Symbole und Zeichen


Spätestens mit dem Eintritt in eine Loge lernt die Freimaurerin, sich mit Symbolen aus den Bereichen der Bauhüttentradition, der Natur und des Kosmos bewusst auseinander zu setzen. Bald erkennt sie auch Symbolik in Schriften, Bildern und Skulpturen, an Kathedralen, in entsprechend angelegten Gärten, an Gebäuden und vielleicht auch im Spiel der Zahlen.
Die Symbolsprache hilft, Dinge nicht nur oberflächlich wahrzunehmen.
Als die Menschen noch nicht lesen konnten, waren Symbole und eine reiche Bilderwelt eine Ausdrucksweise, die verstanden, „gelesen“ werden konnte. Die Masse der Informationen, die heute täglich auf uns niederprasseln, hat uns leider viel von der Deutung der Symbolik, der Bildersprache und Bildinterpretationen vergessen lassen. So entgeht uns ein Stück Kultur und damit einher geht auch ein Verlust an Phantasie und Tiefe.
Dabei hat sich mit Hilfe von Symbolen und Zeichen eine spezielle Sprache herausgebildet. Beides, Zeichen und Symbole, können von Menschen verstanden werden. Ein Zeichen erschließt sich unmittelbar – darauf ist es ausgelegt. Verkehrszeichen oder Warnhinweise bilden sogar eine ganze Zeichensprache. Die Botschaft von Zeichen muss demnach schnell verständlich und eindeutig interpretierbar sein.
Ein Symbol dagegen ist eine Ausdrucksweise, die interpretiert werden will. Es steht für eine Idee und will auf eine tiefere, universelle Bedeutung hinweisen. Ein Symbol erschließt sich üblicherweise nicht schnell, es muss von dem Betrachter ergründet werden, Schicht für Schicht, manchmal über Jahre. Es fordert den Betrachter heraus, tiefer zu schauen als auf die Oberfläche.
Das musivische Pflaster, das Wechselspiel zwischen hell und dunkel, regt zum Beispiel zum Nachdenken über die Wechselfälle des Lebens an. Freimaurerei regt zum Denken - auch über Symbolik - an.

(Bild: Lupo / Pixelio.de)

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One Response to “Symbole und Zeichen”

  1. Kastanie sagt:

    Bei aller Wertschätzung der Leidenschaft zur Symbolik möchte ich doch in einigen Punkten Widerspruch anmelden und zum Weiterdenken anregen:
    - Der Mensch ist insgesamt ein „animal symbolicum” (Ernst Cassirer), d.h., er lebt von Kindheit an in einer Welt der Symbole, lernt sie zu verstehen und selbst neue zu entwerfen (auch Sprache ist nichts anderes als ein Symbolsystem!).
    - Symbolik hat genau die Aufgabe, uns mithilfe eines einfachen Begriffs (z.B. „Hammer”) oder eines simplen Bildes (wie z.B. das der Sonne) in die Lage zu versetzen, in einer gerade sehr einfachen Oberflächenstruktur zu kommunizieren, denn wir „wissen” ja zumindest im eigenen Kulturkreis, was gemeint ist.
    - Es sind genau die Menschen und Medien, die für die Informationsübermittlung und Meinungsbildung nichts anderes tun, als in ganz besonderem Maße mit Symbolik manipulativ zu arbeiten, angefangen bei der Werbung bis hin zur Propaganda (und das war auch schon so zu jener Zeit, als die Menschen nur mit Bildern erreicht werden konnten).

    Mit Sicherheit können die Symbole, deren sich die verschiedensten Ausprägungen der Freimaurerei bedienen, zu interessanten interkulturellen Entdeckungen führen. Die Grundsymbole, nämlich die Werkzeuge,
    sprechen jedoch eine einheitliche Sprache - und zwar weltweit und transkulturell. Für einen guten Bau braucht es Qualitätsarbeit. Jeder weiß und versteht, wozu ein Hammer gut ist. Wie und wofür er einsetzt wird, ist eine andere Frage.

    Und deshalb möchte ich ergänzen, dass der Umgang mit Symbolik zwar bei ihrer Deutung anfängt, klar, er aber nicht im Deutungsrausch stecken bleiben und enden darf. Durch die Beschäftigung mit Symbolen in der Loge kann man lernen, einen weitaus bewussteren Umgang mit den komplexen Vermittlungs- und Lenkungsmechanismen unserer Welt durch Einsatz von Symbolen zu erreichen und ebenso, stets die Frage nach den ethischen Maßstäben zur Umsetzung der über Symbolik dargestellten Haltung und Einstellung zur Welt und den Mitmenschen vor Augen zu haben.

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