Nach den Attentaten von Paris: Freiheit, Humanität und Menschenwürde – jetzt erst recht!


In Paris haben Terroristen am Abend des 13. November bei Attentaten an verschiedenen Orten der Stadt mehr als 128 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt. Sie wüteten vor dem Fußballstadion, in einem Rockkonzert, in Restaurants – an Orten, an denen Menschen in ihrer Freizeit zusammenkommen, um sich zu erholen und zu erfreuen. So viele unschuldige Menschen haben ihre Leben verloren oder ihre Gesundheit, liegen jetzt im Krankenhaus, andere sind körperlich unversehrt geblieben, aber zutiefst geschockt. Ich – und sicher nicht nur ich allein – bin mir zwar bewusst, dass das alles nichts ist gegen das Grauen des Krieges, der zurzeit in Syrien tobt, doch ich bin entsetzt und tieftraurig über derartige Gewaltexzesse in Europa. Ich habe das Bedürfnis, den Opfern, ihren Angehörigen und Freunden, den Französinnen und Franzosen mein Beileid auszusprechen, und neben aller Trauer spüre ich auch Zorn. Auch damit bin ich sicher nicht allein.
Um so wichtiger ist, dass wir in diesen schweren Tagen gemeinsam für unsere europäischen Werte eintreten: für Freiheit und Humanität. Umso wichtiger ist, uns nicht von der gegenwärtig hochemotionalen Stimmung mitreißen zu lassen, die nicht mehr unterscheidet zwischen Verbrechern und Flüchtlingen, zwischen aufgeklärt-moderner und fundamentalistisch-fanatischer Religion und die der Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit Tür und Tor öffnet.
Die barbarischen Morde in Paris haben nicht die Flüchtlinge in Europa, die vor genau diesem Wahnsinn geflohen sind, begangen. Die Attentate wurden von Verbrechern und Verblendeten angezettelt, geplant und ausgeführt, von Menschen, die ich für schwer krank, für hochgradig psychisch gestört und kriminell halte und die gegen alles verstoßen, was mir heilig ist: Die Liebe, die Menschenwürde, die Humanität, die Freiheit, die Toleranz. Ihnen und denjenigen, die ihnen nacheifern, muss mit aller Härte Einhalt geboten werden; sie gehören schnellstmöglich hinter Schloss und Riegel. Wer aber jetzt triumphiert und die schändlichen Attentate als Vorwand für weitere Stimmungsmache gegen Wehrlose, Verfolgte und Verzweifelte missbraucht, verstößt auch gegen unsere gemeinsamen Werte. Die Morde in Paris dürfen nicht als Vorwand dienen, uns abzuwenden von den Pflichten, die uns unser Grundgesetzt in § 16 a auferlegt: Politisch Verfolge genießen Asylrecht. Die Mörder dürfen uns nicht dazu bringen, alle Menschen muslimischen Glaubens pauschal zu Feinden zu erklären, denn die extrem-fanatische Haltung des IS hat mit dem Glauben der überwiegenden Mehrzahl unserer muslimischen Mitbürger, Nachbarn und der Mehrzahl der muslimischen Flüchtlinge nichts gemein. Nicht Angst und Hass und Pauschalurteile sollen uns leiten und unsere Haltung und Weltsicht bestimmen, sondern das Streben nach Licht, Leben und Liebe, Wohlwollen und Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und die Suche nach möglichst menschenfreundlichen Strukturen. Kehret niemals der Not und dem Elend den Rücken – diese Aufforderung gilt besonders in schweren Zeiten. Ohne Not lässt sie sich als blutleere Formel und netter Spruch leicht dahinsagen. Nur in Krisenzeiten zeigt sich, ob wir diese Worte ernst nehmen und mit Leben füllen.

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6 Responses to “Nach den Attentaten von Paris: Freiheit, Humanität und Menschenwürde – jetzt erst recht!”

  1. Danke, liebe FrauMaurer,

    für diese klaren und dennoch differenzierten Gedanken!

    Es scheint in diesen Zeiten wichtiger den je, Menschen nicht über einen Kamm zu scheren und nicht die Angst uns diese Welt erklären zu lassen.

  2. Freigeist sagt:

    Ich finde es schön, Herr Thien, dass Sie niemanden kennen, der Muslime pauschal verurteilt. Das gibt mir Hoffnung, denn ich habe leider erleben müssen, dass viele, die ich kenne, genau das tun: Pauschal verurteilen. An anderer Stelle möchte ich Ihnen widersprechen: Das Angela Merkel ein Sicherheitsrisiko sein soll, scheint mir eine abenteuerliche Verdrehung der Tatsachen zu sein. Nicht unsere Bundeskanzlerin ist ein Sicherheitsrisiko, sondern die Terroristen sind es. Sie wollen erreichen, dass wir in Angst erstarren und uns nicht mehr trauen, für unsere freiheitlichen Werte, unsere Humanität und Hilfsbereitschaft einzutreten. Das ist der Zweck von Terror und Gewalt - dem dürfen wir nicht nachgeben. Europa wird gemeinsam Wege finden, den Terror gezielt zu bekämpfen. Ich persönlich bin derzeit - als Nicht-CDU-Wählerin übrigens - über die besonnene und gradlinige und mitmenschliche Haltung der Bundeskanzlerin sehr erleichtert. Noch eine kleine Anmerkung zu den Handys: Wenn ich in heutiger Zeit fliehen müsste, wäre mein Handy oder Smartphone mein kostbarstes Gut. Das würde ich mitnehmen, wenn ich schnell weg müsste. Und wenn ich auch das verlöre, dann würde ich mir ein neues besorgen. Es gibt diese Geräte mittlerweile für kleines Geld zu kaufen.

  3. CounsellorTroy sagt:

    Ich muss den Worten von Herrn Thiel ganz deutlich widersprechen: es ist kontraproduktiv und heizt nur eine unsägliche Debatte an, wenn wir die Flüchtlinge, die gerade in unser Land kommen, in die Nähe der Terroristen (jetzt von Paris) stellen. Nachweislich wurden die meisten der Attentäter in Frankreich oder Belgien geboren. Das wurde ja auch bereits im obigen Post erwähnt. Genau mit dieser undifferenzierten Herangehensweise wird derzeit versucht, fremdenfeindliche Politik gesellschaftsfähig zu machen. Eine solche Vorgehensweise mit den Fakten aber auch mit den Ängsten von Menschen ist für mich genau das Gegenteil der Art und Weise des Dialoges, den wir als Freimaurer über die zentralen Fragen der Menschheit führen sollten.

  4. Violetta sagt:

    Vorab: Danke allen, die Anregung zu diesm Autausch geben. Freimaurerei hat sich mit dem zu befassen, was die Menschen aktuell berührt und den Ist - Zustand zu hinterfragen.
    Ja, es gibt viele Muslime, die vor fanatischen Muslimen warnen – aber nur warnen hilft nicht. Religiöser Fanatismus bestimmt das Leben in unserer Welt seit Jahrhunderten. Mir wäre es ein wichtiges und beruhigendes Zeichen, wenn alle die Muslime – auch die Regierungen der muslimisch-geprägten Länder - die diesen Fanatismus wirklich ablehnen, mit aufstehen und dem IS entgegentreten würden. Politisches Kalkül und Zögern um der eigenen Interessen, persönlicher und wirtschaftlicher Vorteile willen, lassen diesem Wahnsinn freien Lauf.
    Ich verweigere parteipolitische Diskurse in diesem Forum, möchte aber fragen: Was wäre passiert, wenn Frau Merkel gesagt hätte: Wir schaffen das NICHT! ??? Wäre auch nur ein Flüchtling weniger gekommen? Wären dann alle mit ihren Booten umgekehrt oder hätten ein Rückflugticket ab Lesbos, Budapest oder Wien gebucht? Und welche Panik hätte es innerhalb unserer Bevölkerung gegeben, wenn durch negative Äußerungen dieser Art Angst und eine Verweigerungshaltung in unserem Land geschürt worden wäre.
    Diejenigen, die unser freiheitliches, demokratisches Leben ablehnen, denen Gleichberechtigung von Mann und Frau genauso undenkbar sind, wie Musik, Theater, Kultur ihnen zuwider ist und die mit den Werten Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Humanismus, freie Meinungsäußerung, die uns Freimaurern erstrebenswert sind, so gar nichts anfangen können, die kommen nicht mühselig übers Meer in Flüchtlingsbooten und langen Fußmärschen zu uns. Die haben ganz andere Wege, sich unter uns zu mischen. Sie sind, die Ermittlungen von Paris beweisen es, sogar hier geboren und haben europäische Pässe. Wenn jeden Montag 10.000 Menschen 3 Stunden mit anpacken würden und das Vorleben würden, was auch das Christentum fordert, nämlich Nächstenliebe, Brüderlichkeit, statt durch Dresden zu ziehen, könnte man die Welt vielleicht wirklich retten - und nicht nur das “christliche” Abendland.

  5. Stefan Thien sagt:

    Es gibt fast niemand der Menschen muslimischen Glaubens pauschal verurteilt. Ich kenne keine einzige Person. Ich kenne aber viele Muslime die vor fanatischen Muslimen warnen. Wir können nicht aus einer der gefährlichsten Regionen der Welt massenweise Personen ohne Identitätsprüfung ins Land lassen. Außerdem dürfen wir die Einwanderung nicht noch durch Zahlungen belohnen die weit über dem Einkommen der Herkunftsländer liegen. In Paris waren es 7 Personen. 7! Die anonyme Einwanderung geht in die Hunderttausende. Alles Menschen die ihr Handy dabei haben und den Ausweis verloren haben. Keiner kam auf die Idee ein Foto vom Ausweis zu machen. Wir müssen die Lehren aus Paris ziehen. Meinungsfreiheit und Diskussionsfreiheit sind die Basis der Demokratie. Wir müssen unsere Regierung an die Einhaltung des Grundgesetzes erinnern. Vor allem Artikel 16a. Diese Kanzlerin und Deutschland sind zum größten Sicherheitsrisiko für Europa geworden. Das ist leider keine Überraschung. Leider verweigert man sich jeder vernünftigen Diskussion und jeder vernünftigen Lösung.

  6. M.T.Holstein sagt:

    Liebe Schwester,
    Danke für deinen wichtigen Beitrag!
    Handeln und Menschen in Not helfen ist angesagt!

    Es grüßt dich und alle Freimaurerinnen und Freimaurer,
    Euer Bruder,
    Micha

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