Vernunft und Liebe in der Freimaurerei (1/3)

Teil 1 - Vernunft
Was bedeuten Vernunft und Liebe in der Freimaurerei?
Ein Lahmer und ein Blinder wurden im Wald von einem Feuer überrascht. Da nahm der Blinde den Lahmen auf die Schulter und beide konnten sich retten. Liebe ohne Vernunft ist blind. Vernunft ohne Liebe ist lahm. Die Liebe, das Herz, nimmt die Vernunft, den Kopf, auf die Schulter. Vernunft ist Kopfarbeit, Liebe ist Herzarbeit. Arbeit ist also beides!
Die Loge ist eine Herausforderung für jede von uns, vernünftig handeln und lieben zu lernen. Gerade in einer kleinen Gemeinschaft lässt sich leichter herausfinden, ob eine Sache vernünftig und ob sie mit schwesterlicher Liebe ausgeführt wird, als in einer sehr großen Gemeinschaft, wo eine einzelne sich verstecken oder bedeckt halten kann. 
Auf dem freimaurerischen Einweihungsweg scheint es vernünftig zu fragen: Geht das ohne Anleitung? Brauchen wir spirituelle Führung? Sollte sich ein „freier Mensch von gutem Ruf“ darum bemühen, geführt zu werden? Die Freimaurerin ist in der Loge keiner Führung unterstellt, vielmehr ist jede einzelne Schwester gefordert, sich um ihr Weiterkommen selbst zu kümmern. Hier wird das geistige Erbe der Aufklärung wirksam: nicht denken lassen sondern selber denken. Das Erleben von Gemeinschaft und freimaurerischer Arbeit soll eine Wandlung bewirken, deren Wirkungen jedoch nicht messbar oder nachprüfbar sind.
Vernunft ist das richtige Aufnehmen und das Vermögen, das Aufgenommene zu verarbeiten und in einen Zusammenhang zu bringen. Nur echtes Fragen führt zu echten Erkenntnissen. Das sind Erkenntnisse, die uns verwandeln. Freimaurerisch ist ja der Gedanke: Wir sollen nicht bleiben, was wir sind. Und das wiederum, ohne uns auf eine alle verpflichtende Norm auszurichten. Das setzt eigenes Suchen, Fragen und Denken voraus. Vernunft als Sinnsuche.
Als geistige Kraft auf der Suche nach Sinn und gemeinschaftsstiftend ist die Vernunft ein geistiges Vermögen, dem wir heute das sinnliche Vermögen nicht unter- sondern nebenordnen.
Ja zum ganzen Menschen, zu Geist und Sinnen - und das mit Vernunft. Nicht die reine Geistigkeit oder reine Körperlichkeit, sondern sowohl das Geistige als auch das Leiblich-/Materielle verdienen unsere Wertschätzung. Wie schön ist es doch, heute vernünftig zu sein! Wir übersehen nicht die Not um uns her, aber wir sind aufgeschlossen für die Vision einer mit Vernunft und Liebe gestalteten Welt, die in jeder einzelnen von uns ihren Anfang nimmt. 
Wie wirkt sich Vernunft in unserem persönlichen Leben aus?
Im Denken: Selber denken und nicht denken lassen!
Im Handeln: In der Toleranz, denn die Toleranz ist die Forderung, die sich aus dem Selberdenken ergibt: Wie ich für mich in Anspruch nehme, selber zu denken, gestehe ich das auch der anderen zu und respektiere ihr Denken.
Im Lieben: Es ist vernünftig zu lieben. Die Aufklärung erhebt die Forderung der allgemeinen Menschenliebe.

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