Posts Tagged ‘Freimaurerei’

Ein verborgenes Netz - Musik freimaurerisch inspirierter Komponisten

Samstag, Juli 23rd, 2016

v.l. Naila Alvarenga, Klavier; Katja Zakotnik, Violoncello
“Frauen sind Freimaurer? Das war für viele Besucher die erste Überrschung beim Konzert ‘Ein verborgenes Netz’ [...]“.
So beginnt die Zeitungskritik der “Rheinpfalz” zu einem musikalisch-freimaurerischen Erlebnis, das am 17. Juli in Ludwigshafen/Rhein stattfand. Die Cellistin Katja Zakotnik und ihre Pianistin Naila Alvarenga spielten Musik freimaurerisch inspirierter Komponisten und zeigten in der Konzertmoderation, wie sich die Freimaurerei in Werken und Leben der Tonkünstler widerspiegelt. Die Schirmherrschaft über diesen wahrhaft außergewöhnlichen Abend hatte die Loge UNITAS i.Or. Mannheim übernommen und damit mehr als Präsenz gezeigt.

“Wie wir heute hören werden, sind einige Freimaurer auch bedeutende Komponisten gewesen, die Wunderbares vertont haben”, sagte die MvSt der UNITAS, in ihrem Grußwort.
Da war zum Einen Francesco Geminiani, der bei der Gründung der englischen Großloge 1717 Zeitzeuge war. Seine Sonate spielte das Cello-Klavier-Duo spritzig und erfrischend und es genoss dabei offensichtlich die kunstvollen Regeln des Barock. Danach rechnete man mit Moderation, doch mitnichten: die Tür des Saales flog auf und Meister Geminiani selbst kam zum Vorschein, gespielt von Günter Weißkopf, einem anerkannten Schauspieler im Bereich Improvisationstheater. Entsetzt und schockiert war er, denn ihm seien Noten abhanden gekommen. Das Publikum war plötzlich Teil dieses Dramas, das einer Anekdote nach diesen Komponisten letztendlich durch ein geschwächtes Herz zu Tode brachte.
Diesen Überraschungsauftritt verdaut, lauschten die ZuhörerInnen gespannt Katja Zakotniks Ausführungen über die Anfänge der Freimaurerei. An professionell erstellten Flipcharts verdeutlichte sie die Entwicklung der Steinmetze zu einer Bruderschaft.
Auch Mozart wurde später Teil davon und Beethoven, der selbst kein Maurer war, wandelte Arien aus Mozarts Oper “Die Zauberflöte” in Variationswerke für Cello und Klavier. Sowohl “Ein Mädchen oder Weibchen” -der Arie des Papageno- als auch “Bei Männern, welche Liebe fühlen” -einem Duett- spiegelt Beethoven die Entwicklung der Zauberflöten-Charaktere, wie Katja Zakotnik spannend erläuterte. Als die Musik erklingt, wird diese Entwicklung durch das farbenreiche und virtuose Spiel der Cellistin und Pianistin geradezu fühlbar. Die beiden international preisgekrönten Musikerinnen beeindruckten sowohl durch Fingerfertigkeit und Perfektion als auch durch Musikalität und fantasiereiche Tongestaltung.

In einer Pause, in der die UNITAS einen Ausschank vorbereitet hatte, kamen die Freimaurerinnen mit interessierten Zuhörerinnen ins Gespräch.
Danach gab es einen Zeitsprung: Jean Sibelius, der finnische Komponist und Freimaurer, war an der Reihe. Seine Musik drückt Dualität aus: Licht und Schatten sind offensichtlich zu hören. Katja Zakotnik und Naila Alvarenga spielten ein selten gespieltes Werk, die “Vier Stücke Op. 78″, die sich direkt in die Herzen des Publikums schlichen. Da war unter anderem die Romanze, die Katja Zakotnik am Cello unglaublich weich gestaltete, oder das virtuose Rigaudon, das die Zuhörer ins Staunen versetzte.
Den Schluss des Konzertes bildete der Komponist Johann Nepomuk Hummel, seinerzeit engagierter Freimaurer und sogar berühmter als sein bester Freund Beethoven. Dass sich dieser Mann ein Urheberrecht erdachte und damit den Grundstein für die heutige GEMA legte, ist nicht zuletzt der Inspiration geschuldet, die er aus seiner Mitgliedschaft in der Loge Anna Amalia zu den drei Rosen i.Or. Weimar zog. Cello und Klavier spielte seine “Variaitonen d-Moll”, die von der Presse als “artistische Supershow im Hochfrequenzbereich” bezeichnet wurden. Zurecht.


http://www.verborgenesnetz.de

Foto: C. Gaier

Alles digital? Freimaurerei im 21. Jahrhundert

Donnerstag, März 24th, 2016

digital
Was ist charakteristisch für unser noch junges Jahrhundert? Und wie passt das mit Freimaurerei zusammen? In drei Beiträgen werfen wir einen Blick auf die Kapitulation vor der Komplexität, Digitalisierung und den Wandel der Arbeitswelt.

Heute Teil 2: Digitalisierung
Smartphones, Tablets und eine große Bandbreite in der Datenübertragung haben dazu geführt, dass viele Menschen heute permanent online sind. Die neuen Formen der Vernetzung bieten vielfältige individuelle und neue Möglichkeiten. Um beispielsweise mit anderen, die die gleichen Interessen teilen, in Kontakt zu sein und sich auszutauschen, muss man nicht mehr unbedingt das Haus verlassen.
Das führt u. U. zu einer Vereinzelung, der Mensch ist mit sich und seinem Gerät allein, statt mit anderen im persönlichen Gespräch. Ein Bild, das jeder kennt, sind die Restaurantbesucher, die gemeinsam am Tisch sitzen und jeweils alleine für sich in ihr Handy schauen.
Auch die Mediennutzung hat sich durch die Digitalisierung verändert. Das Fernsehen war bis vor wenigen Jahrzehnten noch Zentrum für kollektive Erlebnisse, “Straßenfeger” wurden die Sendungen genannt, vor denen sich die Mehrheit der Bevölkerung zeitgleich versammelte. Außer vielleicht bei Fußballgroßereignissen spielt das Fernsehen diese Rolle heute nicht mehr. Medien machen, also Informationen und Meinung veröffentlichen, kann technisch heute jeder. Ob jeder auch Gehör findet, ist eine andere Sache. Die Technik hat hier die Politik rasant überholt. Die Festlegungen in Rundfunkstaatsvertrag und Landesmediengesetzen bilden die Realität schlicht nicht mehr ab, die politischen Gestalter reagieren mit ständig neuen Novellen bestehender Regelungen nur noch.
Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Freimaurerei aus?
Für die Freimaurerei wirkt die Digitalisierung demokratisierend. Über das Internet können Interessierte Informationen zu Logen erhalten und Kontakt knüpfen, selbst wenn sie selbst keinen Freimaurer persönlich kennen. Das war früher viel schwieriger. Dem Ziel, vielen Frauen die Möglichkeit zur freimaurerischen Arbeit zu eröffnen, können wir so heute viel eher gerecht werden. Logen machen keine Werbung im herkömmlichen Sinne, sie wollen vielmehr gefunden werden und das ist heute leichter als jemals zuvor.
Bei unseren Treffen wiederum üben wir das aufmerksame Miteinander. Handys bleiben in der Tasche, der Alltag bleibt draußen. Gerade in einer Zeit permanenter Erreichbarkeit und Aufmerksamkeit ist dies für viele Schwestern eine Wohltat.
Die Digitalisierung ermöglicht uns zugleich neue Formen der Kommunikation. Als Beispiel möchte ich den Blog FrauMaurer erwähnen, ein Experiment, bei dem jede Schwester unseres Bundes Texte beitragen und veröffentlichen kann, in der Kür mit einer folgenden inhaltlichen Diskussion mit Leserinnen und Lesern in über die integrierte Kommentarfunktion.
Dieser Blog hat auch in anderer Hinsicht Charme. Freimaurerinnen fühlen sich der Freiheit, Toleranz, Humanität, Gleichheit und Freiheit verpflichtet - haben jedoch zu vielen Themen vollkommen unterschiedliche Meinungen. Es gibt nicht “die Haltung” zu politischen und gesellschaftlichen Sachverhalten, sofern sie über die genannten Grundprinzipien hinausgeht. Daher gibt es kaum Veröffentlichungen und Statements “der Freimaurerinnen”. Der Blog FrauMaurer wird auch an dieser Stelle der Vielfalt gerecht.

In Teil 3 wird es um den Wandel der Arbeitswelt gehen.

Weg mit dem Neid - Mitfreude macht fröhlich

Freitag, Februar 12th, 2016


Ich habe mich entschieden, dass ich anderen Schönes gönnen möchte, mich freuen möchte an dem, was andere Schönes haben und erleben, an dem, was anderen Gutes getan wird. Ich will mich mitfreuen - und zwar ohne neidisch zu sein, ohne mich benachteiligt und zurückgesetzt zu fühlen, ohne zu hadern, ohne selbst Forderungen für mich zu stellen. Ich will mich von Herzen mit anderen freuen, denen Gutes widerfährt. Mitfreude macht das Herz weit und macht mich selbst fröhlich. Anlass für diesen “Vorsatz” war ein Museum, das Flüchtlingsgruppen mit Betreuung freien Eintritt gewährt und dafür einen Shitstorm erntete. Da ist mir bewusst geworden, wie ich-bezogen wir oft um uns selber und unsere eigenen Vorteile kreisen, wie bitter wir dabei werden und wie hässlich. Ich setze auf Mitfreude, Großzügigkeit und die erbauliche Kraft freundlicher Gesten - und merke schon jetzt, wie gut das tut. In der Freimaurerei vollziehen wir diese Perspektiverweiterung vom Ich zum Du und zum Wir symbolisch in den drei Graden Lehrling, Gesellin, Meisterin. Dazu gehört auch das gelegentliche Loslassen von Eigennutz und Eigeninteresse.

(Bild: juli.gänseblümchen, Pixelio)

Lasst den Worten Taten folgen

Montag, September 21st, 2015

In einer kurzen Stellungnahme zur Frage nach der Teilnahme unserer Großloge am internationalen Appell zur Flüchtlingstragödie hatte ich geschrieben: “Das wenigstens”. Ich wollte damit ein gewisses Unbehagen ausdrücken, denn bei aller Wertschätzung von Appellen: Sie sind ein erster, unerlässlicher Schritt, bei dem es aber leider häufig bleibt. 
In den Informationen zur freimaurerischen Arbeit der FLGD steht: 
“Sinn und Zweck der freimaurerischen Arbeit ist die Stärkung des Individuums und seiner Fähigkeit, Ideale wie Gleichwertigkeit, Freiheit und soziale Verantwortung konkret zu verwirklichen.” Wenn wir uns als Freimaurerinnen folglich um “Entwürfe” (und entsprechende Mitwirkung) bemühen, dann sind für uns jetzt Fragestellungen angesagt, die nicht nur theoretisch abgehandelt werden dürfen, sondern nach Vorschlägen praktischen Handelns verlangen, d.h. weit über ein verbales Bekenntnis hinausreichen. 
Zum Beispiel: Was muss/sollte/könnte jetzt bedacht, berücksichtigt, gewagt oder getan werden, 
- damit die Menschen als künftige Bürger unsere Meinungs- und Glaubensfreiheit ertragen und mittragen können? 
- damit sich die Frauen frei entwickeln können, ohne ihre körperliche und psychische Gesundheit oder sogar ihr Leben zu gefährden?
- um die bekannten Gefahren einer multikulturellen Gesellschaft – Segregation und Separatismus – zu vermeiden (oder zumindest einzugrenzen) und stattdessen mit den neuen, künftigen Bürgern unseres Landes Konsens eine verbindliche Wertorientierung herzustellen?
Viele weitere Dilemmata stehen im Raum.

Eins ist mir klar: Dies ist wirklich “Arbeit”, angefangen beim Erwerb von Grundlagenwissen über Migration, Gesetzeslage, Kulturen der Herkunftsländer, Ausbildungs- und Bildungsgänge und vieles mehr. Wir haben schon vor einigen Jahren an allen erdenklichen Ecken über “interkulturelle Kompetenzen” nachgedacht. „Migration“ und „Fundamentalismus“ wurden von den europäischen Freimaurerinnen ebenfalls vor Jahren schon als Jahresthema bearbeitet. Wir können anknüpfen, unser Wissen wieder aktivieren und aktualisieren.
Jeder Logen- und Arbeitskreisstandort hat seine ganz spezifische Situation und muss die daraus erwachsenden Aufgaben für die Bevölkerung vor Ort berücksichtigen. Öffentliche Veranstaltungen von Freimaurer(innen)logen mit entsprechenden Fachleuten sind z.B. eine Gelegenheit, die Loge als Impulsgeber und Podium zu nutzen, gemeinsam nach Maßstäben und Entwürfen für ein gelingendes Zusammenleben zu suchen - ein Grund, im 21. Jahrhundert Freimaurerin zu sein.
Wenn wir nur einigermaßen unserem Humanitätsideal nachkommen wollen, dann gibt es keinen Aufschub, angesichts der gegenwärtigen menschlichen und wirtschaftlichen Verwerfungen konkrete Antworten zu versuchen und diese nicht zuletzt auch im Netz zur Verfügung zu stellen. Sie könnten - auch wenn sie nur einfach und klein sind - dem Appell einen entsprechend glaubwürdigen Wirkungsgrad verschaffen.

Freimaurerei ist keine Privatsache - warum auch die FGLD zur Flüchtlingtragödie Stellung bezieht

Donnerstag, September 17th, 2015

“Europa droht zu zerfallen” lautet die Überschrift eines aktuellen Tagesschau-Kommentars zur Flüchtlingskrise, in dem Karin Bensch warnt: “Europa wird zersplittern, (…) wenn die Mitgliedsländer es nicht (…) schaffen, den Flüchtlingsansturm zusammen in den Griff zu kriegen.”

Die Frauengroßloge von Deutschland hat sich einer internationalen “Erklärung zur Flüchtlingstragödie” angeschlossen, die bereits von zahlreichen Freimaurer-Großlogen unterzeichnet wurde.

In ihrer Erklärung appellieren die Großlogen an die europäischen Regierungen, “eine gemeinsame Politik zu verwirklichen, die für einen würdigen und menschlichen Empfang derjenigen Bevölkerungsgruppen sorgt, die sich in Not und Elend befinden.”

Freimaurer-Großlogen - darunter auch die Frauengroßloge von Deutschland (FGLD) - äußern sich “im Verbund” öffentlich zu einem politischen Thema und “bekennen Farbe”. “Gut so!”, könnte man/frau denken, “Schließlich sollten Mitglieder einer Gemeinschaft, die sich Werte wie ‘Toleranz’, ‘Solidarität’ und ‘Brüderlichkeit’ auf die Fahnen schreiben, auch öffentlich Stellung beziehen, wenn diese Werte auf dem Spiel stehen!”

Doch die Reaktionen unter uns Freimaurerinnen der FGLD sind keineswegs einhellig begeistert - einige Schwestern sind der Auffassung, der internationale Appell verstoße gegen eine freimaurerische Regel, derzufolge wir in unseren Logen nicht über Politik und Religion diskutieren und uns weder als Loge noch als Großloge öffentlich zu entsprechenden Themen äußern.

Woher kommt diese Überzeugung?

In den sogenannten “Alten Pflichten” von James Anderson aus dem Jahr 1723 heißt es: “[Es] dürfen keine persönlichen Sticheleien und Auseinandersetzungen und erst recht keine Streitgespräche über Religion, Nation oder Politik in die Logen getragen werden.” (VI.,2. siehe u.a.
http://www.pdf-archive.com/2012/08/05/alte-pflichten-der-freimaurer-1723/preview/page/5/)

Die “Alten Pflichten” werden vor allem von Brüdern, deren Logen sich an die Großloge von England binden, als “Grundgesetz der Freimaurerei” anerkannt. Für uns Freimaurerinnen der FGLD sind die “Alten Pflichten” nicht bindend im Sinne eines maurerischen “Grundgesetzes” - andernfalls dürfte es uns gar nicht geben, da der Text Frauen klar von der Freimaurerei ausschließt!

Wie sollen wir es also halten mit der Politik?

Vielleicht können die folgenden Sätze von Bruder Hans-Herrmann Höhmann ein Denkanstoß sein:

“Logen und Großlogen formulieren keine po­litischen Programme, nehmen nicht Teil an parteipolitischen Auseinandersetzungen und vertreten nicht die Interessen gesellschaftlicher Gruppierungen und Verbände.

Dennoch hat die Freimaurerei eine politi­sche Wirkung: (…) mit der Verpflichtung zur Menschlichkeit thematisiert sie ein Grundziel jeder Politik, gemäß ihres Bekenntnisses zur Toleranz hilft sie, die politische Kultur im Sinne einer ’streitbaren Gesprächsfähigkeit’ zu verbes­sern, und durch das Erörtern wichtiger Zeitfragen in den Logen trägt sie zur politischen Urteilsbil­dung ihrer Mitglieder bei.”
(http://www.afuamvd.de/informationen/)

Jede Freimaurerin und jeder Freimaurer entscheidet eigenverantwortlich, wie er/sie die freimaurerischen Ideen und Werte in die Tat umzusetzt - gleichzeitig ist Freimaurerei keine Privatsache, weil sie uns auffordert, in der Welt (und damit öffentlich) einzutreten für Menschlichkeit, Toleranz, Solidarität und Brüderlichkeit.

In der aktuellen Flüchtlingskrise gibt es keine einfachen Antworten und fertigen Lösungen. Es wäre dennoch falsch, aus Angst vor “Vereinfachung” zu schweigen!

Lasst uns in den Logen üben, wichtige Zeitfragen jenseits von Rechthaberei, Starrsinn und Polemik offen, fair und auf Augenhöhe zu erörtern - und lasst und diese im Miteinander erworbene “streibare Gesprächsfähigkeit” einbringen in die öffentliche Diskussionen nicht nur aber gerade auch zur aktuellen Flüchtlingsthematik!

Auf Spiegel-Online schreibt Markus Becker unter der Überschrift “Europa in der Sinnkrise“:
“Wenn man dem Flüchtlingsdrama überhaupt etwas Positives abgewinnen will, dann vielleicht dieses: Es zwingt die Europäer, über sich selbst, über ihr Verhältnis zueinander und ihr Verhältnis zum Rest der Welt nachzudenken. Und wenn alles gutgeht, kommt am Ende eine EU dabei heraus, die Menschen aus guten Gründen anzieht und daraus ihre Stärke bezieht.”

In diesem Sinne: Nutzen wir die aktuelle Krise, um als Freimaurerinnen über uns selbst, unser Verhältnis zueinander und unser Verhältnis zur Welt (d.h. auch zur Öffentlichkeit) nachzudenken und zu diskutieren!

Wenn alles gut geht, kommt am Ende eine Freimaurerei dabei heraus, die Menschen aus guten Gründen anzieht und daraus ihre Stärke bezieht!

Entrümpelung - befreit euch von Ballast!

Donnerstag, Juni 18th, 2015

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In de Loge haben wir kürzlich über die freimaurerische Geheimschrift gesprochen. Geheim ist sie natürlich nicht, schon in der Wikipedia wird die Interessierte fündig. Es ist eine simple alphabetische Substitutionsschrift, die es in verschiedenen Varianten gibt. Sie hat im 18. Jahrhundert Einzug in die Freimaurerei gehalten, ganz den Moden der Zeit folgend. Heute hat sie für uns keinerlei Bedeutung. Wir stießen darauf, weil über einem Raum im Logenhaus das “Erkenne dich selbst” in eben dieser Geheimschrift angebracht ist. Ich habe nie groß darüber nachgedacht. Für mich stand die Inschrift immer dafür, dass sich Wissen oder auch Weisheit nicht von selbst erschließen, sondern ich mich darum bemühen muss. “Ernst genommen” habe ich die Geheimschrift nicht.
Doch heute frage ich mich: Wie kann ein interessierter Mensch unterscheiden, was heute in der Freimaurerei relevant ist und was historische Spielerei oder schlichte Dekoration? Es erscheint schwierig, vielleicht unmöglich. Am ehesten geht es im Gespräch. Dazu ist es natürlich unbedingt erforderlich, dass die Freimaurerinnen selbst für sich klar sortiert haben, was heute welche Bedeutung hat und bereit sind, den Ballast abzuwerfen und ihn dorthin zu stellen, wo er hin gehört, nämlich ins historische Kabinett. Wir sollten uns auf den Kern konzentrieren. Mit dem können wir auch heute überzeugen. Doch wer würde sich einer Vereinigung anschließen, die eine Geheimschrift pflegt? Ich vermute: nicht unbedingt die Menschen, die unsere Arbeit in den Logen voranbringen.

Gegen alle Trennungen und für eine Begegnung von bloßen Menschen

Dienstag, Mai 12th, 2015

Was uns verbindet, trennt uns zugleich von anderen. Lessing lässt Ernst und Falk in ihrem zweiten freimaurerischen Gespräch zu dieser Erkenntnis kommen. So lebten auch in der besten Staatsverfassung der Welt nicht alle Menschen in demselben Staat, denn der wäre zu groß und damit unregierbar. Sie blieben demnach verschiedener Nationalitäten. Und die bürgerliche Gesellschaft setze ihre Trennungen in jedem ihrer Teile bis ins unendliche fort. Lessing bietet die Freimaurerei gleichsam als Lösung an. Es habe zu allen Zeiten Menschen gegeben, die willens und in der Lage waren, diese Trennungen mit Toleranz zu überwinden. Doch lebten sie in einer unwirksamen Zerstreuung und wüssten nichts voneinander. Die Logen wären damit sichtbare und aufsuchbare Zusammenschlüsse von Menschen, die die Trennungen, durch die sie einander fremd werden, überwinden wollen. 
Lessing verfasste seinen Ernst und Falk in den 1770er Jahren. Die Menschen hatten die Relogionskriege hinter sich, die Nationalkonflikte und Klassenkämpfe noch vor sich. 
Die Gesellschaft hat sich inzwischen stark verändert, doch das Grundprinzip der Trennung ist nach wie vor gültig. Durch die vielfältigen Wahlmöglichkeiten in der postmodernen Gesellschaft leben wir heute in einer Welt mit vermutlich noch deutlich mehr Trennungen. Zugleich bieten elektronische Medien neue und schnelle Möglichkeiten, Gleichgesinnte zu finden. Auch die Logen werden heute von interessieren Frauen häufig zuerst über das Internet gefunden und kontaktiert. Mir erscheint es auch heute noch ein starkes und wichtiges Motiv, in Toleranz Trennungen überwinden zu wollen und mit sehr verschiedenen Menschen in Kontakt zu kommen. Logen können so einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten. Und doch mutet die Idee allein nicht mehr so revolutionär an, wie vielleicht vor 250 Jahren. Mir stellt sich sofort eine zusätzliche Frage: und dann? Wie gelingt es denen, die sich gefunden haben, sich spürbar für Toleranz, Freiheit und Humanität einzusetzen? Darauf muss es jeweils eine Antwort geben.

(Dieser Beitrag und weitere bieten Antworten auf die Frage “warum Freimaurerei im 21. Jahrhundert”. Eine Übersicht erhalten Sie mit dem Schlagwort ‘21. Jhd.’)

[Foto: Karl-Heinz Laube, Pixelio]

Freimaurerei ist…

Samstag, April 18th, 2015

Freimaurerei ist eine von Menschen für Menschen geschaffene Verwirklichung einer Idee: Sich selbst und den Mitmenschen verstehen zu lernen, ohne die Mitglieder des freimaurerischen Bundes auf ein für alle verbindliches Welt-Anschauen zu verpflichten (allen dieselbe Brille zu verordnen).

Warum heute noch Freimaurerin sein oder werden?

Freitag, April 10th, 2015

Für was eigentlich im 21. Jahrhundert Freimaurerin sein? Gute Frage und äußerst relevant! Sie war zu Beginn des letzten Jahres ein wesentlicher Beweggrund für den Start des Blogs FrauMaurer. Hier sollen Beiträgen von verschiedenen Schwestern unserer Großloge direkt und indirekt immer neue Antworten auf diese Frage geben. 
Die Frage nach der Relevanz von Freimaurerei wird jetzt im internationalen Kontext aufgeworfen.
Die Frauen-Großloge von Deutschland ist Mitglied im CLIMAF (Centre de Liaison International de la MAçonnerie Féminine), einer europäischen Plattform zum Austausch von Freimaurerinnen. Eine große Chance in diesem Grenzen überschreitenden Zusammentreffen ist das Kennenlernen der anderen Perspektiven über Themen, die ausgerufen werden und zu denen die Freimaurerinnen in den verschiedenen Ländern Beiträge einreichen können. Bei einem gemeinsamen Kolloquium werden diese Beiträge vorgestellt und diskutiert. Für das Treffen im Sommer 2016 in Brüssel wurde jetzt die Frage gestellt: Warum bzw. für was Freimaurerei im 21. Jahrhundert?
Mich persönlich treibt diese Frage sehr um und so hoffe ich, dass insgesamt viel dazu erarbeitet wird! Und ich freue mich schon sehr auf die Beiträge, von denen wir vermutlich auch an dieser Stelle den einen oder anderen veröffentlichen werden. 

Wenn Freimaurerei im Wesen des Menschen gründet …

Montag, April 6th, 2015

Wenn Freimaurerei im Wesen des Menschen gründet (Lessing), bedeutet das:
1. Freimaurerei ist etwas typisch Menschliches, und zwar
2. ein Mensch kann sich ändern, er ist nicht grundsätzlich vorherbestimmt.