Posts Tagged ‘Gesellin’

Weg mit dem Neid - Mitfreude macht fröhlich

Freitag, Februar 12th, 2016


Ich habe mich entschieden, dass ich anderen Schönes gönnen möchte, mich freuen möchte an dem, was andere Schönes haben und erleben, an dem, was anderen Gutes getan wird. Ich will mich mitfreuen - und zwar ohne neidisch zu sein, ohne mich benachteiligt und zurückgesetzt zu fühlen, ohne zu hadern, ohne selbst Forderungen für mich zu stellen. Ich will mich von Herzen mit anderen freuen, denen Gutes widerfährt. Mitfreude macht das Herz weit und macht mich selbst fröhlich. Anlass für diesen “Vorsatz” war ein Museum, das Flüchtlingsgruppen mit Betreuung freien Eintritt gewährt und dafür einen Shitstorm erntete. Da ist mir bewusst geworden, wie ich-bezogen wir oft um uns selber und unsere eigenen Vorteile kreisen, wie bitter wir dabei werden und wie hässlich. Ich setze auf Mitfreude, Großzügigkeit und die erbauliche Kraft freundlicher Gesten - und merke schon jetzt, wie gut das tut. In der Freimaurerei vollziehen wir diese Perspektiverweiterung vom Ich zum Du und zum Wir symbolisch in den drei Graden Lehrling, Gesellin, Meisterin. Dazu gehört auch das gelegentliche Loslassen von Eigennutz und Eigeninteresse.

(Bild: juli.gänseblümchen, Pixelio)

Arbeit in Graden – ist das Hierarchie?

Freitag, Juni 26th, 2015

Die so genannte Johannismaurerei arbeitet in drei Graden: Lehrling, Gesellin und Meisterin. Damit installieren wir in unserer Logen kein hierarchisches System, sondern widmen uns unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkten. Als Lehrlinge beschäftigen wir uns hauptsächlich mit unserer eigenen Person, wir lernen die Loge und die freimaurerischen Traditionen kennen und lassen das Neue auf uns wirken. Wir schauen in uns. Als Gesellinnen betrachten wir unsere Umgebung genauer, prüfen, wo unser Platz und unsere Aufgabe in der Gruppe sein kann. Wir schauen um uns. Als Meisterinnen übernehmen wir Verantwortung für das Funktionieren der Gruppe, für die Bewahrung, Erweiterung und Weitergabe unseres Wissens und für zukünftige Projekte und Pläne. Wir schauen über uns, z.B. über uns selbst und unsere momentanen Befindlichkeiten hinaus. Allerdings kommen auch die Meisterinnen nicht umhin, weiter in sich und um sich zu schauen.
Die verschiedenen Arbeitsschwerpunkte sind nur in idealtypischer Weise getrennt und fügen sich zu einem notwendigen Ganzen zusammen: Je besser ich mich selbst, meine Stärken und Schwächen, meine wahren und vorgeschobenen Handlungsmotive kenne, um so besser kann ich mit anderen Menschen in eine gleichberechtigte, von Respekt und Achtsamkeit getragene Beziehung treten und mich in ein Team einfügen. Das wiederum ist eine gute Voraussetzung dafür, dass wir in toleranter, einander ergänzender und einfühlsamer Weise das Zusammenleben so gestalten, dass sich jede, die möchte, aktiv in die Gruppe, in die inhaltliche Arbeit und die organisatorischen Abläufe einbringen kann. Wer mitarbeitet und regelmäßig an den Veranstaltungen teilnimmt, wird nach der rechten Zeit zur Gesellin befördert. Wer weiterhin engagiert bei der Sache ist, sich einbringt und im Kreise der Schwestern den eigenen Horizont erweitert, wird zur Meisterin erhoben. Aufnahme, Beförderung und Erhebung vollziehen wir in besonderen, so genannten Initiationsritualen.
Auch Lehrlinge und Gesellinnen sind vollwertige Vereinsmitglieder und nehmen an Mitgliederversammlungen und Abstimmungen teil. In den meisten Satzungen steht, dass bei den Wahlen für leitende Logen-Ämter in der Regel nur Meisterinnen kandidieren sollten, weil es für die Leitung von Verein und Loge - insbesondere bezüglich der Rituale - einer gewissen Erfahrung bedarf.

Menschenliebe? Humanität? Für mehr Zusammenhalt 2015!

Mittwoch, Januar 21st, 2015

Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und zu hoffen, dass sich etwas ändert. (Albert Einstein)

Schon vor den Anschlägen von Paris habe ich intensiv über den Begriff des „Zusammenhalts“ nachgedacht. Er begegnete mir um den Jahreswechsel in einer Reihe von Ansprachen und Texten, auch in Berichten über „Pegida“. 
Zusammenhalt erscheint mir tatsächlich als ein Schlüsselwort für dieses Jahr: Der Zusammenhalt der vielen unterschiedlichen Menschen in unserem Land in Liebe und gegenseitigem Wohlwollen - den anderen zu- und nicht abgewandt, durch echtes Miteinander und nicht durch gemeinsame Feindbilder geleitet. Die aktuelle Bertelsmannstudie “Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt” gibt aufschlussreiche Einblicke in Zusammenhänge (vielleicht an dieser Stelle demnächst separat ein Thema). Der Zusammenhalt ist eine Kraft. Er ist nicht von alleine da, sondern entsteht durch die täglichen Bemühungen vieler einzelner Menschen. Freimaurerinnen fühlen sich Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit bzw. Schwesterlichkeit und Toleranz verpflichtet. Wenn ich mich tatsächlich aktiv für die freimaurerischen Werte einsetze, dann fördere ich unweigerlich den Zusammenhalt in meinen sozialen Kontexten. Das Schlüsselwort an dieser Stelle lautet aktiv! Die Solidaritätsbekundungen in den sozialen Medien nach den Anschlägen von Paris sind ein wichtiges und gutes Signal, doch reicht diese symbolische Handlung allein nicht aus. Freimaurerin sein bedeutet eben nicht, lediglich etwas als richtig zu erkennen, sondern es bedeutet, diese Erkenntnis in das aktive Leben zu übertragen. Es geht gerade nicht um die ewige Innenschau und das andauernde Beschäftigen mit theoretischen Inhalten! Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, wenn das Bemühen um ein besseres Miteinander im Umfeld der einzelnen Freimaurerinnen gar nicht spürbar wäre, wäre die Freimaurerei verzichtbar.
Der Lehrling lernt, seine Möglichkeiten zu erforschen. Die Gesellin nimmt sich selbst als Mitglied der Gemeinschaft wahr und die Meisterin erkennt die Notwendigkeit der eigenen aktiven Lebensgestaltung und -haltung. Letztlich entscheidet das eigene Verhalten darüber, ob wir zeitlebens Freimaurerinnen sind oder nur heißen. Wenn ich also Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Toleranz ernst nehme, dann werde ich aktiv die Stimme erheben, wo es nötig ist. Ich werde mich umschauen, wo es mir in meiner Umgebung möglich ist, einen aktiven Beitrag zu leisten und ich werde Möglichkeiten finden, durch eigene Beiträge die Not um uns, gleich in welcher Form sie sich zeigt, zu lindern. Ich bleibe nicht gleichgültig. Ein Leitgedanke kann dabei sein: Wie kann ich den Zusammenhalt fördern? Ich wünsche mir, dass möglichst viele Menschen in diesem Jahr, Freimaurer oder (noch) nicht, in dieser Form dazu beitragen, dass unsere Welt ein bisschen besser, ein bisschen wärmer und ein wenig heller wird. 

Entwicklung und Wachstum

Montag, Januar 20th, 2014

Was denken Sie, wenn Sie diese beiden Worte lesen? Entwicklung, Wachstum. Wir leben in einer Gesellschaft, die auf Wachstum gründet. Ohne wirtschaftliches Wachstum sähe unsere Gesellschaft anders aus. Entwicklung ist in diesem Zusammenhang der Motor, der weiteres Wachstum anschiebt. Von klein auf werden wir vorbereitet, Teil dieses Spiels um “höher, schneller, weiter, mehr” zu werden. Wenn ich im Büro sitze, bedeutet “Entwicklung” entweder Ausbau von Geschäft oder persönliches Fortkommen. Beides dreht sich um MEHR - entweder mehr Geschäft oder mehr Verantwortung, sicher aber mehr Geld. 
Da wundert es nicht, dass Gäste, die in unsere Logen kommen, sich mitunter schwer tun mit der Freimaurerei: Sie arbeiten in drei Graden? Aha, also gilt es, den dritten (höher, weiter, mehr!) zu erreichen! Der Gedanke liegt nahe, schließlich beurteilen wir neue Gegebenheiten auf dem Fundament unserer bisherigen Erfahrungen. Doch die Freimaurerei funktioniert anders. 
Die drei Grade Lehrling, Gesellin, Meisterin stellen eine schrittweise Einführung in die Freimaurerei dar. In der Loge dürfen, nein sollen wir uns die Zeit nehmen, uns auf Inhalte zu konzentrieren. So haben wir die Chance, sie uns langsam zu erschließen. Die Grade sind ein Zeichen, wie lange ich mich schon um die freimaurerischen Inhalte bemühe und wie viele Erfahrungen ich schon gesammelt habe. Damit bietet die Freimaurerei im Wortsinne “Nicht-alltägliche-Erfahrungen” und ermöglicht Entwicklung und Wachstum auf einer sehr persönlichen menschlichen Ebene.