Posts Tagged ‘Erkenntnis’

Kontakt mit Kotzbrocken - und wie war Ihr Tag?

Dienstag, Dezember 13th, 2016

Kotzbrocken

Für Menschen, die sich in unangemessener Weise äußern, gerne auch ohne jede Wertschätzung, habe ich als Kind das Wort “Kotzbrocken” gelernt. Gerade ist mir so einer begegnet. Jetzt frage ich mich, wie ich als Erwachsene und Freimaurerin in angemessener Form mit diesem Phänomen umgehe? Natürlich kommt es darauf an, in welchem Zusammenhang, in welcher sozialen Situation diese Begegnung stattfindet. Verpassen wir der Begegnung das Etikett “privat”. Mei erster Impuls folgt dem Motto “wie man in den Wald hineinruft, schallt es heraus”. Dementsprechend könnte ich mich, ohne mich jedoch selbst im Ton zu vergreifen, freundlich bestimmt zurückziehen. Hätte ich dem Kotzbrocken damit den Spiegel vorgehalten? Vielleicht würde er eine Verbindung zu seinem Verhalten erkennen, vielleicht auch nicht. Als Freimaurerin ist mir sehr bewusst, dass ich nur mich selbst verändern kann und niemanden sonst. Bedeutet das, dass ich mein Ego kontrollieren muss, dem Impuls, die Brocken hinzuschmeißen widerstehe und einfach mein Ding weitermache? Letztlich kommt es eben auch noch darauf an, worum es geht. In diesem Fall geht es um eine Unternehmung, an der viele Menschen engagiert beteiligt sind. Es bleibt eine Abwägungsfrage. Dass der Kotzbrocken mit seinem Verhalten womöglich durchkommt, daran hat mein Ego noch gewaltig zu knabbern.

(Foto: Christopher Paul / pixelio.de)

Kleiner Anruf mit großer Wirkung

Dienstag, September 13th, 2016


Namika: Lieblingsmensch

Ich bin jetzt gerade, in diesem Moment, total gerührt. Soeben hat mich meine beste Freundin angerufen, die ich schon seit der Schulzeit kenne. Sie war auf dem Heimweg von der Arbeit und hörte im Autoradio das Lied vom Lieblingsmenschen, sagte sie. Da musste sie mich einfach anrufen, weil ihr mal wieder aufgegangen sei, dass ich das bin - ihr Lieblingsmensch! Ich stecke gerade in einer unangenehmen Pflichtarbeit, die gar keinen Spaß macht. Und jetzt fühl ich mich so beflügelt, so reich, so wichtig, so beschenkt, dass ich fast weinen muss. Wie wunderbar!

Gewandelte Arbeitswelt. Freimaurerei im 21. Jahrhundert

Dienstag, März 29th, 2016


Was ist charakteristisch für unser noch junges Jahrhundert? Und wie passt das mit Freimaurerei zusammen? Nach Beiträgen über die Kapitulation vor der Komplexität und die Digitalisierung folgt heute im dritten Teil ein Blick auf die gewandelte Arbeitswelt.

Wandel der Arbeitswelt
Unternehmen fordern heute eine sehr hohe Flexibilität von einem Großteil ihrer Belegschaft, nicht mehr nur von wenigen Führungskräften. Eine zumindest gefühlt ständige Verfügbarkeit, ein häufiger Wechsel der Arbeitsorte und eine hohe kontinuierliche Arbeitsbelastung durch andauernde Effizienzsteigerungsprogramme werden in Kauf genommen, wer aussteigt, wird rasch ersetzt, Bewerber gibt es genug. Ein fester und sicherer Arbeitsplatz ist für viele dennoch fern. Arbeit dient nicht mehr dem Lebensunterhalt sondern tritt die Rolle einer Ersatzreligion an, sie soll Sinn stiften. Begonnen hat diese Entwicklung bereits mit der Industrialisierung, doch scheint es mir so, als gäbe es heute allein durch Beschleunigung eine neue Qualität. Die Vereinheitlichung von gesetzlichen Vorgaben, firmeninternen Regelungen, Prozessen und Standards über Ländergrenzen lassen die Gestaltungsspielräume für die Einzelne schrumpfen. Kreativität tritt in den Hintergrund, das Funktionieren im Gesamtzusammenhang eines fragilen Räderwerks in den Vordergrund.
Ich frage mich häufig, ob die werktätigen Menschen diese Entwicklung befördern oder nur nicht verhindern können? “Halb zog er sie, halb sank sie dahin” ist vielleicht auch hier zutreffend.
Freimaurerische Arbeit ermutigt zum Denken. Unweigerlich auch zum Nachdenken darüber, wie und womit wir wie viel Zeit verbringen. Nachdenken über das Leben, seine Endlichkeit und was wir mit dieser Erkenntnis anfangen wollen. Dies hat Auswirkungen auf unser ganzes Leben. Auch auf unser Arbeitsleben.
„Sei stolz darauf, dass du auserwählt bist, den Job X zu übernehmen, als die eine unter vielen!“ Demnächst wirst du also noch viel mehr Lebenszeit für deine Firma aufbringen. Kann das für eine reflektierte Freimaurerin eine Verlockung sein? Sie wird die Mechanismen (hoffentlich) durchschauen und die Argumente wohl gegeneinander abwägen. Ich liebe meine Arbeit und ich mag auch die moderne Arbeitswelt. Der dritte Fall von Burnout in meinem Arbeitsumfeld in relativ kurzer Zeit macht mich jedoch traurig. Zugleich macht er mich besonders achtsam auf meine Balance zwischen Energie verbrauchen und Energie tanken.

(Foto: Stefan Bayer, Pixelio)

Zum Jahreswechsel: Was es braucht, damit ein Vorhaben gelingt?

Dienstag, Dezember 30th, 2014

Wie jedes Mal zwischen Weihnachten und Neujahr widme ich mich der Ablage. Erst mit Widerwillen, dann, währenddessen, bin ich wieder und wieder erstaunt, was sich alles zwischen Rechnungen und sonstigen Papieren findet. Diesmal ist es ein Zettel mit der Überschrift “Viele Perspektiven sind wichtig, damit ein Vorhaben gelingen kann.” Es ist eine Gleichung, eine Addition. Das Ergebnis von sechs Summanden ist ein toller Prozess:

Vision + Kenntnisse + Anreiz + Ressourcen + Kommunikation + Vorgehen = gelungenes Vorhaben.

Doch fehlt auch nur einer der Summanden, so geht etwas schief: Fehlt die Vision, entsteht Verwirrung. Fehlen Kenntnisse oder Fertigkeiten, herrscht Missstimmung. Gibt es keinen Anreiz für eine Sache, so resultiert ein Geschwindigkeits- und Qualitätsverlust. Fehlende Ressourcen wiederum erzeugen Frustration. Zu wenig Kommunikation bringt Unsicherheiten und Zweifel. Und schließlich: ist kein konkretes Vorgehen festgelegt, so entstehen Zufallsaktivitäten. Ich habe manche Situation vor Augen und denke, an dieser einfachen Gleichung ist eine Menge dran!
Alle diese Mängel sind sachlich erfassbar und behebbar. Das, was sie erzeugen, sind Emotionen. Und die wiederum sind nicht mehr auf der Sachebene aus der Welt zu schaffen. Dabei wäre es in vielen Situationen vielleicht hilfreich, sich dem Kern zu nähern, wenn ich bei mir oder bei anderen eine der beschriebenen Emotionen wahrnehme. Ich nehme mir vor, mir diese Gleichung einzuprägen. Damit hätte ich der lästigen Ablage auch in diesem Jahr etwas Gutes abgewonnen. Auf ein glückliches Neues Jahr!

Selbsterkenntnis und Selbstvervollkommnung

Dienstag, Dezember 9th, 2014

Gedanken anlässlich der Thementage “Wir optimieren uns zu Tode” im WDR.
Die freimaurerische Idee der Selbstvervollkommnung, der Arbeit an sich selbst, bekommt heutzutage schnell einen falschen Zungenschlag. In unseren modernen Zeiten besteht durchaus die Gefahr, dass diese Idee ins Fahrwasser der zwanghaften Selbstoptimierung gerät. Die Thementage auf WDR 5 beschäftigen sich mit diesem Zwang zur Perfektionierung, die unglaublichen Stress erzeugt und viele geradezu ins Unglück stürzt.
Ich muss jung aussehen, egal wie alt ich bin; notfalls muss ich unters Messer. Ich muss den Tag effektiver angehen, damit ich noch mehr Termine und Aktivitäten in den 24 Stunden unterbringen kann. Ich muss immer glücklich und darf nie unglücklich sein, wenn doch, muss ich zum Psychologen oder brauche Pillen. Ich muss Hirnschrittmacher einnehmen und auch meinen Kindern verordnen, damit sie in der Selbstoptimierungs-welle mit schwimmen können. Ich muss innerhalb von wenigen Jahren eine steile Karriere bauen und zu den oberen Zehntausend gehören. Ich muss mich zu Extremstleistungen quälen, ob im Sport, im Beruf, im Haushalt, im eigenen Erscheinungsbild. Kurzum: Ich muss alles überall immer schneller, höher, weiter, klüger, stärker und schöner machen, sonst bin ich ein Nichts. Madonnas alter Song “I am a material girl and I live in a material world” erscheint vor diesem Hintergrund fast schon prophetisch. Das Ergebnis einen solchen Wahns sind vereinzelte Egoisten, die außer sich selbst nichts und niemanden mehr wahrnehmen, sich nur noch innerhalb ihrer überhöhten Ansprüche bewegen.
Hat das mit Selbstvervollkommnung zu tun? Ich sage: Nein, nicht im mindesten. Selbstvervollkommnung kommt von innen, nicht von außen. Wer sich vervollkommnen will, erfährt, lernt oder weiß, was in ihm steckt - und stopft keine gesellschaftlich legitimierten und forcierten Anspruchs-Schemata in sich hinein.Wer sich selbst vervollkommnen will, arbeitet mit sich und nicht gegen sich und lernt sich selbst dabei besser kennen, setzt sich nicht permanent und kurzsichtig unter Druck, sondern hält inne, wägt ab und verschafft sich durch Rück- und Vorausschau einen Überblick, um dann im Hier und Jetzt präsent sein zu können. Das kritische Hinterfragen von Mode und Möglichkeiten, Zeitgeist und Mainstream gehören auf jeden Fall dazu. Und die Einsicht, dass nicht alles, was sein KANN auch sein MUSS.

Arbeit an einem Wort

Donnerstag, November 20th, 2014

Als Freimaurerin bemühe ich mich, offen zu bleiben. Das bedeutet beispielsweise, sich nicht auf seiner Meinung auszuruhen. Natürlich habe ich eine Meinung, doch nur wenn ich bereit bin, mich auseinanderzusetzen, mit anderen zu sprechen und zu lesen, kann ich etwas dazulernen und meine Positionen weiterentwickeln. 
Ein einfaches Beispiel: Immer wieder stieß ich mich an einem Wort in einem Text, der in der Loge im Rahmen eines Wechselgesprächs in der freimaurerischen Arbeit regelmäßig gesprochen wird. Es ist ein einfaches Verb. Um welches Wort es geht, ist völlig nebensächlich und würde nur von der Sache ablenken. Irgendwann war ich diejenige, zu deren Text dieses Wort gehörte. Höchste Zeit, etwas zu tun! Ich hätte es ignorieren können, darüber hinweggehen oder unauffällig ersetzen. Ich habe mich damit auseinandergesetzt und festgestellt, dass, erstens, andere damit kein Problem haben und zweitens, dass dieses Wort von seiner Herkunft her mehrere Bedeutungen hat. Ich hatte es bislang in meinem Leben nur in einem Zusammenhang kennengelernt. Mit dem zusätzlichen Wissen war die Aversion fast augenblicklich verschwunden. Es fällt mir noch jedesmal auf, wenn ich den Satz spreche, doch freue ich mich jetzt darüber, dass ich offen genug war, meine Meinung infrage zu stellen. Der Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung wechseln kann.

Ein Weg mit Hindernissen

Donnerstag, November 6th, 2014

Ich liebe es, durch den Wald zu laufen, zu jeder Jahreszeit. Meine Beine finden ihren Weg und ihr Tempo und mit jedem Schritt fühle ich mich befreiter und mehr und mehr eins mit dem, was mich umgibt. Die Gedanken gehen auf Wanderschaft und es ergeben sich völlig neue Ideen und Sichtweisen. Derzeit lässt die Sonne die farbigen Blätter leuchten und ich genieße das Licht, die Geräusche und Gerüche des Herbstes. 
Es liegen eine Menge Blätter auf dem Weg. Mir fiel dieser Tage auf, dass mein Blick auf dem Boden blieb, um Äste und Wurzeln nicht zu übersehen, die sich unter dem Laub verbergen. Meine Gedanken konzentrierten sich auf “rennen, nicht stolpern!” Der Lauf bekam dadurch eine ganz andere Qualität.
Mir gefällt das Bild als Metapher für den Lebensweg. Natürlich muss ich in meinem Alltag bei dem sein, was ich tue. Doch wenn ich keine Gelegenheit habe, meinen Blick zu heben, weil ich ständig darauf achten muss, nicht zu straucheln, dann entgeht mir unendlich viel.
Die Gefahr, im täglichen Trott darüber zu vergessen und erst nach Monaten oder Jahren wieder aufzuwachen, ist groß. Wie schnell verrinnt doch die Zeit! Für mich ist meine Loge eine Art Versicherung, dass mir das nicht so leicht passiert. Jedes der regelmäßigen Treffen ist eine Pause in meinem Alltag. Nicht nur, weil die Handys unbeachtet in der Tasche liegen. Das Zusammentreffen ganz unterschiedlicher Frauen bringt neue Impulse, neue Themen und Ideen. Wie von selbst weitet sich mein Blick und ich nehme andere Perspektiven wahr. Das ermöglicht mir wiederum, weiter zu denken und mich weiter zu entwickeln. Dass ich dafür sehr dankbar bin, daran denke ich oft, sehr häufig, wenn ich im Wald unterwegs bin.

Ein Plädoyer für mehr Anerkennung

Montag, Oktober 6th, 2014

Im Alltag hatte ich gerade Gelegenheit zu beobachten, was mit Menschen passiert, denen jede Form von Anerkennung verweigert wird. Aus motivierten, engagierten Menschen wurden teils frustrierte Häufchen Elend, teils unausstehliche Meckerer. Während ich mich noch wunderte, gingen meine Gedanken auf Wanderschaft. Wir Menschen sind soziale Wesen und brauchen alle Anerkennung in irgendeiner Form. Vor allem dort, wo wir etwas tun, das uns wichtig ist. Vor allem wohl auch von den Menschen, die uns wichtig sind oder die wir für relevant halten. Wie so oft wandern meine Gedanken weiter in die Loge. Hier kommen wir zusammen ganz losgelöst von unserer Funktion in der Welt. Hier gilt ganz ausdrücklich nur das Ansehen, das wir uns durch unsere Lebenshaltung und unsere Arbeit in der Loge erwerben. Ich frage mich, wie es hier um die Anerkennung steht. Weiß ich, wer von meinen Schwestern sie gerade besonders dringend braucht? Spreche ich meine Anerkennung für das, was andere tun häufig genug aus? Wohl nicht. Aber woher sollen andere wissen, was ich denke? Erwarte ich, dass sie schon wissen werden, dass sie meiner Anerkennung gewiss sein können? Vielleicht halte ich meine Anerkennung für das, was sie tun auch für irrelevant? Wer bin ich, dass ich ihr Tun würdigen darf? Ist das nicht eine Form von Urteil und wollte ich mich damit nicht zurückhalten? Mein Nachdenken bringt mich zu dem Schluss, dass ich hier mehr tun kann und sollte. Wir brauchen Anerkennung und ich habe viel Anerkennung für meine Schwestern! Ich werde es ihnen häufiger sagen, ganz ohne in Lobhudelei zu verfallen. Wenn es für sie irrelevant ist, dann werden sie es einfach überhören. Und wenn es ankommt, dann werde ich froh sein, dass es mir aufgefallen ist. Dem manches Mal harten Alltag sei Dank!

Von Logik und Sturheit oder: Nicht alles ist so, wie es auf den ersten Blick erscheint

Samstag, Juni 14th, 2014

Wir haben uns beim Gästeabend im Logenhaus kürzlich mit dem Thema Logik beschäftigt - und mit den vielen kleinen Fallen, in die wir tappen, weil unser Gehirn darauf programmiert ist, dass wir uns selbst möglichst schnell und effektiv die Welt erklären. Simples Beispiel: “Die meisten Menschen sterben im Bett. Also ist das Bett ein sehr gefährlicher Ort.” Jeder kann das durchschauen und herzlich lachen. In komplexeren, weniger alltäglichen Zusammenhängen sind verquere Schlussfolgerungen aber nicht so offensichtlich. Mir ist das sehr deutlich geworden anhand einer simplen mathematischen Frage: “Ein Ball und ein Schläger kosten zusammen 11,10 Euro. Der Schläger ist 10 Euro teurer als der Ball. Was kostet der Ball?“ Ich habe geantwortet, was die meisten antworten: „Der Schläger kostet 10 Euro und der Ball 1,10 Euro.“
Das stimmt aber nicht! Wenn der Schläger 10 Euro kostet und der Ball 1,10, liegt der Preisunterschied nämlich bei 8,90 Euro und nicht bei 10 Euro.
Einfache und auf den ersten Blick einleuchtende Lösungen können falsch sein, sowohl in der Mathematik als auch in zwischenmenschlichen, historischen und soziologischen Zusammenhängen. Diese Erkenntnis ist wichtig, damit wir nicht in Versuchung geraten, das vermeintlich Naheliegende zu verabsolutieren. Stattdessen sollten wir sorgfältig prüfen und uns um die Veränderung unserer Denkungsart, Haltung und Herangehensweise an Problemstellungen bemühen. Zur Arbeit am rauen Stein, zur Schärfung unserer Werkzeuge, zur Planung und Zeichnung des großen Baus gehört auch die Ausbildung des Intellekts, der Kognition, der Fähigkeit zur Differenzierung.
Ich habe eine Bekannte, die angesichts der Rechenaufgabe immer nur empört wiederholte: „10 plus 1,10 macht 11,10! Basta!“ Sie wurde richtig wütend und verlangte: „Hört auf, mir was anderes weismachen zu wollen, lasst mich in Ruhe!“ Was ich dann auch tat – meinerseits erschrocken über so viel Vehemenz und Widerstand. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich gelernt habe, mich auf Denkmodelle und verschiedenste Ansätze einzulassen und es nicht mehr nötig habe, mich so stur an einem offensichtlichen Fehlschluss festzubeißen.

Logengemeinschaft

Mittwoch, Mai 14th, 2014

Die Mitglieder einer Loge bilden eine Gemeinschaft. Sie kommen mehrmals im Monat zu Veranstaltungen zusammen. Das regelmäßige Treffen, die vielen gemeinsamen Erlebnisse und Gespräche, kurz oder intensiv, lassen über die Zeit eine Verbindung zwischen den Mitgliedern der Gemeinschaft entstehen. Diese kann sehr verschieden sein, in Qualität und Intensität. Auch Freundschaften sind möglich.
Die Mitgliedschaft in einer Loge ist auf Dauer angelegt. Selbstverständlich kann jede Frau die Loge wieder verlassen, in dieser Hinsicht sind Freimaurerlogen Vereine mit einer Satzung, die Eintritt und Austritt regelt. Aber in der Regel bleiben Freimaurerinnen Mitglied ihrer Loge. 
Jüngst hat überraschend eine Schwester meiner Loge darüber nachgedacht, die Loge zu verlassen. Jahrzehnte war sie aktiv, hat sich engagiert und war mit ihrer Erfahrung eine geschätzte Ratgeberin. Die Gründe, die sie überlegen ließen zu gehen, kann ich alle nachvollziehen. Das Leben verändert sich über die Jahre und auch die äußeren Rahmenbedingungen, die wir nun einmal akzeptieren müssen, verändern sich. Wir sind sicher klug beraten, wenn wir regelmäßig prüfen, ob unsere Lebensweise noch zu unseren Lebensumständen passt oder ob wir an der einen oder anderen Stelle etwas verändern sollten, vielleicht auch uns von etwas lieb Gewordenem trennen, damit die Balance stimmt. 
Drei Gedanken haben mich lange beschäftigt:
1. Ich staune, dass diese Frau, der die Freimaurerei sehr viel bedeutet, dabei ist, sich zu diesem Schritt durchzuringen. Und ich komme ins Grübeln: wird es bei mir auch eines Tages so sein? Das war bislang unvorstellbar. 
2. Ich spüre, dass die persönliche Entscheidung einer Einzelnen Zweifel in mir auslöst. Gibt es Gründe hinter den Gründen? Wenn ja, geht es mich nichts an, ich kann einem Menschen nur vor den Kopf sehen und das hören, was er mir sagt. Habe ich mich nicht genug bemüht? Man kann immer mehr tun. Werde ich es schaffen, mich in Zukunft mehr zu bemühen? Ich nehme meinen Weg fest in den Blick und bin sicher: Richtungsentscheidungen anderer, die ihren eigenen Weg betreffen, bringen mich nicht von meinem ab.
3. Ich fühle mich verlassen. Mir wird bewusst, wie wichtig mir dieser Mensch ist. Dass ich auf sie nicht verzichten möchte, sie um mich haben möchte, dabei haben möchte. Verlust ist jedoch genau das, was wir unser Leben lang lernen müssen.
Zum Glück ist sie letztlich geblieben - und ich habe eine Menge an Erkenntnissen gewonnen.