen in ihrer Freizeit zusammenkommen, um sich zu erholen und zu erfreuen. So viele unschuldige Menschen haben ihre Leben verloren oder ihre Gesundheit, liegen jetzt im Krankenhaus, andere sind körperlich unversehrt geblieben, aber zutiefst geschockt. Ich – und sicher nicht nur ich allein – bin mir zwar bewusst, dass das alles nichts ist gegen das Grauen des Krieges, der zurzeit in Syrien tobt, doch ich bin entsetzt und tieftraurig über derartige Gewaltexzesse in Europa. Ich habe das Bedürfnis, den Opfern, ihren Angehörigen und Freunden, den Französinnen und Franzosen mein Beileid auszusprechen, und neben aller Trauer spüre ich auch Zorn. Auch damit bin ich sicher nicht allein.
Um so wichtiger ist, dass wir in diesen schweren Tagen gemeinsam für unsere europäischen Werte eintreten: für Freiheit und Humanität. Umso wichtiger ist, uns nicht von der gegenwärtig hochemotionalen Stimmung mitreißen zu lassen, die nicht mehr unterscheidet zwischen Verbrechern und Flüchtlingen, zwischen aufgeklärt-moderner und fundamentalistisch-fanatischer Religion und die der Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit Tür und Tor öffnet.
Die barbarischen Morde in Paris haben nicht die Flüchtlinge in Europa, die vor genau diesem Wahnsinn geflohen sind, begangen. Die Attentate wurden von Verbrechern und Verblendeten angezettelt, geplant und ausgeführt, von Menschen, die ich für schwer krank, für hochgradig psychisch gestört und kriminell halte und die gegen alles verstoßen, was mir heilig ist: Die Liebe, die Menschenwürde, die Humanität, die Freiheit, die Toleranz. Ihnen und denjenigen, die ihnen nacheifern, muss mit aller Härte Einhalt geboten werden; sie gehören schnellstmöglich hinter Schloss und Riegel. Wer aber jetzt triumphiert und die schändlichen Attentate als Vorwand für weitere Stimmungsmache gegen Wehrlose, Verfolgte und Verzweifelte missbraucht, verstößt auch gegen unsere gemeinsamen Werte. Die Morde in Paris dürfen nicht als Vorwand dienen, uns abzuwenden von den Pflichten, die uns unser Grundgesetzt in § 16 a auferlegt: Politisch Verfolge genießen Asylrecht. Die Mörder dürfen uns nicht dazu bringen, alle Menschen muslimischen Glaubens pauschal zu Feinden zu erklären, denn die extrem-fanatische Haltung des IS hat mit dem Glauben der überwiegenden Mehrzahl unserer muslimischen Mitbürger, Nachbarn und der Mehrzahl der muslimischen Flüchtlinge nichts gemein. Nicht Angst und Hass und Pauschalurteile sollen uns leiten und unsere Haltung und Weltsicht bestimmen, sondern das Streben nach Licht, Leben und Liebe, Wohlwollen und Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und die Suche nach möglichst menschenfreundlichen Strukturen. Kehret niemals der Not und dem Elend den Rücken – diese Aufforderung gilt besonders in schweren Zeiten. Ohne Not lässt sie sich als blutleere Formel und netter Spruch leicht dahinsagen. Nur in Krisenzeiten zeigt sich, ob wir diese Worte ernst nehmen und mit Leben füllen.

Jenseits von Religion

Samstag, März 22nd, 2014

Ich bin Freimaurerin, weil ich mich weiter bilden und entwickeln möchte und mir im Rahmen dieses Prozesses Menschenrechte und -würde, Meinungs- und Handlungsfreiheit, Humanität und Toleranz, Gleichberechtigung und gegenseitiger Respekt unendlich wertvoll sind. Und ich bin froh, dass ich hier einen Ort gefunden habe, an dem ich sowohl im Verbund mit anderen als auch für mich allein wachsen und reifen darf - und zwar unabhängig und losgelöst von Kirchen, Religiosität, Gott oder Göttern, festen Glaubens- oder Jenseitsvorstellungen, im Kreise von Atheistinnen, Agnostikerinnen und bekennenden Gläubigen. Ich empfinde das als anregend, wohltuend und bereichernd.