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Jenseits von Gut und Böse

Samstag, Mai 24th, 2014

Wir Menschen neigen dazu, die Welt in “gut” und “böse” aufzuteilen. Das führt immer wieder zu schier unlösbaren Konflikten - in Kleingruppen (auch in unseren Logen!) genauso wie im Weltgeschehen. Wer “ich bin gut”, aber “du bist böse” denkt und denjenigen, die anders sind, gleich Böses unterstellt oder gar zum Bösen schlechthin abstempelt, wer nur die eigenen, vertrauten Wertmaßstäbe für gut, aber die der anderen, die fremd und unvertraut sind, für böse hält und dieses Urteil absolut setzt, baut Feindbilder auf, trägt zur Verfestigung dieser Feindbilder bei und verhindert dadurch Kommunikation und die Entwicklung angemessener Lösungsstrategien für Konflikte. Wer aber die kategorische Aufteilung in “gut” und “böse überwindet, von der Emotion zur Analyse kommt und nach Erklärungen für unterschiedliche Denk- und Verhaltensweisen sucht, trägt zur Entschärfung von Konflikten bei und ermöglicht Kommunikation, Verständigung und Verständnis. Ich freue mich über jede Schwester und jede Loge, die sich diesen Zusammenhang bewusst macht und sich - in und außerhalb von Konfliktfällen - damit beschäftigt. 

Das Böse

Samstag, Februar 22nd, 2014

Vor Kurzem habe ich mich damit beschäftigt, wie das mit der bösen Seite in uns ist. Ich meine hier weder das in Religionen meist als Gegenspieler eines Gottes personifizierte Übel und auch nicht die Taten offensichtlich psychisch schwer geschädigter Menschen, von denen wir uns auch gerne in Krimis schocken lassen. Es gibt inzwischen viele wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass ganz normale Menschen unter spezifischen Umständen zu furchtbaren Handlungen in der Lage sind. Genau dieser Sachverhalt liegt so vielen schrecklichen Taten gegenüber anderen Menschen zugrunde.
Zimbardo, einer der bekanntesten Psychologen der sich mit dem Thema beschäftigt hat schlussfolgerte aus seinen Experimenten, dass weniger die individuelle Veranlagung als vielmehr die Dynamik einer Situation Menschen zu Tätern werden lässt. Für den Einfluss solcher situativen Faktoren beim Luzifer-Effekt hat auch Zimbardo in eigenen Experimenten Belege gefunden.
Folgende Faktoren kann man immer wieder finden:
1.Tötungsmoral – das Töten wird als moralische Handlung erlebt
2.Bedrohungsfantasie
3.Entmenschlichung
4.Konformität
5.Bestätigung durch Wiederholung
 ”Diese Übergriffe der Soldaten oder Wächter passieren nicht, wenn es eine starke Führung gibt - eine klare, transparente Autorität, die das Zufügen von Leid mit Regeln verbietet.” Nach den Schwächen des Systems, das den ‘Luzifer-Effekt’ herbeiführt, hätte man vorher nie gefragt, denn: “Das System ist, wo die Macht ist - militärisch, politisch, gesetzlich, wirtschaftlich.”
 Die Erkenntnisse Zimbardos befreien Individuen keineswegs von der Verantwortung ihres Handelns: “Aber wenn es klar ist, dass eine Situation ihren freien Willen eingeschränkt hat, dann sind sie nicht allein dafür verantwortlich zu machen. Dann stellt sich die Frage: Wer hat die Situation geschaffen?”
 
Was hat das denn jetzt mit Freimaurerei zu tun? 
Für mich ist die Loge ein wunderbarer Ort zu lernen, dass eine von Menschen geschaffene Struktur, keine solche Macht über mich bekommen sollte, dass ich meine menschliche Seite ausblende. Ich lerne, dass die Schwester, die etwas anderes als ich selbst möchte, nicht mein Feind ist.
Ausserdem gibt mir die Loge innerlichen Rückhalt, mich nicht einfach einer Obrigkeit zu unterwerfen, die mir Gehorsam und das auch noch gegen andere Menschen abverlangt.
Es gilt, mit Geist und Verstand zu leben und Regeln, Pflichterfüllung, Mitgefühl, Liebe zu erfahren und diese gegen unsere Affekte setzen zu lernen und unsererseits Menschlichkeit weiterzugeben.
Unübertroffen sagt Carl Zuckmayer: Unrecht schafft man aus der Welt, indem man es nicht weitergibt.