Posts Tagged ‘Entwicklung’

Von Lichteinbringungen und Hochzeiten

Montag, April 25th, 2016

weimartorte
Die Installation einer neuen Loge ist ein wunderbares Fest. Die Beteiligten geben sich mit der Vorbereitung viel Mühe und blicken dem Tag voller Vorfreude und auch mit einer gewissen Anspannung entgegen. Alles ist festlich geschmückt, überall strahlende Gesichter, es gibt gute Wünsche, schöne Ansprachen und Geschenke. Fast wie auf einer Hochzeit. Und noch etwas ist ähnlich: Nach dem Fest beginnt der Alltag. Plötzlich konzentriert sich die Aufmerksamkeit der Einzelnen nicht mehr nur auf die Loge. Es gibt Interessenkonflikte, unterschiedliche Ansichten und individuell verschiedene Möglichkeiten. Dann beginnt die Arbeit! Ob sie gelingt, hängt auch davon ab, ob wir in der Lage sind, Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu lösen. Los geht es schon mit der Einsicht, dass Konflikte überall entstehen, wo Menschen zusammen sind. Sie sind sogar notwendig für Entwicklung. Schlimm werden sie erst, wenn sie eskalieren. Dass sie dies nicht tun, dafür tragen alle Verantwortung. Und auch das ist dann wieder wie in einer Ehe.

Was hat mir die Freimaurerei „gebracht“? Ein persönlicher Rückblick

Freitag, Februar 27th, 2015

Was hat mir die Freimaurerei gebracht?

Wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückblicke, kann ich aus vollem Herzen sagen: Ich bin glücklich darüber, dass ich mich entschieden habe, Freimaurerin zu werden. Die Arbeit mit Symbolen, das Philosophieren über grundlegende ethische Fragen, die rituellen Zusammenkünfte, die Auseinandersetzung mit Sichtweisen, die mir bis dahin fremd waren, haben im Laufe der Zeit mein Leben verändert. Ich habe gelernt, wie ich in verschiedenen Situationen “ticke” und was daran ausbaufähig oder veränderungswürdig ist. Ich habe gelernt und lerne immer wieder und immer noch, dass meine ganz persönliche Sicht nicht gleich der Weisheit letzter Schluss ist. Ich habe erlebt, dass es möglich ist, mit unterschiedlichen Menschen, die völlig verschiedene Erfahrungen, Fähigkeiten und Wissensschätze mitbringen, konstruktiv zusammen zu arbeiten. Ich habe gelernt, gemeinsam mit meinen Schwestern, Regeln und Strukturen zu schaffen, mit ihnen und an ihnen zu wachsen und sie gemäß den immer wieder neuen Anforderungen auch moderat zu verändern. Ich habe gelernt, meine Grenzen anders zu ziehen - sie sind bei manchen Themen sehr viel weiter, bei anderen durchaus auch enger geworden. (Ich gestehe anderen viel mehr Individualität und Anderssein zu als früher, aber ich gehe sorgfältiger mit meiner Zeit um und verschwende sie nicht mehr für etwas, was ich im Grunde gar nicht will.) Ich erlebe die Loge als einen Schutzraum und als Experimentierfeld, als Arbeits- und Übungsstätte und als Erholungsort, als intellektuelle und emotionale Bereicherung und Herausforderung, als Trainingsort für Toleranz und Redlichkeit, für Mitmenschlichkeit und geistige Klarheit, für Tradition und Fortschritt. Ich will das alles in meinem Leben nicht mehr missen. Und das besonders Schöne ist: All die “Einsichten”, die ich gewonnen habe, hat mir keiner eingetrichert, hat mich niemand schulmeisterlich gelehrt. Die Veränderungen in Verhalten und Lebensstil, Denkungsart und Haltung, zu denen ich mich entschlossen und die ich geübt und ausgebaut habe, hat mir niemand als Gebot oder Pflicht auferlegt. Ich habe sie mir in der Gemeinschaft mit anderen, im aktiven, wertschätzenden und auch reibungsvollen Miteinander ganz allmählich und ganz in meinem Tempo erschließen können. Dafür bin ich mehr als dankbar. Auch heute, 16 Jahre nach meiner Aufnahme, habe ich noch so viel zu tun, so viel Neues zu entdecken, so viel dazu zu lernen. Das hält mich auf wunderbar spannende und anregende Weise wach und lebendig.

Achtung: Komfortzone Loge

Sonntag, Januar 25th, 2015

Achtung: Komfortzone Loge!Komfortzone - ich bin nicht sicher, ob ich das Wort mag. Was mir jedoch gefällt, ist sein sprechender Charakter. Es ist sofort klar, was damit gemeint ist: Wer sich in seiner Komfortzone befindet, der fühlt sich sicher und wohl und kann aus dieser Position sicher agieren. Klar ist aber auch: so lange ich mich dort befinde, bleibt alles, wie es ist. In meiner Loge, im Kreise meiner Schwestern, fühle ich mich wohl. Und schon befinde ich mich mitten in einem Dilemma: Als Freimaurerin möchte ich mich doch entwickeln. Die Loge soll dabei ein Übungsfeld sein, meine Werkstatt, um die gewonnenen Erkenntnisse umzusetzen. Es kommt darauf an, sich nicht zu bequem einzurichten: Es gibt auch und gerade in der Loge reichlich Möglichkeiten, die eigene Komfortzone zu erweitern. In der Loge gibt es eine Menge Aufgaben zu erledigen, einige davon sind in sogenannten “Ämtern” fest verteilt. Warum also nicht mal ein Amt übernehmen, das herausfordernd erscheint? Oder einen Vortrag anbieten, bei dem man sich das Thema erst erarbeiten muss? Oder an anderer Stelle engagieren, wo es einen nicht spontan hinzieht? Durch neue Schwestern verändert sich die Loge kontinuierlich, auch das hilft, sich nicht zu sehr in seine Komfortzone zurückzuziehen. Auch das Besuchen anderer Logen bringt die Art von Impulsen, die eine Entwicklung unterstützen. Was nicht passieren sollte: Dass wir unwirsch reagieren, wenn etwas oder jemand uns aus der gemütlichen Ecke herauslockt! Dafür sind wir nicht Freimaurerinnen geworden. Und sich zu sehr einzurichten, das tut am Ende auch der gesamten Gruppe nicht gut!

Novembergedanken im Oktober

Donnerstag, Oktober 2nd, 2014

Mir ist, als wäre in diesem Jahr alles ein wenig früher dran als üblich und so kreisen meine Gedanken bereits jetzt im Oktober um Abschied, Ende und Neubeginn. Meist geschieht das erst im November, wenn die Natur für den Winter erstarrt.
Abschiede tun weh, sie hinterlassen Hypotheken, Aufträge, Fragen und eine große sichtbare Lücke. Kann sie geschlossen werden? Nein, jedenfalls nicht 1:1. Die Kombination war einzigartig, die gibt es so nicht mehr. Also muss etwas Neues kommen. Wie in der Natur. Ich denke an eine Lichtung im Wald, entstanden durch einen schweren Sturm vor etlichen Jahren, der mehrere mächtige alte Bäume wie Strohälme umgeknickt hatte. Andere, kleinere Bäume haben sich weiterentwickelt, sind gewachsen und haben die Lücken gefüllt. Dem Spaziergänger fällt diese Stelle heute kaum auf. Nur mir, da ich die alten starken Bäume gekannt und gemocht habe und seit langer Zeit bewusst auf diese Stelle schaue. Mir gefällt das Bild. So werden wir es auch halten. Manche wird sich jetzt beschleunigt weiterentwickeln, Licht und Luft sind ihr gegeben. So werden wir gemeinsam etwas Neues schaffen und die Lücke nach und nach schließen. Und wenn wir es recht verstehen, werden wir uns erfreuen an dem, was ist und wird - und zugleich niemals vergessen, auf welchem Grund es steht.

Die lange Nacht des Blitzmarathons

Mittwoch, September 24th, 2014

Oder: Wie weit geht die Erregungsspirale?
Ich haben offenbar eine sehr hohe Reizschwelle. Die Stadt scheint davon auszugehen, dass ich nicht zu den normalen Öffnungszeiten ins Museum komme und bietet mir daher „die lange Nacht der Museen.“ Auch Unternehmen veranstalten zunehmend weniger „Tage der offenen Tür“, sondern lieber eine „lange Nacht der Industrie.“ Doch es müssen nicht immer lange Nächte sein, das Prinzip der Eventisierung funktioniert auch in ganz anderem Zusammenhang: So begnügt sich die Polizei nicht mehr mit normalen Geschwindigkeitsmessungen hier und dort, sondern veranstaltet einen „Blitzmarathon.“ Bei mir löst das, vielleicht allein wegen „langer Nacht“ und „Marathon“ reflexartig Erschöpfung aus. Ich frage mich, was das soll? Welche Steigerungen sind hier noch möglich? Und wohin führt das?
Welchen Einfluss wird diese Art der Eventisierung auf die Logen haben? Das unaufdringliche Angebot öffentlicher Diskussionsabende klingt verstaubt, ist mir jedoch eben wegen der leisen Töne sympathisch. Aber vielleicht gibt es demnächst eine „lange Nacht der Selbsterkenntnis“ oder einen „Marathon der Arbeit am rauen Stein“? Ob das nachhaltig interessierte Frauen in die Logen führt?

Einfach mal was anderes

Mittwoch, September 3rd, 2014

Die Sommerferien sind zu Ende, die Schule hat angefangen und ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Schon häufiger ist es mir aufgefallen, dass der Nachwuchs durch Veränderungen im Alltag, die z.B. eine Urlaubsreise oder natürlich eine neue Schule mit sich bringen, ganz erstaunliche Entwicklungssprünge macht. 
Das wird bei uns Erwachsenen nicht anders sein, auch wir entwickeln uns, wenn wir neue Dinge tun oder Gewohntes anders angehen. Nur, dass wir uns vielleicht nicht bereitwillig genug aus unserer Komfortzone herausbewegen, Gelegenheiten zur Veränderung nicht ergreifen und so unsere eigene Weiterentwicklung quasi behindern. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen, ich rufe Sie nicht auf dringend am Ice Bucket Challenge teilzunehmen, aber wie wäre es mit etwas anderem, das Sie sonst nicht tun? Erlauben Sie sich neue Gedanken, Veränderung, Weiterentwicklung!

Jenseits von Gut und Böse

Samstag, Mai 24th, 2014

Wir Menschen neigen dazu, die Welt in “gut” und “böse” aufzuteilen. Das führt immer wieder zu schier unlösbaren Konflikten - in Kleingruppen (auch in unseren Logen!) genauso wie im Weltgeschehen. Wer “ich bin gut”, aber “du bist böse” denkt und denjenigen, die anders sind, gleich Böses unterstellt oder gar zum Bösen schlechthin abstempelt, wer nur die eigenen, vertrauten Wertmaßstäbe für gut, aber die der anderen, die fremd und unvertraut sind, für böse hält und dieses Urteil absolut setzt, baut Feindbilder auf, trägt zur Verfestigung dieser Feindbilder bei und verhindert dadurch Kommunikation und die Entwicklung angemessener Lösungsstrategien für Konflikte. Wer aber die kategorische Aufteilung in “gut” und “böse überwindet, von der Emotion zur Analyse kommt und nach Erklärungen für unterschiedliche Denk- und Verhaltensweisen sucht, trägt zur Entschärfung von Konflikten bei und ermöglicht Kommunikation, Verständigung und Verständnis. Ich freue mich über jede Schwester und jede Loge, die sich diesen Zusammenhang bewusst macht und sich - in und außerhalb von Konfliktfällen - damit beschäftigt. 

Entwicklung und Wachstum

Montag, Januar 20th, 2014

Was denken Sie, wenn Sie diese beiden Worte lesen? Entwicklung, Wachstum. Wir leben in einer Gesellschaft, die auf Wachstum gründet. Ohne wirtschaftliches Wachstum sähe unsere Gesellschaft anders aus. Entwicklung ist in diesem Zusammenhang der Motor, der weiteres Wachstum anschiebt. Von klein auf werden wir vorbereitet, Teil dieses Spiels um “höher, schneller, weiter, mehr” zu werden. Wenn ich im Büro sitze, bedeutet “Entwicklung” entweder Ausbau von Geschäft oder persönliches Fortkommen. Beides dreht sich um MEHR - entweder mehr Geschäft oder mehr Verantwortung, sicher aber mehr Geld. 
Da wundert es nicht, dass Gäste, die in unsere Logen kommen, sich mitunter schwer tun mit der Freimaurerei: Sie arbeiten in drei Graden? Aha, also gilt es, den dritten (höher, weiter, mehr!) zu erreichen! Der Gedanke liegt nahe, schließlich beurteilen wir neue Gegebenheiten auf dem Fundament unserer bisherigen Erfahrungen. Doch die Freimaurerei funktioniert anders. 
Die drei Grade Lehrling, Gesellin, Meisterin stellen eine schrittweise Einführung in die Freimaurerei dar. In der Loge dürfen, nein sollen wir uns die Zeit nehmen, uns auf Inhalte zu konzentrieren. So haben wir die Chance, sie uns langsam zu erschließen. Die Grade sind ein Zeichen, wie lange ich mich schon um die freimaurerischen Inhalte bemühe und wie viele Erfahrungen ich schon gesammelt habe. Damit bietet die Freimaurerei im Wortsinne “Nicht-alltägliche-Erfahrungen” und ermöglicht Entwicklung und Wachstum auf einer sehr persönlichen menschlichen Ebene.