Angst vor Veränderung?

Veränderung ist allgegenwärtig, vielfach sprechen wir von “Change” - was haben wir im Deutschen für Alternativen? Siebzehn finde ich auf Anhieb, ein Zeichen für einen wichtigen und an Facetten reichen Begriff: Wandel, Erneuerung, Wechsel, Abweichung, Besserung, Bewegung,  Korrektur, Modifikation, Neuerung, Reform, Umwandlung, Wende, Neubeginn, Neuordnung, Übergang, Abwechslung, Revolution.
Die Hälfte der Synonyme ist positiv besetzt ist (Besserung), die andere Hälfte neutral. Keiner ist dagegen eindeutig negativ.
Dennoch löst der Begriff Veränderung bei vielen Menschen unangenehme Assoziationen, wenn nicht gar Angst aus.
Freimaurerinnen wollen sich selbst erkennen und verändern. Die Arbeit am rauen Stein bedeutet nichts anderes als Veränderung. Freimaurerinnen wollen nicht ‚weg-von-etwas‘ sondern ‚hin-zu-etwas‘. Sie erklären die eigene Veränderung zum Ziel haben demnach eine gewisse Veränderungslust!
Aber wo wird Veränderung in der Freimaurerei sichtbar?
Ein Beispiel: Wir arbeiten in drei Graden. Diese symbolisieren bei ihrem Durchlaufen die Veränderung der jeweiligen Freimaurerin, ihr individuelles Fortschreiten auf dem freimaurerischen Weg der Erkenntnis.
Die Loge empfinden wir dabei als langjährige Konstante, doch auch die Loge als Gruppe verändert sich: durch die Veränderung jeder einzelnen Schwester, durch neue Mitglieder und Schwestern, die uns wieder verlassen. So, wie in einer Kette jedes einzelne Glied seine Wirkung auf Aussehen und Eigenschaften des Schmuckstücks hat, so ist es in der Loge in der Kette der Schwestern.
Diese Veränderungen sind im Gegensatz zu der Veränderung der eigenen Person jedoch nicht selbst gewollt, nicht selbst angestoßen und hier liegt der entscheidende Unterschied für unsere Fähigkeit, mit dem Wandel umzugehen.
Doch zurück: Freimaurerinnen wollen nicht ‚weg-von-etwas‘ sondern ‚hin-zu-etwas‘. Die wichtigste Fähigkeit zur erfolgreichen Bewältigung von Veränderung ist die Lust auf sie und das ist genau das, was uns Freimaurerinnen auszeichnet bzw. auszeichnen sollte.
Die Wahrnehmung einer Zukunft ist dabei unsere schöpferische Leistung. Wir können sie selbst bestimmen, denn es gibt sie ja noch nicht! Und bei der Realisierung ist der Weg das Ziel, mit allem, was dazu gehört: Abschied nehmen, planen, sich verlaufen, andere Menschen treffen, raten, neu entscheiden, sich helfen, sich trauen, sich ermutigen, sich irren und wieder versuchen.
Angst brauchen wir davor nicht zu haben, denn am Anfang sind alle Wege dunkel.

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5 Responses to “Angst vor Veränderung?”

  1. Julien sagt:

    Thanks for this post I will try it :) ps:sorry for my english im French…

  2. Gast sagt:

    “Alles ist miteinander verwoben und die Möglichkeiten vielfältig.”

    Das wirklich besondere ist ja, dass jeder von uns einen neuen Faden weben kann, der sich wiederum mit anderen verknüpft. Dieser Faden muss nicht fest verankert bleiben. Er kann sich wieder lösen und neue Formationen bilden. So bildet sich immer wieder ein neues Bild.

  3. Zwilling sagt:

    Ja, das ist eine gute Frage. Natürlich sollte es der Sinn der Arbeit an meinem rauen Stein sein, dass ich meine Persönlichkeit auch in mein Umfeld einbringe. Das wäre wunderbar und bereichert zwischenmenschliche Beziehungen da, wo möglich, verhindert vielleicht Konflikte oder gibt einem guten Freund einen Impuls fürs Leben.
    Zum Glück können wir unsere Mitmenschen nicht verändern, auch wenn das immer wieder versucht wird. Ich glaube sogar, dass nur unsere Mitmenschen eine Veränderung an mir bemerken, wenn ich durch meine Arbeit an meiner Persönlichkeit neue Fassetten an mir und dem Leben entdecke. Denn es ist alles schon in mir und es kann meine freie Entscheidung sein, was ich in mein Leben, meine Arbeit und im Zusammensein mit Schwestern in der Loge davon einbringe. Diese Entwicklung hin zu einem höheren Wert als Sicherheit, Karriere usw. ist allgegenwärtig und deshalb von ewigem Bestand, nicht nur, aber auch in der freimaurerischen Arbeit. Es geht dabei auch um Zugehörigkeit zur gesamten Menschheit und Spiritualität.
    Und natürlich können wir nicht alles kontrollieren. Schon gar nicht unsere eigene Entwicklung. Alles hat seine Zeit. Wie oft habe ich mir schon vorgenommen alle Sternzeichen am nördlichen und südlichen Himmel erkennen zu können. Und auch bei meinem neuerlichen Versuch hat mich ein studierter Astronom von diesem Wunsch nicht ganz befreien können. Aber ich kann mich dem Fluss des Lebens hingeben und immer wieder ein bisschen dazulernen. Und bestimmt wird mich eine Erkenntnis daraus weiterbringen, wenn ich mich vielleicht sogar mit ganz anderen Themen beschäftige. Alles ist miteinander verwoben und die Möglichkeiten vielfältig. Das schafft unendliche Raum für Leben und Schaffen und Veränderung.

  4. Hana sagt:

    Lieber Gast,
    Herzlichen Dank für Ihren Kommentar! Wie Menschen mit Veränderung umgehen und wie schwer sie uns fällt, ist menschlich und gilt überall. Wir haben als Freimaurerinnen ein Veränderungsprojekt an uns selbst vor. Das ist selbst gewollt und fällt daher (grundsätzlich) leichter, als das Einstellen auf Veränderungen, die von außen (also nicht selbst gewollt)auf uns einwirken. Wir wollen von unserer Umwelt positiv wahrgenommen werden, weil wir (erfolgreich) an uns gearbeitet haben.
    Unsere ””””””””Baustellen”””””””” sind individuell sehr verschieden. Deshalb kann ich auf Ihre letzte Frage nur so antworten: wenn Sie sich bemühen, sich in diese Richtung weiterzuentwickeln und es gelingt Ihnen, dann ist die Aussage für Sie richtig. :-)

  5. Gast sagt:

    Diesen Text empfinde ich wieder für mich als sehr passend.

    Ist es eigentlich möglich, die Veränderung im Sinne der Freimaurerei auch auf meine Umwelt zu übertragen?
    Privat und beruflich habe ich immer am meisten Probleme mit Menschen, die nicht sich selbst sondern ihre Mitmenschen oder Begebenheiten verändern wollen. Auch wenn ich gestehen muss, dass ich diese meine Mitmenschen teilweise um ihre Bemühungen, ihre eigene Umwelt nach ihren Möglichkeiten zu verändern, bewundere: So leben möchte ich nicht.

    Was ich sehr sympathisch finde ist, dass ich für meine freimaurerische Tätigkeit nur das Ziel brauche, mich selbst positiv verändern zu wollen.
    Nicht wie im sonstigen Leben: Beruf, Karriere und Sicherheit

    Das Ergebnis meiner Arbeit am rauen Stein ist, dass ich mich ein wenig treiben lassen darf und neugierig schaue, was das Leben für mich
    bereithält.

    Kann man das so formulieren?
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

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