Warum mir bei #verafake das Herz aufgeht

Mai 19th, 2016

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Ich mag es überhaupt nicht, wenn Menschen inszeniert vorgeführt werden um sie der Lächerlichkeit preiszugeben. Entsprechende Fernsehformate strafe ich durch Nicht-Einschalten und denke dabei: Wenn das die Konsequenz vieler wäre, dann wäre ein bestimmter Typ von “Unterhaltungssendungen” bald abgesetzt. Beim Mittagessen im Kollegenkreis kommen diese Formate häufiger zur Sprache und ich muss zur Kenntnis nehmen, dass manche doch ganz gerne mal einschalten. Meine Kommentare (”diesen menschenverachtenden Mist gucke ich nicht”) finden Zustimmung, weitergeschaut wird dennoch. 
Das Neo Magazin Royale hat nun in der vergangenen Woche durch Einschleusen zweier Schauspieler als Kandidaten die Praktiken hinter den Kulissen von “Schwiegertochter gesucht” (#verafake) meisterhaft entlarvt. Großartig! Als Freimaurerin bin ich besonders aufmerksam, wenn es um die Gleichheit der Menschen in Würde und Rechten geht und das sollte in einem freiheitlich demokratischen Land eigentlich jeder sein.
Ich freue mich jedenfalls über den gelungenen Coup und hoffe auf möglichst weite Verbreitung einerseits und andererseits auf aufgeklärte Zuschauer, die ihre Konsequenzen ziehen.

Zum Video geht’s hier:
Neo Magazin Royale #verafake

Wahrheitspresse contra Lügenpresse? Die neue Form der Mediengläubigkeit ist hochgefährlich

April 29th, 2016

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„Lügenpresse“ – dieses Wort lese und höre ich in letzter Zeit oft. Offenbar meinen viele Menschen, dass die Medien in Deutschland lügen. Wenn ich genauer nachfrage, stellt sich meist heraus, dass demjenigen, der den Vorwurf erhebt, die Schlagzeile, der Artikel, der Film, der Tenor des Beitrags missfällt, weil er nicht ins eigene Weltbild passt, weil er nicht die eigene Meinung stützt. „Die sollen die Wahrheit schreiben und zeigen“ – so die Forderung. (Seltsamerweise glauben etliche dieser „Medienkritiker“ andererseits sehr schnell und ungeprüft den nachgewiesenermaßen erlogenen Geschichten von menschenfressenden Ukrainern, Streichelzoo-Ziegen verspeisenden Syrern und kreativ herbei-fantasierten Brutalo-Massenvergewaltigungen aus dubiosen Quellen und unseriösen Blogs.)
Zur Medienkompetenz gehört das Wissen darum, dass es DIE eine und einzige Wahrheit nicht gibt. Zeitungen, ein Fernsehsender, ein Wochenmagazin und die Journalistinnen oder Journalisten, die für sie arbeiten, sind nicht im Besitz der Wahrheit – und waren es nie. Sie informieren, unterhalten, kommentieren, überspitzen und interpretieren jeweils nach bestem Wissen und Gewissen und im Rahmen des Presserechts. Bei Verstößen dagegen können sie belangt werden. Es gibt konservative und progressive Medien, linke und rechte, freche und brave, ernste und satirische, und dazwischen jede Menge Abstufungen, Bunt- und Grautöne. (Randbemerkung: Die meisten halten sich ans Presserecht. Im Gegensatz zu etlichen anonym auftretenden Skandalnudeln und bis vor kurzem noch unbekannte Hetzbloggern, die teils nicht mal Grammatik und Rechtschreibung beherrschen.)
Verschiedene Medien beleuchten Problemfelder aus unterschiedlichen Blickwinkeln – mal plakativ, mal differenziert, mal zynisch mal sachlich. Aber sie geben uns nicht DIE Wahrheit. Denn – noch mal! - DIE Wahrheit gibt es nicht. Auch wenn sich viele das wünschen würden. Dass einer (!) die eine (!) Wahrheit verkünden möge, ist ein unerfüllbarer Anspruch. Wir müssen stets selber nachdenken, kritisch prüfen, vergleichend lesen, abwägen und diskutieren – am besten mit Andersdenkenden. Das übrigens tun wir Freimaurerinnen in unseren Logen auch - in Vorträgen mit anschließendem Austausch, bei Gästeabenden und internen Treffen, beim Bearbeiten aktueller Themen, in diesem Blog, der unterschiedlichste Betrachtungsweisen, Gedanken und Meinungen präsentiert.
Wir dürfen dabei nicht Behauptungen mit Fakten, nicht Meinungen mit Tatsachen, nicht Teil-Informationen mit der Gesamtwirklichkeit, nicht Prognosen und Statistiken mit Realität verwechseln. Und müssen damit rechnen, dass wir trotz sehr genauer Prüfung aller Inhalte dennoch nicht automatisch zu derselben Sichtweise kommen. Wer Medien (welcher Couleur auch immer) für die neuen Wahrheitsverkünder der Postpostmoderne hält oder dazu machen will, wer meint, dass Medien Wahrheitsverkünder sein könnten (und müssen), wenn sie doch bloß endlich nicht mehr lügen würden, offenbart damit, dass er seine Mediengläubigkeit nicht abgelegt hat. Und er bekennt sich zur Meinungsdiktatur und Gleichschaltung der Medien im Sinne der eigenen Ideologie, der eigenen Wahrheit. Wahrheitspresse contra Lügenpresse. Was dabei herauskäme? Absolutheitsanspruch, Regierungsfernsehen a la Putin und Erdogan. Staatsbosse mit Macht über Medien definieren nämlich recht genau, welche Lügen Wahrheit sind – und lassen selbstverständlich nur die Wahrheit drucken und verkünden. Zensur nennt man das. Weder in Russland noch in der Türkei können Medien so kritisch über die Regierung berichten wie in Deutschland. Seltsam, dass ausgerechnet hier, in einem Land, in dem die Pressefreiheit und die Unabhängigkeit der Medien eins der höchsten Güter und die seriöse Medienlandschaft sehr vielfältig ist, plötzlich wieder lauthals Gleichschaltung propagiert wird. Ich kann nur hoffen, dass diese Propagandisten in der Minderheit bleiben. Ich als Freimaurerin setze mich dafür ein, dass es niemals eine “Wahrheitspresse” geben wird, sondern weiterhin eine freie Presse.

Von Lichteinbringungen und Hochzeiten

April 25th, 2016

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Die Installation einer neuen Loge ist ein wunderbares Fest. Die Beteiligten geben sich mit der Vorbereitung viel Mühe und blicken dem Tag voller Vorfreude und auch mit einer gewissen Anspannung entgegen. Alles ist festlich geschmückt, überall strahlende Gesichter, es gibt gute Wünsche, schöne Ansprachen und Geschenke. Fast wie auf einer Hochzeit. Und noch etwas ist ähnlich: Nach dem Fest beginnt der Alltag. Plötzlich konzentriert sich die Aufmerksamkeit der Einzelnen nicht mehr nur auf die Loge. Es gibt Interessenkonflikte, unterschiedliche Ansichten und individuell verschiedene Möglichkeiten. Dann beginnt die Arbeit! Ob sie gelingt, hängt auch davon ab, ob wir in der Lage sind, Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu lösen. Los geht es schon mit der Einsicht, dass Konflikte überall entstehen, wo Menschen zusammen sind. Sie sind sogar notwendig für Entwicklung. Schlimm werden sie erst, wenn sie eskalieren. Dass sie dies nicht tun, dafür tragen alle Verantwortung. Und auch das ist dann wieder wie in einer Ehe.

Gewandelte Arbeitswelt. Freimaurerei im 21. Jahrhundert

März 29th, 2016


Was ist charakteristisch für unser noch junges Jahrhundert? Und wie passt das mit Freimaurerei zusammen? Nach Beiträgen über die Kapitulation vor der Komplexität und die Digitalisierung folgt heute im dritten Teil ein Blick auf die gewandelte Arbeitswelt.

Wandel der Arbeitswelt
Unternehmen fordern heute eine sehr hohe Flexibilität von einem Großteil ihrer Belegschaft, nicht mehr nur von wenigen Führungskräften. Eine zumindest gefühlt ständige Verfügbarkeit, ein häufiger Wechsel der Arbeitsorte und eine hohe kontinuierliche Arbeitsbelastung durch andauernde Effizienzsteigerungsprogramme werden in Kauf genommen, wer aussteigt, wird rasch ersetzt, Bewerber gibt es genug. Ein fester und sicherer Arbeitsplatz ist für viele dennoch fern. Arbeit dient nicht mehr dem Lebensunterhalt sondern tritt die Rolle einer Ersatzreligion an, sie soll Sinn stiften. Begonnen hat diese Entwicklung bereits mit der Industrialisierung, doch scheint es mir so, als gäbe es heute allein durch Beschleunigung eine neue Qualität. Die Vereinheitlichung von gesetzlichen Vorgaben, firmeninternen Regelungen, Prozessen und Standards über Ländergrenzen lassen die Gestaltungsspielräume für die Einzelne schrumpfen. Kreativität tritt in den Hintergrund, das Funktionieren im Gesamtzusammenhang eines fragilen Räderwerks in den Vordergrund.
Ich frage mich häufig, ob die werktätigen Menschen diese Entwicklung befördern oder nur nicht verhindern können? “Halb zog er sie, halb sank sie dahin” ist vielleicht auch hier zutreffend.
Freimaurerische Arbeit ermutigt zum Denken. Unweigerlich auch zum Nachdenken darüber, wie und womit wir wie viel Zeit verbringen. Nachdenken über das Leben, seine Endlichkeit und was wir mit dieser Erkenntnis anfangen wollen. Dies hat Auswirkungen auf unser ganzes Leben. Auch auf unser Arbeitsleben.
„Sei stolz darauf, dass du auserwählt bist, den Job X zu übernehmen, als die eine unter vielen!“ Demnächst wirst du also noch viel mehr Lebenszeit für deine Firma aufbringen. Kann das für eine reflektierte Freimaurerin eine Verlockung sein? Sie wird die Mechanismen (hoffentlich) durchschauen und die Argumente wohl gegeneinander abwägen. Ich liebe meine Arbeit und ich mag auch die moderne Arbeitswelt. Der dritte Fall von Burnout in meinem Arbeitsumfeld in relativ kurzer Zeit macht mich jedoch traurig. Zugleich macht er mich besonders achtsam auf meine Balance zwischen Energie verbrauchen und Energie tanken.

(Foto: Stefan Bayer, Pixelio)

Alles digital? Freimaurerei im 21. Jahrhundert

März 24th, 2016

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Was ist charakteristisch für unser noch junges Jahrhundert? Und wie passt das mit Freimaurerei zusammen? In drei Beiträgen werfen wir einen Blick auf die Kapitulation vor der Komplexität, Digitalisierung und den Wandel der Arbeitswelt.

Heute Teil 2: Digitalisierung
Smartphones, Tablets und eine große Bandbreite in der Datenübertragung haben dazu geführt, dass viele Menschen heute permanent online sind. Die neuen Formen der Vernetzung bieten vielfältige individuelle und neue Möglichkeiten. Um beispielsweise mit anderen, die die gleichen Interessen teilen, in Kontakt zu sein und sich auszutauschen, muss man nicht mehr unbedingt das Haus verlassen.
Das führt u. U. zu einer Vereinzelung, der Mensch ist mit sich und seinem Gerät allein, statt mit anderen im persönlichen Gespräch. Ein Bild, das jeder kennt, sind die Restaurantbesucher, die gemeinsam am Tisch sitzen und jeweils alleine für sich in ihr Handy schauen.
Auch die Mediennutzung hat sich durch die Digitalisierung verändert. Das Fernsehen war bis vor wenigen Jahrzehnten noch Zentrum für kollektive Erlebnisse, “Straßenfeger” wurden die Sendungen genannt, vor denen sich die Mehrheit der Bevölkerung zeitgleich versammelte. Außer vielleicht bei Fußballgroßereignissen spielt das Fernsehen diese Rolle heute nicht mehr. Medien machen, also Informationen und Meinung veröffentlichen, kann technisch heute jeder. Ob jeder auch Gehör findet, ist eine andere Sache. Die Technik hat hier die Politik rasant überholt. Die Festlegungen in Rundfunkstaatsvertrag und Landesmediengesetzen bilden die Realität schlicht nicht mehr ab, die politischen Gestalter reagieren mit ständig neuen Novellen bestehender Regelungen nur noch.
Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Freimaurerei aus?
Für die Freimaurerei wirkt die Digitalisierung demokratisierend. Über das Internet können Interessierte Informationen zu Logen erhalten und Kontakt knüpfen, selbst wenn sie selbst keinen Freimaurer persönlich kennen. Das war früher viel schwieriger. Dem Ziel, vielen Frauen die Möglichkeit zur freimaurerischen Arbeit zu eröffnen, können wir so heute viel eher gerecht werden. Logen machen keine Werbung im herkömmlichen Sinne, sie wollen vielmehr gefunden werden und das ist heute leichter als jemals zuvor.
Bei unseren Treffen wiederum üben wir das aufmerksame Miteinander. Handys bleiben in der Tasche, der Alltag bleibt draußen. Gerade in einer Zeit permanenter Erreichbarkeit und Aufmerksamkeit ist dies für viele Schwestern eine Wohltat.
Die Digitalisierung ermöglicht uns zugleich neue Formen der Kommunikation. Als Beispiel möchte ich den Blog FrauMaurer erwähnen, ein Experiment, bei dem jede Schwester unseres Bundes Texte beitragen und veröffentlichen kann, in der Kür mit einer folgenden inhaltlichen Diskussion mit Leserinnen und Lesern in über die integrierte Kommentarfunktion.
Dieser Blog hat auch in anderer Hinsicht Charme. Freimaurerinnen fühlen sich der Freiheit, Toleranz, Humanität, Gleichheit und Freiheit verpflichtet - haben jedoch zu vielen Themen vollkommen unterschiedliche Meinungen. Es gibt nicht “die Haltung” zu politischen und gesellschaftlichen Sachverhalten, sofern sie über die genannten Grundprinzipien hinausgeht. Daher gibt es kaum Veröffentlichungen und Statements “der Freimaurerinnen”. Der Blog FrauMaurer wird auch an dieser Stelle der Vielfalt gerecht.

In Teil 3 wird es um den Wandel der Arbeitswelt gehen.

Freimaurerei im 21. Jahrhundert, Kapitulation vor Komplexität

März 21st, 2016

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Toleranz, Humanität, Brüderlichkeit sind in dieser Form während in der Zeit der Aufklärung formuliert worden. Allgemeines Handlungsprinzip sind sie auch heute mitnichten. Jeder Mensch muss für sich selbst Erkenntnisse gewinnen und wird diese dann, wenn er überhaupt so weit kommt, in seinem Leben umsetzen.
Richten wir den Blick auf unsere Zeit. Was ist schon heute charakteristisch für das noch junge 21. Jahrhundert? Was hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert?
Ich sehe drei wesentliche Themenfelder: Kapitulation vor der Komplexität, Digitalisierung und Wandel der Arbeitswelt.

FrauMaurer wird diese Felder in drei Beiträgen genauer unter die Lupe nehmen und jeweils auch den freimaurerischen Blickwinkel prüfen. Wir beginnen mit der

Kapitulation vor Komplexität
Die Welt erscheint heute so eng verwoben, wie noch nie, alle hängen mit allen zusammen, alles hängt mit allem zusammen. Sei es die Finanz- oder Schuldenkrise, Kriege, in deren Folge so viele Flüchtlinge wie noch nie seit dem 2. Weltkrieg, ethnische und weltanschauliche Konflikte, Umweltkatastrophen, alles erscheint so gewaltig, schwierig und komplex und es bieten sich keine einfachen Lösungen an. Es gibt sie schlicht nicht. Zugleich erreicht uns dies alles in Echtzeit, auf allen Kanälen. Was tun? Es scheint, als würde die Realität die Menschen mutlos machen und überfordern. In der Konsequenz wird pauschalisiert und nach Sündenböcken gesucht. Irgendjemand muss doch Schuld sein!
Als Freimaurerin bemühe ich mich um Wissen und das Kennenlernen neuer Perspektiven. Das zentrale Mittel ist der Diskurs. Die Welt wird hinterfragt, Pauschalisierungen vermieden. Mit dieser Haltung sind wir eher in der Lage, den leichten Versuchungen zu widerstehen. Die Welt wird dadurch nicht einfacher, doch der aufgeklärte Umgang mit der Welt nimmt die Ohnmacht, die so leicht den Geist blockiert und den Menschen engstirnig und engherzig macht. Durch die in der Loge eingeübte Haltung verschafft die Freimaurerei den Schwestern so indirekt Orientierung in einer unübersichtlichen Welt.

Nächster Beitrag: Digitalisierung

(Bild: Dieter Schütz, Pixelio)

Weg mit dem Neid - Mitfreude macht fröhlich

Februar 12th, 2016


Ich habe mich entschieden, dass ich anderen Schönes gönnen möchte, mich freuen möchte an dem, was andere Schönes haben und erleben, an dem, was anderen Gutes getan wird. Ich will mich mitfreuen - und zwar ohne neidisch zu sein, ohne mich benachteiligt und zurückgesetzt zu fühlen, ohne zu hadern, ohne selbst Forderungen für mich zu stellen. Ich will mich von Herzen mit anderen freuen, denen Gutes widerfährt. Mitfreude macht das Herz weit und macht mich selbst fröhlich. Anlass für diesen “Vorsatz” war ein Museum, das Flüchtlingsgruppen mit Betreuung freien Eintritt gewährt und dafür einen Shitstorm erntete. Da ist mir bewusst geworden, wie ich-bezogen wir oft um uns selber und unsere eigenen Vorteile kreisen, wie bitter wir dabei werden und wie hässlich. Ich setze auf Mitfreude, Großzügigkeit und die erbauliche Kraft freundlicher Gesten - und merke schon jetzt, wie gut das tut. In der Freimaurerei vollziehen wir diese Perspektiverweiterung vom Ich zum Du und zum Wir symbolisch in den drei Graden Lehrling, Gesellin, Meisterin. Dazu gehört auch das gelegentliche Loslassen von Eigennutz und Eigeninteresse.

(Bild: juli.gänseblümchen, Pixelio)

Mein Beitrag

Februar 2nd, 2016


In der Loge haben wir verschiedene Aufgaben, die von einzelnen Schwestern für die Gemeinschaft übernommen werden. Meine derzeitige Aufgabe ist es, für verschiedene Veranstaltungen in meiner Loge im Vorfeld die Musik auszuwählen. In diesem Amt spreche ich kein Wort. Das ist ein großer Kontrast zu der Aufgabe, die ich zuvor innehatte. Für mich sind diese Wechsel, die es regelmäßig gibt, überaus inspirierend. Augenblicklich bin ich sozusagen aufgerufen, ohne Sprache an der Stimmung und Atmosphäre zu arbeiten. Ich spinne den Gedanken weiter, entkopple ihn von der Musik und denke über meine Loge nach. Plötzlich nehme ich den Beitrag mancher Schwester für unsere Gemeinschaft sehr viel deutlicher wahr, wie herausgefiltert. Und ich frage mich, ob ich selbst genug sehe und einfach erledige, ohne viele Worte zu machen. Als Musikmeisterin ist es eine große Freude zu fühlen, dass die ausgewählte Musik die Stimmung unterstützt und zu erkennen, dass meine Wahl zum Gelingen der Veranstaltung beiträgt. Auch das lässt sich wieder gut verallgemeinern: Es macht zufrieden, einen sinnvollen Beitrag zu leisten, egal was für einen. Ich werde daran arbeiten.

Bild: birgitH (Pixelio)

Loslassen

Dezember 30th, 2015

loslassen
Können Sie loslassen? Kommt darauf an, worum es geht, werden Sie vielleicht antworten. Wenn wir eine ungeliebte Aufgabe abgeben, dann ist es ganz leicht. Doch bei allem anderen tun wir uns schwer zu akzeptieren, dass nicht alles weitergeht, wie gewohnt. Das Schwerste ist wohl, geliebte Menschen loszulassen, sei es, weil sie ihren Lebensmittelpunkt verschieben oder sich infolge von Alter oder Krankheit so verändern, dass wir sie kaum wiedererkennen. Im Kleinen wie im Großen bleibt das Loslassen eine lebenslange Aufgabe.
Als vor den Sommerferien die Liste noch vor dem Urlaub zu erledigender Dinge wuchs und wuchs, dachte ich: Leichter gesagt, als getan. Ich habe erledigt, was möglich war und dann beschlossen: Jetzt ist Schluss, Urlaub, Erholung! Der Rest auf meiner Liste würde auch in einigen Wochen noch da sein. War er auch. Aber inzwischen waren neue Dinge hinzugekommen und bis sich dieser Stau aufgelöst hatte, fielen bereits die ersten Blätter von den Bäumen.
Doch meine Entscheidung aus dem Sommer, vor dem Urlaub bewusst loszulassen, bereue ich nicht. Im Trott der täglichen Verpflichtungen und Gewohnheiten vergesse ich manchmal, dass Leben aus ständiger Veränderung besteht. Wie oft kommen neue Aufgaben hinzu, geht man neue Verpflichtungen ein, freiwillig oder aus sozialer Notwendigkeit. Doch wir können nicht immer nur Neues beginnen, wir müssen auch anderes hinter uns lassen, sonst drehen wir durch. Leider nehmen wir uns dazu, zum „Sein lassen“, meist zu wenig Zeit oder wir denken nicht darüber nach. Dabei ist es eine echte Wohltat, so meine ich zumindest, selbst für sich Veränderungen anzustoßen und mit Gewohnheiten zu brechen. Es vermeidet nicht nur die lähmende Seite des Alltags, es gibt mir auch immer wieder das gute Gefühl, mich aktiv gestaltend und handelnd zu erleben.
Was kann ich lassen? Wo könnte ich loslassen? Was möchte ich verändern? Jetzt, zum Jahreswechsel, ist eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken.

(Bild: Lisa Spreckelmeyer, Pixelio)

Was wäre, wenn…

Dezember 17th, 2015

…. wir öfter mal würdigen, was andere leisten?
Jeder Mensch sucht nach Sinn und sinnvoller Tätigkeit, möchte gebraucht werden, sehnt sich nach Anerkennung, Zuspruch und Ermutigung. Jeder Mensch braucht das für sein Selbstwertgefühl, sein Selbstbewusstsein, sein Wohlbefinden. In der heutigen Arbeitswelt ist jedoch die Wahrscheinlichkeit, nach Fehlern kräftig abgekanzelt zu werden, meist größer als die, nach guter Leistung echtes Lob zu erhalten. Mal ganz abgesehen davon, dass immer mehr Menschen von Arbeit und damit auch von gesellschaftlicher Teilhabe abgeschnitten sind und sich allein dadurch wertlos, unproduktiv, überflüssig und unglücklich fühlen. Ich habe beim Einsatz für Flüchtlinge in „meiner“ Stadt beobachtet, dass viele Menschen diese Anerkennung, dieses Gebrauchtwerden, dieses sinnvolle Tätigsein im Ehrenamt erleben oder zu erleben versuchen und dass sie – je nachdem, wie es gelingt und „ankommt“ bzw. „verpufft“ – dadurch glücklicher oder noch unglücklicher werden. Vor ein paar Monaten traf mich dann in einer besinnlichen Minute mit voller Wucht die Erkenntnis, dass sich das genauso auch auf unsere Logen übertragen lässt. Wie oft mäkeln wir aneinander herum? Wie oft sind wir unachtsam und nehmen die Leistung der anderen gar nicht wahr, wie oft würdigen wir sie herab? Und wie lässt sich das ändern? Nun – wie so Vieles: Indem man bei sich selbst beginnt!
Mein kleiner Beitrag für mehr Glück und Zufriedenheit, einfach mal so, zum Jahreswechsel: „Wertschätzungs“-Karten. Ich habe jeder Schwester geschrieben, was ich an ihr „schätze“, was ich an Beiträgen und Handlungen ich im vergangenen Jahr als besonders toll und gelungen empfunden und erlebt habe, was mir aufgefallen ist. Und siehe da: Bei der Auflistung wurde mir klar, dass ich jeder einzelnen dieser höchst unterschiedlichen Freimaurerinnen aus vollem Herzen sagen kann: Du bist ein wunderbarer Mensch mit großartigen Fähigkeiten und Begabungen! Mein Vorsatz für 2016: Ich will auch weiterhin innerhalb und außerhalb der Loge mehr darauf achten, was jede einzelne in die Gemeinschaft einbringt und sie darin bestärken und ermutigen. Denn jede einzelne ist von unschätzbarem Wert und ist es allein deshalb wert, gehörig wertgeschätzt zu werden.