Posts Tagged ‘Gemeinschaft’

Was wäre, wenn…

Donnerstag, Dezember 17th, 2015

…. wir öfter mal würdigen, was andere leisten?
Jeder Mensch sucht nach Sinn und sinnvoller Tätigkeit, möchte gebraucht werden, sehnt sich nach Anerkennung, Zuspruch und Ermutigung. Jeder Mensch braucht das für sein Selbstwertgefühl, sein Selbstbewusstsein, sein Wohlbefinden. In der heutigen Arbeitswelt ist jedoch die Wahrscheinlichkeit, nach Fehlern kräftig abgekanzelt zu werden, meist größer als die, nach guter Leistung echtes Lob zu erhalten. Mal ganz abgesehen davon, dass immer mehr Menschen von Arbeit und damit auch von gesellschaftlicher Teilhabe abgeschnitten sind und sich allein dadurch wertlos, unproduktiv, überflüssig und unglücklich fühlen. Ich habe beim Einsatz für Flüchtlinge in „meiner“ Stadt beobachtet, dass viele Menschen diese Anerkennung, dieses Gebrauchtwerden, dieses sinnvolle Tätigsein im Ehrenamt erleben oder zu erleben versuchen und dass sie – je nachdem, wie es gelingt und „ankommt“ bzw. „verpufft“ – dadurch glücklicher oder noch unglücklicher werden. Vor ein paar Monaten traf mich dann in einer besinnlichen Minute mit voller Wucht die Erkenntnis, dass sich das genauso auch auf unsere Logen übertragen lässt. Wie oft mäkeln wir aneinander herum? Wie oft sind wir unachtsam und nehmen die Leistung der anderen gar nicht wahr, wie oft würdigen wir sie herab? Und wie lässt sich das ändern? Nun – wie so Vieles: Indem man bei sich selbst beginnt!
Mein kleiner Beitrag für mehr Glück und Zufriedenheit, einfach mal so, zum Jahreswechsel: „Wertschätzungs“-Karten. Ich habe jeder Schwester geschrieben, was ich an ihr „schätze“, was ich an Beiträgen und Handlungen ich im vergangenen Jahr als besonders toll und gelungen empfunden und erlebt habe, was mir aufgefallen ist. Und siehe da: Bei der Auflistung wurde mir klar, dass ich jeder einzelnen dieser höchst unterschiedlichen Freimaurerinnen aus vollem Herzen sagen kann: Du bist ein wunderbarer Mensch mit großartigen Fähigkeiten und Begabungen! Mein Vorsatz für 2016: Ich will auch weiterhin innerhalb und außerhalb der Loge mehr darauf achten, was jede einzelne in die Gemeinschaft einbringt und sie darin bestärken und ermutigen. Denn jede einzelne ist von unschätzbarem Wert und ist es allein deshalb wert, gehörig wertgeschätzt zu werden.

Lasst den Worten Taten folgen

Montag, September 21st, 2015

In einer kurzen Stellungnahme zur Frage nach der Teilnahme unserer Großloge am internationalen Appell zur Flüchtlingstragödie hatte ich geschrieben: “Das wenigstens”. Ich wollte damit ein gewisses Unbehagen ausdrücken, denn bei aller Wertschätzung von Appellen: Sie sind ein erster, unerlässlicher Schritt, bei dem es aber leider häufig bleibt. 
In den Informationen zur freimaurerischen Arbeit der FLGD steht: 
“Sinn und Zweck der freimaurerischen Arbeit ist die Stärkung des Individuums und seiner Fähigkeit, Ideale wie Gleichwertigkeit, Freiheit und soziale Verantwortung konkret zu verwirklichen.” Wenn wir uns als Freimaurerinnen folglich um “Entwürfe” (und entsprechende Mitwirkung) bemühen, dann sind für uns jetzt Fragestellungen angesagt, die nicht nur theoretisch abgehandelt werden dürfen, sondern nach Vorschlägen praktischen Handelns verlangen, d.h. weit über ein verbales Bekenntnis hinausreichen. 
Zum Beispiel: Was muss/sollte/könnte jetzt bedacht, berücksichtigt, gewagt oder getan werden, 
- damit die Menschen als künftige Bürger unsere Meinungs- und Glaubensfreiheit ertragen und mittragen können? 
- damit sich die Frauen frei entwickeln können, ohne ihre körperliche und psychische Gesundheit oder sogar ihr Leben zu gefährden?
- um die bekannten Gefahren einer multikulturellen Gesellschaft – Segregation und Separatismus – zu vermeiden (oder zumindest einzugrenzen) und stattdessen mit den neuen, künftigen Bürgern unseres Landes Konsens eine verbindliche Wertorientierung herzustellen?
Viele weitere Dilemmata stehen im Raum.

Eins ist mir klar: Dies ist wirklich “Arbeit”, angefangen beim Erwerb von Grundlagenwissen über Migration, Gesetzeslage, Kulturen der Herkunftsländer, Ausbildungs- und Bildungsgänge und vieles mehr. Wir haben schon vor einigen Jahren an allen erdenklichen Ecken über “interkulturelle Kompetenzen” nachgedacht. „Migration“ und „Fundamentalismus“ wurden von den europäischen Freimaurerinnen ebenfalls vor Jahren schon als Jahresthema bearbeitet. Wir können anknüpfen, unser Wissen wieder aktivieren und aktualisieren.
Jeder Logen- und Arbeitskreisstandort hat seine ganz spezifische Situation und muss die daraus erwachsenden Aufgaben für die Bevölkerung vor Ort berücksichtigen. Öffentliche Veranstaltungen von Freimaurer(innen)logen mit entsprechenden Fachleuten sind z.B. eine Gelegenheit, die Loge als Impulsgeber und Podium zu nutzen, gemeinsam nach Maßstäben und Entwürfen für ein gelingendes Zusammenleben zu suchen - ein Grund, im 21. Jahrhundert Freimaurerin zu sein.
Wenn wir nur einigermaßen unserem Humanitätsideal nachkommen wollen, dann gibt es keinen Aufschub, angesichts der gegenwärtigen menschlichen und wirtschaftlichen Verwerfungen konkrete Antworten zu versuchen und diese nicht zuletzt auch im Netz zur Verfügung zu stellen. Sie könnten - auch wenn sie nur einfach und klein sind - dem Appell einen entsprechend glaubwürdigen Wirkungsgrad verschaffen.

Die Frage aller Fragen

Freitag, März 27th, 2015

Meine Loge veranstaltet regelmäßig Vortragsabende, zu denen wir interessierte Frauen einladen. Beim letzten Mal sagte eine Dame, dass sie sich frage, was sie selbst wohl zu einer solchen Gemeinschaft beitragen könne. Mir ging das Herz auf - aus zwei Gründen. Zum einen zeugt die Frage von einem ernsthaften Interesse an unserer Loge und macht aus der Fragenden in dem Moment vielleicht eine Suchende. Zum anderen ist diese Frage die grundsätzliche und entscheidende für ein gelingendes Miteinander in der Loge, also tatsächlich die Frage aller Fragen. Was kann ich hier beitragen? Mit dieser Haltung bin und bleibe ich wach, aktiv und setze mich ein. Wir haben alle unterschiedliche Fähigkeiten, Vorlieben und Möglichkeiten. Glücklicherweise, denn so können wir uns ergänzen und immer wieder auf’s Neue erleben, dass Gemeinschaft wirklich bereichert. Wer also diese Frage im Kopf hat und behält, wird sich In der Loge nicht “belogen” lassen, sondern aktiv mitarbeiten. Und genau das macht letztlich den Unterschied. 

Was hat mir die Freimaurerei „gebracht“? Ein persönlicher Rückblick

Freitag, Februar 27th, 2015

Was hat mir die Freimaurerei gebracht?

Wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückblicke, kann ich aus vollem Herzen sagen: Ich bin glücklich darüber, dass ich mich entschieden habe, Freimaurerin zu werden. Die Arbeit mit Symbolen, das Philosophieren über grundlegende ethische Fragen, die rituellen Zusammenkünfte, die Auseinandersetzung mit Sichtweisen, die mir bis dahin fremd waren, haben im Laufe der Zeit mein Leben verändert. Ich habe gelernt, wie ich in verschiedenen Situationen “ticke” und was daran ausbaufähig oder veränderungswürdig ist. Ich habe gelernt und lerne immer wieder und immer noch, dass meine ganz persönliche Sicht nicht gleich der Weisheit letzter Schluss ist. Ich habe erlebt, dass es möglich ist, mit unterschiedlichen Menschen, die völlig verschiedene Erfahrungen, Fähigkeiten und Wissensschätze mitbringen, konstruktiv zusammen zu arbeiten. Ich habe gelernt, gemeinsam mit meinen Schwestern, Regeln und Strukturen zu schaffen, mit ihnen und an ihnen zu wachsen und sie gemäß den immer wieder neuen Anforderungen auch moderat zu verändern. Ich habe gelernt, meine Grenzen anders zu ziehen - sie sind bei manchen Themen sehr viel weiter, bei anderen durchaus auch enger geworden. (Ich gestehe anderen viel mehr Individualität und Anderssein zu als früher, aber ich gehe sorgfältiger mit meiner Zeit um und verschwende sie nicht mehr für etwas, was ich im Grunde gar nicht will.) Ich erlebe die Loge als einen Schutzraum und als Experimentierfeld, als Arbeits- und Übungsstätte und als Erholungsort, als intellektuelle und emotionale Bereicherung und Herausforderung, als Trainingsort für Toleranz und Redlichkeit, für Mitmenschlichkeit und geistige Klarheit, für Tradition und Fortschritt. Ich will das alles in meinem Leben nicht mehr missen. Und das besonders Schöne ist: All die “Einsichten”, die ich gewonnen habe, hat mir keiner eingetrichert, hat mich niemand schulmeisterlich gelehrt. Die Veränderungen in Verhalten und Lebensstil, Denkungsart und Haltung, zu denen ich mich entschlossen und die ich geübt und ausgebaut habe, hat mir niemand als Gebot oder Pflicht auferlegt. Ich habe sie mir in der Gemeinschaft mit anderen, im aktiven, wertschätzenden und auch reibungsvollen Miteinander ganz allmählich und ganz in meinem Tempo erschließen können. Dafür bin ich mehr als dankbar. Auch heute, 16 Jahre nach meiner Aufnahme, habe ich noch so viel zu tun, so viel Neues zu entdecken, so viel dazu zu lernen. Das hält mich auf wunderbar spannende und anregende Weise wach und lebendig.

Ist Freimaurerei eine Gemeinschaft?

Mittwoch, Februar 4th, 2015

Sie ist: eine Kunst, eine Lebenskunst, eine bestimmte Weise, das eigene Leben künstlerisch zu gestalten im Bewusstsein von Mit-Mensch-Sein. Freimaurerei ist ein im menschlichen Zwischen entstandenes Phänomen, aufgrund dessen sich Menschen freiwillig zusammenschließen  -  ohne Lehre und ohne Führungspersönlichkeit

Einstimmigkeit heißt nicht Konsens

Donnerstag, Januar 29th, 2015

Einstimmigkeit heißt nicht KonsensWas denken Sie, wenn eine Abstimmung einstimmig ausgeht? Zur uneingeschränkten Freude besteht in vielen Fällen, so meine ich, kein Grund. Ein Beispiel: Kürzlich bekamen die Teilnehmer einer Sitzung, auch ich, wenige Stunden vor der Veranstaltung einen Berg an Unterlagen zugeschickt. Ich bin sicher: kaum jemand hatte die Zeit, die Papiere zu lesen. Die Abstimmung über das dort behandelte Thema ging jedoch einstimmig aus. Ich habe auch dafür gestimmt, obwohl ich die Dokumente zuvor nur grob überflogen hatte. Mein (innerliches) Argument in diesem Fall war Vertrauen in den Vorsitzenden. Ist das ein gutes Zeichen? Besser jedenfalls als der zweite mögliche Grund: Gleichgültigkeit.
Nicht für den geschilderten Fall zutreffend, aber ebenso denkbar: Es gibt für die Teilnehmer keine Möglichkeit zur differenzierten Diskussion oder es herrscht schlicht ein Klima, in dem Diskussionen und eine Vielfalt der Meinungen nicht erwünscht sind.
Auch in der Loge gibt es Abstimmungen und auch hier gibt es bisweilen Einstimmigkeit. Das kann sehr erhebend sein, wenn wir feststellen, dass wir nach ausführlicher Erörterung zu wichtigen Fragen als Gruppe einen ehrlichen Konsens haben. Grundsätzlich sollte es uns kurz innehalten und nachdenken lassen. Wir sind eine Gemeinschaft von sehr verschiedenen Individuen und haben sehr verschiedene Ansichten und Erfahrungen. Wer Verantwortung übernimmt, sollte zumindest in sich hineinhören und prüfen, wie sich diese Einstimmigkeit anfühlt und sich dann, wenn Grund dazu besteht, ehrlich freuen.

(Foto: Sabine Koriath, Pixelio)

Vernunft und Liebe in der Freimaurerei (3/3)

Dienstag, Dezember 16th, 2014

Teil 3 - Ein Widerspruch?
Manchmal mag es scheinen, als gebe es in der Freimaurerei einen Widerspruch zwischen Vernunft und Liebe. Zum Beispiel die Wasserwaage, auf der alle Schwestern gleich sind. In welcher Gemeinschaft gibt es das, dass ein neues Mitglied den schon lange dazu gehörenden, altgedienten, gleich gestellt wird? Sie kann zwar noch nicht alle Ämter übernehmen, dennoch gilt ihre Stimme bei allen Abstimmungen wie jede andere. Es gibt Freimaurer, die meinen, es sein vernünftiger, die neu aufgenommene Schwester oder den Bruder von manchen Entscheidungen auszuschließen, ja ein gewisses Redeverbot im ersten und zweiten Grad auszusprechen, weil sie sich noch nicht auskennen. Sie sollen lieber zuhören. Damit wird aber zugleich der erfrischende, belebende, weil noch unbefangene Blick ausgeschaltet. Es scheint manchen vernünftig, das Althergebrachte und Erprobte vor dem Urteil der Neuen zu schützen, die ja noch keine Erfahrung haben. Vom Standpunkt der Liebe aus ist aber das Nichthören auf Neues, noch Ungewisses ein Verlust, weil vom Wesen der Liebe her das Heute entscheidend ist. Wenn ich sage: ich liebe, dann heißt das: ich liebe heute, nicht gestern oder morgen.
Wenn wir aus schwesterlicher Liebe die Neue ernst nehmen, ist das Ergebnis immer vernünftig, mag es zunächst auch unvernünftig erscheinen. Es erweist sich letztlich als förderlich für unsere Gemeinschaft, denn es verpflichtet die älteren Schwestern zur Aufmerksamkeit gegenüber den jüngeren, neuen Schwestern. Aufmerksam füreinander zu werden, scheint mir eine sicherere Basis als Aufmerksamkeit für die Tradition! Außerdem kann das Talent, das eine jede neue Schwester mitbringt, von Anfang an der Gemeinschaft zugute kommen. Und die Aufmerksamkeit vonseiten der älteren bewirkt bei den jüngeren Schwestern das Hinhören auf die Gedanken und Erfahrungen der älteren. Das ist meine persönliche Erfahrung mit meiner Bürgin.
Das ist das Schöne, dass wir einander respektieren und anerkennen und uns freuen über die vielfältigen Begabungen, die sich in einer solchen Gemeinschaft dann offenbaren. Das ist das, was eine Gemeinschaft auch zusammenhält - dieses Bewusstsein vielfältiger Talente und vielfältiger Menschen in ihre Eigenart, die alle zusammenkommen als Freimaurerinnen. Das ist unsere Freude aneinander. 
Die Liebe will auch nicht urteilen, wer wo etwas falsch machte oder versagte. Vielmehr hat ein liebender Mensch das Ziel und die Sache im Auge, weil er diese Sache schätzt. Darum ist, wer liebt, an einer Lösung interessiert und nicht daran zu untersuchen, wie es zur Schwierigkeit kam. Im Grunde erlaubt uns unser Freimaurersein überhaupt kein anderes Miteinanderumgehen als ein an der Sache orientiertes Verhalten. Das ist Aufklärung mit Herz. Was die Vernunft erkennt, kann nicht ohne Liebe verwirklicht werden. 
Für die Meisterin hat das letzte Wort immer die Liebe. Der Lehrling soll lernen, winkelrecht, vernünftig einzusehen und zu handeln; die Gesellin wird schon ermuntert, auf Liebe zu bauen; die Meisterin schließlich wird hingewiesen auf die heilende, überwältigende Wirkung der Liebe. Es beginnt mit der Vernunft und endet mit der Liebe. 

Das Symbol des 24-zölligen Maßstabs

Mittwoch, September 17th, 2014

Wofür steht das Symbol des 24-zölligen Maßstabs?
Das Symbol steht für das Messen von Dimension und Verhältnismäßigkeit. 
Dadurch ergeben sich gedanklich Begrenzungen der Zeit, des Raums im Sinne der Maßlichkeit und im übertragenen Sinne des Verhaltens, der Maßhaftigkeit oder des Maßvollseins. All’ diesen Begrenzungen wohnt ein Organisationsprinzip inne, das den Umgang mit begrenzten Ressourcen und das Setzen von Prioritäten ermöglicht. 
Es entsteht ein Spielfeld für selbst gewählten Aktivität.
Wie wirkt das Symbol allgemein auf die Gemeinschaft?
Wichtige und unwichtige Dinge bekommen eine Zuordnung zu Zeit, Ort/Raum und Verhältnismäßigkeit. Das wirkt ordnend und schafft Strukturen, die die Gemeinschaft erkennt und anerkennen kann. Werden die Strukturmuster anerkannt, sind sie verbindlich. Die Mitglieder einer Gemeinschaft können sich damit aufeinander verlassen. Es entsteht Raum für Ideen, Neues, Entwicklung.
Wie kann das Symbol individuell erfahren werden?
Das Symbol trägt eine Erinnerungsfunktion, beispielsweise im Sinne einer Aufforderung: Carpe Diem. Für manche ist die Vorstellung dieses Ordnungsprinzips ein unbekanntes Territorium. Strukturen oder das Einhalten von Verbindlichkeiten sind unbekannt und ungewollt. Für mache Menschen schafft es einen Rahmen und somit Klarheit und Sicherheit. Für andere verursacht es Zwänge oder auch Langeweile.
Für mich stellen all diese Gedanken die Grenze meiner momentanen Vorstellungskraft dar. Diese Grenze wirkt wie eine unüberwindbare gedankliche Mauer. Die Sehnsucht und Neugier, mehr darüber zu erfahren und davon zu nutzen, wird den Aufbruch zu neuer Kreativität und Tatkraft inspirieren. Und das braucht noch Zeit.

Freimaurerei lebt nicht in Büchern

Donnerstag, Juni 19th, 2014

Freimaurerei lebt zuerst in den Mitgliedern der einzelnen Logen, nicht in Büchern und Schriften. Freimaurerisches Wissen über Wesen, Geschichte, Symbolik ist vermittelbar und vermittelnswert. Es ist ein Mittel zum Zweck. Der Zweck, der Sinn, das Ziel von Freimaurerei: gelingendes Menschsein als Individuum innerhalb der menschlichen (nicht der männlichen oder weiblichen) Gemeinschaft; freimaurerisch symbolisch ausgedrückt: der Stein und das Gebäude.

Logengemeinschaft

Mittwoch, Mai 14th, 2014

Die Mitglieder einer Loge bilden eine Gemeinschaft. Sie kommen mehrmals im Monat zu Veranstaltungen zusammen. Das regelmäßige Treffen, die vielen gemeinsamen Erlebnisse und Gespräche, kurz oder intensiv, lassen über die Zeit eine Verbindung zwischen den Mitgliedern der Gemeinschaft entstehen. Diese kann sehr verschieden sein, in Qualität und Intensität. Auch Freundschaften sind möglich.
Die Mitgliedschaft in einer Loge ist auf Dauer angelegt. Selbstverständlich kann jede Frau die Loge wieder verlassen, in dieser Hinsicht sind Freimaurerlogen Vereine mit einer Satzung, die Eintritt und Austritt regelt. Aber in der Regel bleiben Freimaurerinnen Mitglied ihrer Loge. 
Jüngst hat überraschend eine Schwester meiner Loge darüber nachgedacht, die Loge zu verlassen. Jahrzehnte war sie aktiv, hat sich engagiert und war mit ihrer Erfahrung eine geschätzte Ratgeberin. Die Gründe, die sie überlegen ließen zu gehen, kann ich alle nachvollziehen. Das Leben verändert sich über die Jahre und auch die äußeren Rahmenbedingungen, die wir nun einmal akzeptieren müssen, verändern sich. Wir sind sicher klug beraten, wenn wir regelmäßig prüfen, ob unsere Lebensweise noch zu unseren Lebensumständen passt oder ob wir an der einen oder anderen Stelle etwas verändern sollten, vielleicht auch uns von etwas lieb Gewordenem trennen, damit die Balance stimmt. 
Drei Gedanken haben mich lange beschäftigt:
1. Ich staune, dass diese Frau, der die Freimaurerei sehr viel bedeutet, dabei ist, sich zu diesem Schritt durchzuringen. Und ich komme ins Grübeln: wird es bei mir auch eines Tages so sein? Das war bislang unvorstellbar. 
2. Ich spüre, dass die persönliche Entscheidung einer Einzelnen Zweifel in mir auslöst. Gibt es Gründe hinter den Gründen? Wenn ja, geht es mich nichts an, ich kann einem Menschen nur vor den Kopf sehen und das hören, was er mir sagt. Habe ich mich nicht genug bemüht? Man kann immer mehr tun. Werde ich es schaffen, mich in Zukunft mehr zu bemühen? Ich nehme meinen Weg fest in den Blick und bin sicher: Richtungsentscheidungen anderer, die ihren eigenen Weg betreffen, bringen mich nicht von meinem ab.
3. Ich fühle mich verlassen. Mir wird bewusst, wie wichtig mir dieser Mensch ist. Dass ich auf sie nicht verzichten möchte, sie um mich haben möchte, dabei haben möchte. Verlust ist jedoch genau das, was wir unser Leben lang lernen müssen.
Zum Glück ist sie letztlich geblieben - und ich habe eine Menge an Erkenntnissen gewonnen.