Denken Sie bitte nicht an Blau - oder: wie Freimaurer arbeiten

Mein Google-Alert meldete dieser Tage einen Bericht von bzw. über eine Loge. Die Überschrift bediente sich hartnäckiger Vorurteile, die ich hier nicht wiederhole, und setzte dem ein “wir … nicht” voran. Der Text war ganz informativ, dennoch ist das offensichtliche Bemühen um transparente Öffentlichkeitsarbeit schon vorher verloren. Warum? Einfach weil unser Gehirn so ist, wie es ist. Wir verarbeiten ständig eine gigantische Flut von Informationen und reagieren darauf - jenseits aller modernen Medien. Schon bei einem Gang über die Straße beispielsweise hören und sehen wir, was passiert, bewerten die Information, und legen im Zweifel einen Zahn zu, wenn sich beispielsweise ein Fahrzeug zu schnell nähert. Das alles sind keine bewussten Prozesse. Sie laufen automatisiert in unserem Gehirn und helfen uns dabei zu überleben. Das Problem: Unser Unterbewusstsein versteht keine Verneinung. Viel zu kompliziert. “Denken Sie jetzt mal nicht an Blau!” ist ein einfaches Beispiel. 
Damit wird zum Einen deutlich, warum das negierte Wiederholen von Verleumdungen oder Vorurteilen keinen positiven Effekt hat, sondern im Gegenteil, das doch so Falsche weiter präsent hält und sogar verbreitet.
Zugleich bringt mich dieser Punkt auf einen Kern freimaurerischer Arbeit: In der Loge hören Freimaurerinnen positive Aussagen, etwa: Wie sollen wir uns begegnen? Auf gleicher Ebene, auf der Winkelwaage. Wir wiederholen eben nicht fortgesetzt, was nicht gut ist. Wir nutzen positive Bilder und verstärken damit das positive Verhalten. Wir holen das, was wir wollen, beispielsweise also einen toleranten, menschlichen Umgang miteinander, durch Sprache in die Wirklichkeit. Die positive Formulierung dringt bis in das Unterbewusstsein und das hilft bei der realen Veränderung. Es wirkt. Davon bin ich jedenfalls überzeugt. 

(Foto: Dieter Schütz/Pixelio)

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